Kinokolumne Top Five

Die besten Filme von Agnieszka Holland

05:43 Minuten
Eine Frau, Jahrgang 1948, sitzt und blickt nach halbrechts aus ihrer Sicht. Sie trägt einen schwarzen Pullover und eine schwarze Brille.
Agnieszka Holland wurde 1948 in Warschau geboren. Die polnische Drehbuchautorin und Regisseurin beschäftigte sich in ihrem Werk immer wieder mit Menschheitsverbrechen. © imago images/Eastnews
Von Hartwig Tegeler · 15.01.2022
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Drehbuchautorin und Regisseurin Agnieszka Holland zählt zu den wichtigsten europäischen Filmemachern. Ihr neuer Film "Charlatan" erzählt eindrucksvoll die Geschichte über die Jahre des Kalten Krieges in Osteuropas.

Platz 5 – „Korczak“, Drehbuch: Agnieszka Holland/Regie: Andrzej Wajda (1990)

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Für Andrzej-Wajda-Filme schrieb Holland seit Ende der 1970er-Jahre zahlreiche Drehbücher. „Korczak“ zeichnet das Porträt des jüdisch-polnischen Pädagogen Janusz Korczak, der den 200 Kindern seines Waisenhauses im Warschauer Getto Werte von Toleranz und Empathie vermittelt und seine Schutzbefohlenen in das Vernichtungslager begleitet. Ein erschütternder und beglückender Film als radikales Dokument von Humanität.

Platz 4 – „Hitlerjunge Salomon“ (1990)

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Salomon flieht 1939 und wird unter Verleugnung seiner jüdischen Identität Dolmetscher in der Nazi-Wehrmacht. Salomon wird Hitlerjunge. Er will irgendwie durchkommen, will überleben. Lügen, Tricksen, Verleugnen. Kein Stoff für ein Heldenepos, sondern für ein komplexes Porträt.
„Hitlerjunge Salomon“ sorgte für einen heftigen Skandal, weil er trotz einer Golden-Globe-Auszeichnung von der deutschen Kommission nicht für den Auslands-Oscar nominiert wurde. Regisseurin Holland wie Produzent Artur Brauner bescheinigten dem deutschen Publikum daraufhin eine „Arroganz gegenüber jüdischen Themen“.

Platz 3 -„Total Eclipse – Die Affäre von Rimbaud und Verlaine“ (1995)

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1981 emigrierte Agnieszka Holland nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen nach Paris. Zwölf Jahre später folgte der Sprung nach Hollywood. Sie begann, mit Stars zu drehen, wie mit Leonardo DiCaprio, der in „Total Eclipse“ das Dichtergenie Rimbaud spielt. Sein Credo im Film: „Ich wusste, wollte ich der bedeutendste Dichter dieses Jahrhunderts werden, musste ich alle Erfahrungen in meinem Körper spüren. Ich hatte beschlossen, ein Genie zu sein.“
Eine dieser Körpererfahrungen ist die Beziehung Arthur Rimbauds mit dem anderen französischen Lyriker: Paul Verlaine. DiCaprio und David Thewlis spielen das schwule Paar grandios. Man wird das Gefühl nicht los, dass Agnieszka Holland, die auf Bildern neben ihren Kollegen und Schauspielern immer so klein, fast zerbrechlich wirkt, eine ziemliche Power haben muss, wenn sie ihren „Superstar“ DiCaprio so überzeugend durch so eine Rolle führen konnte.

Platz 2 - „Die Spur“ (2017)

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In der Abgeschiedenheit der Grenze zwischen Polen und Tschechien geschehen Morde. Die Opfer sind passionierte Jäger. Die Englischlehrerin Janina äußerst gegenüber der Polizei den Verdacht, dass die Jäger von Tieren getötet wurden.
Abstrus? Was Janina allerdings nicht bedauert, denn seit Jahren fühlt sich die selbstbewusste Frau und Tierliebhaberin von den grausamen Praktiken der Männer im Dorf verfolgt. Schlägt die Natur nun zurück? 
„Ein anarchistischer, feministischer Ökothriller mit Elementen einer schwarzen Komödie“, pries Agnieszka Holland die Story an, um für diese europäische Koproduktion das Geld zu bekommen. Ihre später selbstkritisch formulierte Frage, ob sie genügend könne, um die Elemente zusammenzubinden, erwies sich als rhetorisch.

Platz 1 – „Red Secrets – Im Fadenkreuz Stalins“ (2019)

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Es gibt Gerüchte über eine Hungersnot in den 1930er-Jahren in Moskau, wohin der britische Journalist kommt. Gareth Jones hat schon Hitler interviewt, diesmal geht es um Stalin. Zum Interview wird es nie kommen, aber Jones' Kollegen in der sowjetischen Hauptstadt machen Andeutungen. Angeblich tobt in der Ukraine eine gigantische Hungersnot, während das Getreide aus dieser Kornkammer der UdSSR nach Moskau geschickt wird.
Agnieszka Holland erzählt vom Holodomor, das ukrainische Wort für „Tötung durch Hunger“, dem in den Jahren 1932/33 in der Ukraine bis zu 14 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Ein Menschheitsverbrechen, immer noch heftig umstritten in der ukrainischen und russischen Geschichtsschreibung.
Am Ende von „Red Secrets“ muss die Freundin, die dem Journalisten Jones eben noch „Naivität“ vorwarf, konstatieren: „Die Wahrheit … – du hattest Recht, es gibt nur eine Wahrheit.“ Das ist auch das Credo von Agnieszka Holland, die weiterhin darauf beharrt, dass der Spielfilm mit all den dem Genre innewohnenden Fiktionalisierungen Wahrheit erzählen kann. Auch die über die großen Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert – eines der großen Themen dieser großen Filmemacherin.

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