Primus-Schule ohne Noten

Lernfreude als Konzept

07:02 Minuten
Kinder lernen spielerisch auf dem Boden ihres Klassenzimmers
In der Primus-Schule soll die Lernfreude gefördert werden. Deshalb gibt es auch viel Zusammenarbeit zwischen den Kindern. © picture-alliance / dpa / Markus Hibbeler
Antje Mismahl im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 02.12.2021
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In der Primus-Schule in Minden soll Lernfrust vermieden werden. Die Direktorin Antje Mismahl setzt deshalb auf einen Modellversuch ohne Schulnoten bis zur 9. Klasse. Die Kinder würden dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt.
Die Primus-Schule im nordrhein-westfälischen Minden verzichtet bis zur 9. Klasse darauf, die Schulkinder zu benoten. Es handelt sich um einen Schulversuch, der 2013 gestartet ist und an der staatlichen Regelschule zeigen soll, wie sich das Lernen ohne Noten auf die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung auswirkt.

Noten sorgen leicht für Lernfrust

"Wir möchten, dass unsere Kinder lange die Lernfreude erhalten", erläutert die Schulleiterin Antje Mismahl das pädagogische Konzept. Studien zeigten, dass Noten sehr stark dazu beitragen, dass Lernfrust entstehe. "Das wollen wir natürlich gerne vermeiden."
Kinder kämen in die Schule und wollten lernen. Im Vordergrund stehe in der Primus-Schule deshalb, dass die Kinder selbst Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Das sei motivierender. "Wenn man Lust hat, zu lernen, dann übt man nicht nur für den Test."

Zehn Jahre in einer Schule

Einen Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule gibt es nicht, die Kinder bleiben zehn Jahre am Stück. Organisiert sind die Jungen und Mädchen in Lerngruppen und lernen jahrgangsübergreifend. "Jedes Kind hat unterschiedliche Fähigkeiten in Deutsch oder in Mathe", sagt Mismahl.
Ein Banner mit der Aufschrift "Primus-Schule" und eine Schulklasse.
Die Primus-Schule in Minden ist ein Modellversuch, bei dem Lernen ohne Schulnoten erprobt wird. © picture-alliance / dpa / Markus Hibbeler
Wenn am Montag die Woche beginne, würden die nächsten Schultage in einem Logbuch geplant. Bei den Kleineren werde im Morgenkreis festgelegt, wie das Programm aussieht. Die Kinder würden angehalten, zunächst selbstständig Fragestellungen zu lösen, andere Kinder um Unterstützung zu bitten und dann erst das Lehrpersonal.

Die Kinder nicht vergleichen

Der Vergleich der Kinder untereinander sei nicht wichtig, sagt die Schulleiterin. "Wir gucken, ob jeder an seinem eigenen Anspruchsniveau arbeitet." Es gebe Schüler, die zukünftig in die Oberstufe gingen und andere, die Lernförderung benötigten. "Warum sollte man die vergleichen?"
Es gebe das treffende Bild davon, dass man einen Elefanten, einen Affen, einen Fisch auf einen Baum hochschicke. Daran zeige sich, dass Kinder nicht miteinander vergleichbar seien. "Es ist sehr frustrierend, wenn der Elefant jedes Mal sieht, der Affe kommt da hoch, ich aber nicht. Wo habe ich denn selbst meine Stärken?"

Gestärkt in die 9. Klasse mit Noten

Den Übergang zur Klasse 9, in der dann benotet werde, sieht Mismahl unproblematisch. Bis dahin hätten sich die Kinder bereits ihre Persönlichkeit stärker entwickelt. Das Problem seien für Kinder vor allem die schlechten Noten, die kleinere Kinder leicht auf ihre Persönlichkeit bezögen und sich deshalb schlecht fühlten.
Bis zur 9. Klasse seien die Kinder dagegen ausreichend gestärkt. "Jeder weiß in der Klasse, wer das Mathegenie ist." Aber es werde auf diese Weise auch deutlicher, wer in der Klasse ganz toll eine Gruppe beim Tanzen anleiten könne oder Konflikte schlichten. "Diese Stärken der Kinder werden in den Vordergrund gerückt und so ist man besser gewappnet, wenn man ab Jahrgang 9 die Noten bekommt."

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