Seit 22:00 Uhr Alte Musik

Dienstag, 22.01.2019
 
Seit 22:00 Uhr Alte Musik

Interview | Beitrag vom 11.01.2019

Politologe Michael LühmannWelche Folgen Poggenburgs Austritt für die AfD hat

Michael Lühmann im Gespräch mit Nicole Dittmer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der frühere AfD-Politiker André Poggenburg (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)
André Poggenburg hat die AfD verlassen. (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)

André Poggenburg ist aus der AfD ausgetreten und hat direkt eine neue Partei gegründet. Nach Einschätzung des Politologen Michael Lühmann könnte der Parteiaustritt der AfD schaden, aber auch nutzen.

Der AfD-Politiker André Poggenburg ist aus der Partei ausgetreten. Poggenburg gründete mit dem "Aufbruch deutscher Patrioten - Mitteldeutschland" (AdP) umgehend eine neue Partei. Damit wolle er bei den diesjährigen Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg antreten.

Nach Ansicht des Politologen Michael Lühmann von der Uni Göttingen könnte der Parteiaustritt Folgen für die AfD haben. Die Partei sei vor allem in Sachsen nervös. Eine Partei rechts der AfD sei für die Partei gefährlich, weil es das Ziel gefährden könnte, stärkste Kraft in dem Bundesland zu werden.  

Das Einzige, was der AfD nutzen könnte, "wäre zu sagen, wir sind eben nicht diese ganz rechte Partei", sagt Lühmann. "Die Frage ist eben, ob ihr das nutzt." Bis jetzt habe ihr jeder Rechtsruck genutzt. Nach Einschätzung des Politologen passe zwischen Poggenburg und dem AfD-Politiker Björn Höcke "kein Papier, was die Ideologie angeht". Poggenburg spreche wie ein Elefant im Porzellanladen das aus, was Höcke denke.

"Mitteldeutschland ist ein hoch toxischer Begriff"

Mit dem Poggenburg-Austritt werde es höchstens sprachlich ein bisschen zivilisierter, weil Höcke eben das, was Poggenburg offen sagt, etwas verklausulierter sagen kann. "Solange ein Björn Höcke in dieser AfD ist, ist da eben nichts demokratischer oder irgendwie linker", erklärt Lühmann

Es gehe einfach nur um Stilfragen: "Wie offen bekenne ich mich zum Nationalsozialismus?" Das habe Poggenburg getan - wie etwa mit der blauen Kornblume, die ein Erkennungszeichen der österreichischen Nationalsozialisten war.

Auch mit dem Zusatz "Mitteldeutschland" seiner neuen rechten Bewegung begebe er sich in dieses Feld. "Das ist ja ein hoch toxischer Begriff, weil Mitteldeutschland geht bis an die Oder und Neiße in dieser Vorstellung." Man habe immer noch das Gefühl, da müsse noch ein Ostdeutschland kommen. "Das ist so einer der letzten Tabubrüche, an die sich die Rechten noch nicht gewagt haben."

(mhn)

Mehr zum Thema

Hans Vorländer (TU Dresden) - "Die Fragmentierung des rechten Lagers schreitet voran"
(Deutschlandfunk, Deutschland heute, 11.01.2019)

Sachsen-Anhalt - Pläne für eine Ost-AfD
(Deutschlandfunk, Deutschland heute, 10.01.2019)

Interview

Élysée 2.0"Vor allem Deutschland steht auf der Bremse"
Gedenkzeremonie für die Opfer des Ersten Weltkriegs in Paris: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dessen Frau Brigitte und Russlands Präsident Vladimir Putin in einer Reihe von links nach rechts. (imago/Mikhail Metzel)

Mit dem Aachener Vertrag vereinbaren Deutschland und Frankreich eine Zusammenarbeit weit über den EU-Rahmen hinaus. Doch Élysée 2.0 lenke auch davon ab, wie sehr beide Länder derzeit mit eigenen Problemen beschäftigt seien, meint Ulrich Fuchs.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur