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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.02.2010

Porombka: Für Literaturhäuser im Ostdeutschland fehlt das Geld

Studie zum literarischen Leben in den neuen Bundesländern vorgestellt

Stephan Porombka im Gespräch mit Jürgen Liebing

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Aufgeschlagenes Buch mit Lesebrille (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Aufgeschlagenes Buch mit Lesebrille (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Das Modell des Literaturhauses habe sich in Ostdeutschland aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten nicht durchsetzen können, sagt Stephan Porombka, Mitautor der heute vorgestellten "Studie zum literarischen Leben in den fünf neuen Bundesländern zu Beginn des 21. Jahrhunderts" und Professor für Kulturjournalismus und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim.

Auszug aus dem Gespräch:

Jürgen Liebing: Braucht es 20 Jahre nach der Wende noch eine solche Studie? Anders gefragt: Unterscheidet sich die Situation zwischen den neuen und den alten Ländern noch immer?

Stephan Porombka: Die Ausgangsfrage, die aufgeworfen worden ist, die kommt eigentlich aus dem Westen. Und zwar gibt es das Netzwerk der Literaturhäuser, indem sich zehn Literaturhäuser miteinander verbunden haben, um miteinander zu kooperieren. Man hat aber gesehen, dass es das Modell des Literaturhauses eigentlich in den neuen Bundesländern nicht gibt. Und die Frage war einfach: Woran liegt das eigentlich? Kann es sein, dass es da Nachholbedarf gibt oder kann es einfach sein, dass vielleicht das Literaturhaus als Modell eigentlich etwas ist, was besser in den Westen passt und eigentlich nicht in die strukturelle Gemengelage des Ostens gehört?

(...)

Liebing: Also ein westlicher Blick aus den alten Literaturhäusern quasi auf die neuen Ländern. Gibt es denn eine kurze, knappe Antwort auf die Frage, warum es dieses Institut so in den neuen Bundesländern nicht gibt?

Porombka: Es ist vor allen Dingen, glaube ich, eine Frage des Geldes. Es ist durch die kulturpolitischen und literaturpolitischen Entscheidungen, die nach 1989 getroffen worden sind, nicht dazu gekommen, die Gegenwartsliteratur mit erklecklichen Beträgen zu fördern, die einfach nötig sind, um größere Häuser aufzubauen. Ganz anders ist das - das ist übrigens im Westen genauso - ganz anders ist das, was etwa den Bereich der Musik betrifft oder was die Theater betrifft, oder was die Kunst betrifft. Wenn man sich die Kulturhaushalte anschaut, dann sieht man, dass rund 98 Prozent der Gelder unter diesen Dreien aufgeteilt werden, und die Literatur wird vielleicht mit einem Prozent oder mit zwei Prozent bedacht. Also es ist unglaublich wenig. Und das heißt, das das gerade mal ausreicht, um kleinere Institutionen zu finanzieren.

(…)

Das vollständige Gespräch können Sie bis zum 4.7.2010 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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