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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.11.2015

Populisten gegen Berliner SchaubühneAfD wirft Theater Gewaltaufruf vor

Von André Mumot

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Szene aus "Fear" an der Berliner Schaubühne (imago / DRAMA-berlin.de)
Szene aus "Fear" an der Berliner Schaubühne (imago / DRAMA-berlin.de)

Das Theaterstück "Fear" von Falk Richter nimmt in seiner Empörung über das Wiederaufleben rechten Gedankenguts kein Blatt vor den Mund. Die AfD macht die Produktion verantwortlich für Brandanschläge auf die Autos von zwei Politikerinnen. Dagegen wehrt sich die Berliner Schaubühne vehement.

Wer hätte es gedacht? An der Berliner Schaubühne setzt sich ein wilder, zorniger, leicht konfuser, aber sehr engagierter Abend mit den neuen rechtsnationalen und fundamentalistisch-christlichen Tendenzen in Deutschland auseinander – und verursacht statt des erwarteten Achselzuckens tatsächlich einen Aufruhr. Es ist unter anderem die AfD, die jetzt fordert, Falk Richters Stück "Fear" solle abgesetzt werden, es handele sich um einen Aufruf zur Gewalt.

Nach der Premiere war es zu Brandanschlägen auf die PKW der AfD-Vizevorsitzenden und Europaparlamentarierin Beatrix von Storch und der Organisatorin der "Demo für Alle", Hedwig Freifrau von Beverfoerde, gekommen. Der angebliche Zusammenhang mit dem Schaubühnen-Stück, in dem die beiden Leitfiguren parodiert und polemisch kritisiert werden, wurde erst in sozialen Netzwerken verbreitet, schließlich von Medien wie der Berliner Boulevardzeitung "B.Z." und dem "Focus" aufgegriffen. Nun wehrt sich die Schaubühne mit einem offenem Brief, verurteilt die Brandstiftungen und stellt klar:

"Es wird im Stück an keiner Stelle zu Gewalt gegen Sachen oder Personen aufgerufen. Einen Zusammenhang zwischen den Straftaten und der Inszenierung herzustellen, ist absurd. Er wird bewusst konstruiert, um die Schaubühne als Theater und Falk Richter als Autor und Regisseur zu verleumden. So soll Druck ausgeübt werden, um das Theaterstück abzusetzen."

Verweis auf die Kunstfreiheit

Weiterhin beruft sich das Theater darauf, sich auf "satirischem Weg" mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft auseinanderzusetzen und verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Kunstfreiheitsdebatte, die im Umfeld der "Charlie Hebdo"-Karikaturen ausgebrochen war. Eine erhitzte Auseinandersetzung, bei der inzwischen, wie es von Seiten des Hauses heißt, auch Morddrohungen bei der Schaubühne eingehen und rechtsradikale Schmierereien im Eingangsbereich gefunden wurden.

Hat man das Stück gesehen, ist der Vorwurf der Gewaltaufhetzung tatsächlich unsinnig – ist es doch eine mit eindeutig künstlerischen Mitteln arbeitende kritische Collage, die in ihrer Empörung über das Wiederaufleben rechten Gedankenguts kein Blatt vor den Mund nimmt.

Weit erstaunlicher erscheint, dass die Populisten der neuen Rechten, die jedes Podium suchen, um öffentlich ihre polemische Rhetorik loszulassen, derartig empfindlich reagieren, wenn eine Theaterproduktion den Spieß umdreht – zumal eine, die zum großen Teil darauf beruht, dokumentarisches Material von Reden und Aufmärschen im Wortlaut wiederzugeben und mit einer erbitterten Wut- und Gegenrede zu beantworten.

Bislang lässt die Schaubühne sich nicht einschüchtern, bleibt dabei, das Stück in der bisherigen Fassung im Januar weiter zu spielen.

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