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Interview | Beitrag vom 28.11.2018

Politologe Hamed Abdel-Samad zur Islamkonferenz"Der Islam in Deutschland muss sich von ausländischen Geldgebern lösen"

Hamed Abdel-Samad im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Der Publizist Hamed Abdel-Samad in einer Aufnahme von 2015 (imago/Sven Simon)
Der Publizist Hamed Abdel-Samad (imago/Sven Simon)

Die Islamkonferenz sei ins Leben gerufen worden in der Hoffnung, dadurch eine Öffnung und Demokratisierung der Islamverbände voranzutreiben, sagt der Politologe Abdel-Samad. Davon sei bisher aber nicht viel zu spüren: "Im Gegenteil".

Anders als sein Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) hat Innenminister Horst Seehofer (CSU) zur Islamkonferenz am Mittwoch und Donnerstag in Berlin nicht nur die konservativen Islamverbände eingeladen, sondern auch Vertreter eines säkularen, liberalen Islam. Darunter den Politikwissenschaftler und Publizisten Hamed Abdel-Samad, der die bisherige Entwicklung der Deutschen Islamkonferenz kritisch sieht. 

Die Islamkonferenz sei ins Leben gerufen worden in der Hoffnung, dass dadurch eine Öffnung und Demokratisierung der Islamverbände vorangetrieben würde, sagte Abdel-Samad im Deutschlandfunk Kultur. Davon sei allerdings bisher nicht viel zu spüren. "Im Gegenteil: Je mehr diese Islamverbände Unterstützung und mehr Fördergelder bekommen haben, dann konnten sie noch mehr Leute mobilisieren, aber nicht für die Demokratie und die Zivilgesellschaft, sondern eher für einen Erdogan-Kult oder für einen konservativen Islam."

Das Feld nicht den Islamverbänden überlassen

Man dürfe das Feld nicht den Islamverbänden überlassen, mahnt der Politikwissenschaftler, der kürzlich gemeinsam mit dem Grünen-Politiker Cem Özdemir, der Anwältin Seyran Ateş, dem Psychologen Ahmad Mansour und weiteren liberalen Muslimen die "Initiative säkularer Islam" gegründet hat.

Die Deutsche Islamkonferenz feiert am 27.09.2016 mit einem Festakt in Berlin ihr zehnjaehriges Bestehen - von links nach rechts: Bekir Alboga, Vertreter der Tuerkisch Islamischen Union der Anstalt fuer Religion / Ditib; Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland; Bundesinnenminister Thomas de Maiziere; Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble  (imago/epd)Verbandslastig: Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz feiert am 27.09.2016 mit Bekir Alboga, Ditib; Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. (imago/epd)

Von der Islamkonferenz fordert Abdel-Samad, dass dort eine inhaltliche Auseinandersetzung auch über die Probleme des Islams in Deutschland stattfinde.

"Wir wollen nicht mit dem Innenminister darüber streiten, wann die Islamverbände Körperschaften des öffentlichen Rechts werden – wir sind auch dagegen – wir wollen über Themen diskutieren, wir wollen über Demokratisierung und Öffnung der Strukturen, und wir wollen auch über die Probleme des Islams in diesem Land sprechen und nicht nur über Vorteile für die Islamverbände."

Der Islam in Deutschland müsse sich von den Verbänden genauso wie von ausländischen Regierungen, Geldgebern und Theologien lösen, so Abdel-Samad. "Wenn das nicht geschieht, dann ist der Islam nicht Teil von Deutschland."

(uko)

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