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Tonart | Beitrag vom 03.11.2014

Porträt Gänsehaut mit der eigenen Big Band

Chris Walden veröffentlicht neue CD "Full On!"

Von Kerstin Zilm

German composer Chris Walden arrives at the 51st Annual Grammy Awards at the Staples Center in Los Angeles, California, USA, 08 February 2009.  (picture-alliance/ dpa/ Paul Buck)
Der deutsche Komponist Chris Walden (picture-alliance/ dpa/ Paul Buck)

Chris Walden arbeitet für die ganz Großen im US-Musikgeschäft - für Barbra Streisand, Stevie Wonder oder Neil Young. Doch die wahre Liebe des Hamburger Multitalents ist der Jazz - mit "Full On" hat er eine eigene CD veröffentlicht.

Chris Walden: "Wir sind hier in meinem Komponierzimmer in den United Studios auf dem Sunset Boulevard in Hollywood was Anfang der 60er-Jahre von Frank Sinatra und Bing Crosby gegründet worden ist. Selbst wenn ich keine Aufträge habe, komme ich hier jeden Morgen um neun hin, weil ich glaube, dass das Musik schreiben etwas ist, was man jeden Tag machen muss wie ein Instrument üben. Deshalb bin ich hier sechs Tage die Woche zehn Stunden am Tag."

Im kleinen fensterlosen Raum mit Keyboard, Computer, einer Bank und zwei Stühlen komponiert und arrangiert Chris Walden für große US-Musikstars von Barbra Streisand bis Michael Buble. Hier schrieb er auch die Musik zu 'Full On!', die neuste CD mit seiner eigenen Big Band.

"Meine Big Band ist ein kreativer Auslass für mich und mein Steckenpferd. Wir könnten nie von meiner Big Band alleine leben aber das ist da, wo ich meine eigenen kreativen Ideen verwirkliche. Die Musiker sind dieselben, die ich auch für kommerzielle Produktionen engagiere. Mit meiner Big Band kommen wir zusammen und spielen Musik, die uns Spaß macht."

Instrumente waren in Chris Waldens Leben seit seiner Kindheit allgegenwärtig. Seine Mutter ist Sängerin, spezialisiert auf alte Musik. Mit vier Jahren spielte er Blockflöte, mit sieben Klavier, mit 13 Trompete.

Während Schulkameraden Discomusik hörten, entdeckte Chris den Jazz. 1987 wurde er ins neu gegründete Bundesjazzorchester aufgenommen. Dessen Leiter, Peter Herbolzheimer, wurde zum wichtigen Mentor. Walden studierte an der Hochschule für Musik in Köln, arbeitete für Rundfunkorchester von Südwestfunk bis zur RIAS Big Band, schrieb und arrangierte Musik für Fernsehen und Kino, darunter mit Konstantin Wecker für den Oscarnominierten Spielfilm Schtonk.

Ein Paar deutsche Tugenden

Mit 29 Jahren gab es nicht mehr viel zu lernen in Deutschland für Walden. Außerdem war die Musik, die er schreiben wollte, nicht sehr gefragt.

"Hollywood war fast ein Schimpfwort wenn es um Ästhetik ging in Deutschland. Und da hab ich mir gesagt, dann bin ich hier falsch. Wenn die Musik, die meine Klangästhetik ist, in Deutschland Ekel erregt, muss ich irgendwohin, wo diese Klangästhetik geschätzt wird und wo ich die perfektionieren und lernen kann und die Möglichkeit habe, das zu machen."

1996 zog er um nach Los Angeles, erreichte Anerkennung und Erfolg - dank Talent, Durchhaltevermögen und ein paar deutscher Tugenden:

"Dass ich sehr organisiert bin, dass ich sehr gründlich bin, meine Aufträge innerhalb des Zeitrahmens abliefern kann und dazu noch gute inspirierte Musik schreibe."

Gerade fertig ist sein Projekt mit Neil Young. Chris Walden hat dessen erstes Album mit Orchester arrangiert und dirigiert.

"Neil Young war ne tolle Erfahrung, weil das einfach ne tolle Persönlichkeit ist. Das ist jetzt nicht der Welt besten Sänger, aber er schreibt tolle Musik und die Musik ist total authentisch, die er macht."

Nicht alle Künstler, mit denen er arbeitet, beeindrucken Chris Walden. Zu den Guten gehört aus seiner Sicht Josh Groban, mit dem er für dessen neues Album Klaviersessions einlegt.

"Wenn der seinen Mund aufmacht und singt, dann wird dieses Lied zum Leben erweckt, einfach weil der so toll singt. Der ist einfach fantastisch."

Weil er so viel zu tun hat, dauerte es sieben Jahre bis Walden die neue Platte mit seiner Big Band produzieren konnte - 17 hochkarätige Studiomusiker aus Hollywood, ergänzt durch Gastsängerinnen wie Walden Entdeckung Courtney Fourtune und Melanie Taylor sowie dem kubanischen Trompeter Arturo Sandoval, für den er das Stück 'Arturo' komponierte.

Song war eigentlich für Stevie Wonder

'Full On' ist eine Mischung aus Walden-Kompositionen in Samba-Rhythmus, Swing und Retro-Sound sowie Walden-Arrangements bekannter Titel, wie Leonard Bernsteins "I Can Cook Too", Hank Williams' "Hey Good Looking" und eine neue Version des Stevie Wonder Hits 'Sir Duke'. 

Stevie Wonders Produzent David Foster hatte Walden gebeten, das Stück für dessen Album im Big Band Stil zu arrangieren. Steve Wonder strich dann aber den Song ohne die neue Variante gehört zu haben.

"Das Arrangement hatte ich aber fertig und fand das jetzt schade, es einfach ins Regal zu stecken und ich hab David Foster gefragt, ob ich das auf meine eigene Platte drauf nehmen darf und er hat gesagt - kein Problem - und so endete das jetzt auf meiner Platte."

Trotz all des Erfolgs, fünf Grammy Nominierungen und jeder Menge Arbeit sagt Chris Walden: von einer Sache bekommt er nie genug: die Musik, die er in seinem Komponierzimmer geschrieben hat, zum ersten Mal live zu hören.

"Der Moment, wo die Big Band oder das Orchester zum ersten Mal ein neues Stück von mir durchspielt, da krieg ich immer noch Gänsehaut und das ist wirklich immer noch toll."

 

 

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