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Tonart | Beitrag vom 21.07.2016

"Pop - Ein Panorama der Gegenwart"Der Pop ist weiblich geworden

Jens Balzer im Gespräch mit Oliver Schwesig

Adele bei ihrem Konzert in der Berliner O2-World (Deutschlandradio - Elissa Hiersemann)
Adele bei ihrem Konzert in der Berliner O2-World (Deutschlandradio - Elissa Hiersemann)

In seinem neuen Buch lässt der Musikjournalist Jens Balzer die Pop-Geschichte der letzten 15 Jahre Revue passieren. Sein Fazit: die jungen Frauen haben das Ruder übernommen, ob Adele, zu Lebzeiten Amy Winehouse - oder Helene Fischer.

Früher war Popmusik eine Angelegenheit für Helden, und die waren selbstverständlich männlich. Mit Bands wie den "Strokes" und den "Libertines" sei der klassische Rockheld - maskulin mit Pose - ausgestorben, sagt Jens Balzer. 

Dies liege in erster Linie an dern veränderten technischen Bedingungen der Musikproduktion:  

"Das hat sich völlig verschoben zugunsten einer doch eher elektronisch produzierten jüngeren Generation, die halt ohnehin nicht mehr an klassischen Rock-Instrumenten arbeitet, die meistens alleine arbeitet oder in wechselnden Konstellationen von Solo-Künstlern", so der Autor des Buches "Pop - ein Panorama der Gegenwart".

"Und da sind es in der Tat unter diesen neuen Produktionsbedingungen junge Frauen gewesen, die das Ruder übernommen haben."

Helene-Fischer-Konzert: Ibiza-Rave für Jung und Alt

Beispiele dafür sind Musikerinnen wie Amy Winehouse oder Adele - und nicht zuletzt Helene Fischer.

"Helene Fischer fand ich als Kritiker erstmal interessant, weil es eine Figur ist – bei den ersten Konzerten von ihr, die ich gesehen habe – die sich erstmal so dem Urteil einfach völlig entzieht. Ich war völlig gespalten, ob ich das  jetzt ganz grauenhaft oder großartig finden soll."

Einerseits pflege Helene Fischer einen Eklektizismus, andererseits komme sie aus einem "traditionsfesten, umhegten Gefilde wie dem deutschen Schlager", so Balzer. 

"Die Konzerte von ihr klingen ja, als ob so eine randomisierte Spotify-Liste abschnurrt."

Das beinhalte nicht nur Cover-Versionen aller Art, sondern auch Dancefloor- oder Ibiza-Rave-Versionen ihrer eigenen Songs.

"Das heißt, diese Durchlässigkeit von Sounds, die früher nur in bestimmten Clubkulturen möglich waren oder die man im Bierzelt auf dem Land hörte, dafür ist Helene Fischer ein ganz gutes symbolisches Paradigma."

Neu sei auch, dass sich für diese Art von Musik so große Publikumsmengen und auch ältere Menschen begeisterten.

Jens Balzer: Pop – Ein Panorama der Gegenwart
Verlag Rowohl Berlin 2016
256 Seiten, 20 Euro

Jens Balzer liest aus seinem Buch "Pop – ein Panorama der Gegenwart" und diskutiert mit dem Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner am 2. September beim Pop-Kultur Festival in Berlin.

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