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Tonart | Beitrag vom 30.07.2021

Posthumes Prince-AlbumZeichen der Zeit

Norman Müller im Gespräch mit Martin Böttcher

Prince sang am 18.02.1985 in der Konzerthalle "Forum" im californischen Inglewood (USA). (dpa / picture alliance / AP Photo / Liu Heung Shing)
Welch Verlust: Ausnahmekünstler Prince lebt in der Erinnerungen seiner Fans fort. (dpa / picture alliance / AP Photo / Liu Heung Shing)

Fünf Jahre nach Princes Tod erscheint ein weiteres posthumes Album – das erste mit fast nur unveröffentlichten Songs. Ursprünglich hatte sich Prince gegen die Veröffentlichung entschieden. Musikkritiker Norman Müller findet das Album aber hörenswert.

Das Album hält, was das Titelstück schon im April als Single versprach, findet Musikkritiker Müller. Im Retro-Sound fänden sich viele Referenzen an den Soul- und Funk-Sound der 70er-Jahre: an Curtis Mayfield, Sly & The Family Stone, Larry Graham und auch an Princes eigenen 70er-Sound. Auch Gospel-Einflüsse seien zu finden.

Die vielen politischen Songs des Albums seien wie für Prince üblich durchbrochen – von Stücken wie "When She Comes", einer Ballade über den weiblichen Orgasmus oder Partytracks wie "Check The Record".

Zudem sei die Handschrift von Prince-Produktionen gut zu erkennen: "Wenige Effekte, sehr trockene Produktion, wenig Hall, das sorgt für eine gewisse Intimität und für das Gefühl, sehr nah dran zu sein an der Musik."

Songs mit Hitpotenzial fehlten, so Müller. Prince zeige sich hier weniger als Innovator, sondern spiele seine bekannten Stärken als Bandleader aus.

Kritik an Amerika und der Musikindustrie

Inhaltlich beschäftigt Prince sich auf "Welcome 2 America" nicht nur mit der amerikanischen Gesellschaft, sondern auch mit der Musikindustrie. Im Song "Running Game" vergleiche er "das nicht überwundene Trauma der Sklaverei in den USA metaphorisch mit Künstlerinnen- und POC-feindlichen Strukturen im Musikbusiness."

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Zur Frage, ob Prince der posthumen Veröffentlichung des Albums überhaupt zugestimmt hätte, sagt Müller, der Musiker sei wohl nicht unzufrieden gewesen mit "Welcome 2 America". Ein Track sei etwa schon 2010 als Radiosingle erschienen, andere als Webstream oder in veränderter Form auf dem letzten Studioalbum des Künstlers zu Lebzeiten.

Prince habe auch gesagt, er gehe davon aus, dass seine unveröffentlichte Musik irgendwann doch öffentlich werde – wenn auch nicht unbedingt durch ihn selbst.

Kein Meisterwerk, aber zugänglich und inspiriert

Das Album bestehe, so Müller, zum größten Teil aus guten und sehr zugänglichen Popsongs. Als "Prince-Aficionado" fühle er sich an vielen Stellen abgeholt: "Wenn man genauer hinhört, gibt es viele kleine experimentelle Elemente, schrullige Synthesizer-Sounds, Vokalakrobatiken, unverhoffte musikalische Wendungen."

"Welcome 2 America" konkurriere zwar nicht mit den Prince-Meisterwerken, sei aber ein Zeugnis dafür, "dass Prince auch in seiner Spätphase inspirierter und produktiver war als die meisten seiner Zeitzeugen."

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