Seit 00:05 Uhr Neue Musik
Dienstag, 26.10.2021
 
Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Fazit | Beitrag vom 28.05.2021

Preis der Leipziger BuchmesseDas Ausreizen sprachlicher Möglichkeiten

Iris Hanika im Gespräch mit Marietta Schwarz

Iris Hanika blickt in Richtung des Betrachters. (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
Iris Hanika möchte nicht als schwer lesbare Autorin wahrgenommen werden. (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

Mit ihrem Roman „Echos Kammern“ hat Iris Hanika den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik gewonnen. Der Mythos der Nymphe Echo habe sie bei der Arbeit an dem Buch besonders gereizt, sagt die Schriftstellerin.

Die Schriftstellerin Iris Hanika hat den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewonnen. In ihrem Roman "Echos Kammern" überträgt sie die Geschichte von Echo und Narziss in die Gegenwart und in das Leben in den modernen Städten New York und Berlin. Hanika sei es dabei gelungen, "buchstäblich eine neue, eigene Sprache" zu finden, begründet die Jury ihre Wahl.

Schreiben kommt von Schreiben wollen

Literatur sei für sie immer auch das Ausreizen sprachlicher Möglichkeiten, sagt Iris Hanika. Sie berufe sich bei ihrer "Translit"-Dozentur an der Universität Köln deswegen immer mal gerne auf den französischen Philosoph Roland Barthes, der gesagt habe, dass vor dem Schreiben das Schreiben wollen komme. "Ich möchte immer gerne schreiben, und meistens weiß ich aber gar nicht genau, was ich eigentlich schreiben will."

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Sie glaube aber nicht, dass ihre Bücher wegen dieses Ansatzes schwer zu lesen seien. Zwar gebe es in "Echos Kammern" Passagen in einer Kunstsprache, "die ich leicht zu lesen finde, weil sie mich beglücken. Es gibt aber Leute, die kriegen davon Kopfschmerzen. Das weiß ich auch. Es gibt aber auch andere Leute, die das beglückt!"

Der Mythos von Echo und Narziss

Außerdem sei der größte Teil des Buches in einem "extrem lesbaren" Deutsch geschrieben, sagt Hanika lachend. Sie bemühe sich keineswegs mit Bedacht, "schwer lesbar" zu sein. "Das tue ich auf gar keinen Fall. Ganz im Gegenteil."

An dem Mythos von Echo und Narziss, den sie in ihrem Buch in eine moderne Form bringt, habe sie vor allem die Rolle der Nymphe Echo gereizt, die Rolle einer Frau, die sich selber nicht als Person sehe, die "selber die Ansagen macht, die die ganzen Sätze spricht, sondern in Anbetung immer nachspricht, was ihr vorgesprochen wird oder denkt, sie dürfe selber gar nichts sagen".

(rja)

Iris Hanika: "Echos Kammern"
Literaturverlag Droschl, Graz 2020
240 Seiten, 22 Euro

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur