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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 08.06.2016

Plötzlich war da eine GrenzeEntlang der Salzach und der Saalach

Von Bettina Weiz

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Flüchtlinge stehen am 16.09.2015 an der Salzach nahe der deutsch-österreichischen Grenze zwischen Salzburg und Freilassing (Bayern) hinter einem Bundespolizisten. (picture alliance / dpa / Armin Weigel)
Eine Aufnahme aus jüngster Zeit: Flüchtlinge an der Salzach nahe der deutsch-österreichischen Grenze zwischen Salzburg und Freilassing / Bayern (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Plötzlich wurde die Salzach zur Grenze. Das war vor 200 Jahren, der Wiener Kongress hatte es so entschieden. Was das für Bayern und Österreicher bedeutete und welche Folgen Schlagbäume haben, erzählt Bettina Weiz in ihrer Reportage.

Für Urlauber bedeuten die neuen Grenzkontrollen in Europa eine Lästigkeit, etwa im Pfingstreiseverkehr.

"...und die Wartezeit an der Grenze nach Deutschland auf der A8 am Walserberg: eine Stunde."

Die Leute aus der Region, die die das neue Hochglanzbuch über die Grenze heute und zu ihrer Entstehungszeit vor 200 Jahren gemacht haben, beginnen den Werbefilm dafür mit der globalen Katastrophe.

"1816. Das Jahr ohne Sommer. Der Vulkan Tambora in Indonesien bricht aus, eine unbeschreibliche Eruption mit Folgen für den gesamten Globus. Die Welt erlebte einen vulkanischen Winter."

"Als hätten es die Menschen nicht ohnehin schon schlimm genug gehabt. Nach den napoleonischen Kriegen war halb Europa verwüstet. Not und Elend waren die Regenten. Auch im Rupertiwinkel, in dem die Menschen seit Jahrhunderten friedlich und fleißig zusammenlebten. Das sollte sich nun ändern."

Geteilt, was jahrhundertelang eins war

"Auf dem Wiener Kongress beschließen die Mächtigen, dass die Grenzen neu gezogen werden. Saalach und Salzach werden Grenzflüsse. Von nun an ist geteilt, was jahrhundertelang eins war ..."

An dem Buch über die Grenze hat der Heimatpfleger Hans Roth mitgearbeitet. Er stammt aus Laufen, einem Städtchen in einer engen Schleife der Salzach.

Auf dem Fluss wurde einst das "weiße Gold" aus den Salinen in Reichenhall und Hallein transportiert.

"Das war hier im Spätmittelalter der bedeutendste Salzumschlagsplatz Süddeutschlands."

Daran verdienten Handelshäuser und Schiffsleute. Und der Landesherr, also der Erzbischof von Salzburg. Er konnte Schlösser bauen und Mozart für sich musizieren lassen.

Doch nach Kriegen und der Säkularisation 1803 wurde die Gegend zur Verhandlungsmasse von Politikern in entfernten Orten wie Paris, Wien oder München. 1816 gab Bayern die Gebiete östlich der Salzach und ihres Zuflusses Saalach per Vertrag an Österreich ab. Damit verlor es zwar die Stadt Salzburg, die Kronprinz Ludwig so geliebt haben soll. Aber für die Machthaber in München galt:

Das Saalachtal im Salzburger Land bietet den Urlaubern und Feriengästen grüne Wiesen, Kalkalpen und Wasser für viel Bewegung an frischer Luft zum Bergwandern, Radfahren und Wildwasserfahren und mehr in wunderschöner Landschaft. (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)Das Saalachtal im Salzburger Land. (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)

"Die haben eigentlich gar kein schlechtes Geschäft gemacht."

Im Gegenzug erhielten sie nämlich viel Geld vom Kaiser von Österreich und die linksrheinische Pfalz, ein Land mit Weinbau und aufstrebender Industrie. Die Bevölkerung an der Salzach jedoch hatte Ärger mit dem Vertrag ihrer Regenten, meint der Heimatpfleger Hans Roth aus Laufen.

"Auf einmal ist da eine Grenze, und vor der Laufener Brücke herüben stand das Zollhäuschen und der Schlagbaum, und drüben auch, und das war für die Leute unvorstellbar. Das war auch für die Menschen in Berlin damals unvorstellbar. Dass sie da mitten durch die Stadt nicht durch dürfen."

War es die Grenze? War es das Aufkommen der Eisenbahn, die ab 1860 das Salz transportierte – und dabei Laufen links liegen ließ? Jedenfalls zeichnet der Heimatpfleger ein düsteres Bild seiner Stadt.

"Es ist ein Notstandsgebiet gewesen lange Zeit. Sieht man ja auch heute, dass kaum a Industrie hergekommen ist."

Als Deutschland im Zweiten Weltkrieg Österreich annektierte, verlor die Grenze eine Weile ihre Bedeutung. Aber nach 1945 wurde sie umso dichter. Wer sie überqueren wollte, musste mühsam ein Visum beantragen. Auch wenn die Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze allmählich lockerer wurden – jahrzehntelang war jeder noch so kleine Übergang bewacht.

"Da hat man noch geschmuggelt!"

Anni Klinger betreibt seit fast drei Jahrzehnten ein Brautmodengeschäft im bayerischen Grenzort Freilassing. In ihren Hochzeitskleidern haben immer schon gerne auch Österreicherinnen geheiratet.

"Man hat an sich alles geschmuggelt. Also bis 1000 Schilling konnte man das ja verzollen, da haben die Leute die MWSt zurückbekommen, da hat man immer geschaut, dass man nur 1000 Schilling mitnimmt, also ob das jetzt beim Einkaufen im Supermarkt war oder bei uns."

Manche Kunden kamen deshalb zigmal für eine einzige Hochzeitsausstattung.

Brautkleider mit Spitzen und opulentem Tüll

"Hat man den Kopfschmuck, den Reifrock, usw., alles extra mitgenommen bei jeder Fahrt, damit man einfach diese Mehrwertsteuer sich holen konnte, und das Kleid, also das könnt man schlecht schreiben, dass das 1000 Schilling san."

Sie deutet auf die Modelle mit duftigen Spitzen und opulentem Tüll.

"Das war total lustig, also wir ham die Kleider gebügelt, ham die sehr schön ausgeliefert, und die Leute ham dann nen alten Teppich draufgeschmissen, damit sie es eben schmuggeln konnten über die Grenze, damit sie es nicht versteuern mussten."

Die Geschäftsfrau lächelt mit unschuldigem Augenaufschlag.

"Also uns war das a Wurscht, was die anderen machen, wenn wir ihnen das geben."

1958 trat Deutschland der EU bei, 1995 Österreich. Drei Jahre später fielen die Grenzkontrollen zwischen Bayern und Österreich weg. Statt 400 Grenzpolizisten waren auf den Straßen und in den Zügen der Region noch knapp 100 Schleierfahnder unterwegs, unter anderem Werner Neun.

"In aller Regel in zivil, weil es soll ja ein bisschen undercover sein, und uniformiert machen wir nur Dienst in Ausnahmefällen, wenn eine Kontrollstelle aufgebaut wird, dass man eine klassische Kontrolle macht. Aber so, die Streifen sind zivil unterwegs."

So fielen sie im Straßenbild nicht auf. Der Gang oder die Fahrt über die Grenze wurde zur selbstverständlichen Alltagshandlung. Gerade die Kinder kannten Kontrollen an der Grenze lange nur noch aus alten Geschichten.

Lena Lazic zum Beispiel. Die 15jährige wohnt in Oberndorf. So heißt heute der einstige Stadtteil des bayerischen Laufen an der Salzach, der auf österreichischer Seite liegt.

"Für mich ist es was ganz Normales, nach Laufen zu gehen, fast jede Woche geh ich dort hin, zur Eisdiele, spazieren, also ich könnt mir das nicht vorstellen, dass da irgendwelche Kontrollen jetzt wären. Das ist für mich was ganz Normales."

" ... und die Wartezeit an der Grenze nach Deutschland auf der A8 am Walserberg: eine Stunde."

Und dann gab es im letzten Herbst und Winter, als so viele Flüchtlinge kamen, doch wieder Grenzkontrollen.

"Wenn ich nach Deutschland mit meinen Eltern gefahren bin, dann mussten wir öfters Personalausweise herzeigen oder umkehren, wenn wir es vergessen hatten oder so."

Seit weniger Asylbewerber eintreffen, zeigt sich die Bundespolizei nur noch selten in Laufen. Sie konzentriert sich auf die nächsten beiden Übergangsstellen, die bei Freilassing, wo Lena Lazic mit ihren Eltern oft einkaufen geht. Die sind größer.

Über EU-Programme fließt Geld in die Region

Freilassing, Laufen, Oberndorf und die anderen Gemeinden an der Grenze von Südostbayern und dem Salzburger Land sind seit 15 Jahren Teil einer Euregio. EU-Programme lassen Geld in die Region fließen – für allerhand Projekte zur Überwindung der Grenze, von Raumordnung und einem grenzüberschreitenden Verkehrsverbund über Schultheater und "Alpenkulinarik" bis hin zu "Bergspiritualität in Bayern und Salzburg".

Bei offiziellen Festveranstaltungen wird die Abwesenheit der Grenze beschworen.

"Ja, was könnte zum Beginn dieses Abends wohl besser passen als die Eurovisions-Fanfare. Es ist dieser Gedanke an Europa, das Verbindende vor das Trennende zu stellen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Festgäste, ich begrüße Sie sehr herzlich hier in der Stadthalle von Oberndorf, ich freue mich sehr, dass Sie alle gekommen sind, um diesen Erinnerungsabend mit Festkonzert …."

Die Moderatorin der Veranstaltung zum Erinnerungsjahr der Grenzziehung glänzt im silbrig-weißen Jackett auf großer Bühne.

"Und jetzt einen wunderschönen guten Abend nochmal an Sie alle, und stellvertretend für alle darf ich jetzt zu mir herausbitten die beiden Stadtchefs, und einer von ihnen ist ja auch der Hausherr hier, von Laufen und von Oberndorf, Peter Schröder und Hans Feil."

Heute ist Laufen eine Stadt, und ihr ehemaliger Teil Oberndorf ist auch eine Stadt. Für knapp 12.000 Einwohner gibt es zwei Stadtverwaltungen. Zwei Festhallen. Zwei Feuerwehren. Zwei Grundschulen. Mehrere weiterführende Schulen, inklusive zwei auf Gymnasialniveau. Zwei Bahnhöfe an zwei separaten Bahnstrecken. Zwei Bürgermeister. Zu zweit beschwören sie die Einheit.

"Sie verstehen sich als Einheit: Laufen, Oberndorf. Inwiefern?"

"Inwiefern, da wir ja sehr viele gemeinsame Interessen haben, vielleicht auch mit einem großen Kriterium des Verkehrs eine gemeinsame Aufgabe haben, die wir bewältigen müssen."

Höhepunkt des Abends ist die Uraufführung der Komposition "die zerrissene Stadt". Der alteingesessene Laufener Bernhard Bleibinger hat darin die Geschehnisse um das Jahr 1816 herum in eine Familiengeschichte gepackt.

"Es geht um die Liebe, es geht um die Kraft der Vergebung, und es geht um Identitäten, im ganzen Stück geht es eben darum, dass man Hand in Hand in die Zukunft schaut."

Die Musiker sehen sich beim Konzert zum ersten Mal

Ein grandioses Konzert. Es wirken Musiker und Gruppen von der österreichischen und von der bayerischen Seite mit. Es soll ein musikalischer Brückenschlag über die Grenze sein.

" ...und die Wartezeit an der Grenze nach Deutschland auf der A8 am Walserberg: eine Stunde."

Allerdings sehen sich die Teilnehmer am Tag der Aufführung zum ersten mal. Zuvor haben sie sich separat vorbereitet. Jeder in seinem Land.

"Wir haben nur im Rahmen des Chors geprobt, nur mit Klavier mit unserem Chorleiter, wir wussten auch nicht, was zwischen den Liedern gespielt wird, wie die Einsätze zu laufen haben, das haben wir alles erst gestern gehört, und sind a bissl überrascht gewesen, aber es funktioniert ganz gut."

Von den 36 Sängern und Sängerinnen des Chores kommen nur fünf aus Bayern.

"I bin a Laufener. I bin a Boarischer."

Die übrigen stammen von der anderen Seite der Grenze.

"Österreicher, ja. Wir ham mehrere, viele Ö hier drin, in der Liedertafel, das stimmt, ja."

In der zerrissenen Stadt gibt es auch zwei Gesangsvereine und zwei Musikszenen. Der Tenor Anton Wimmer ist einer der wenigen, der drent und herent aktiv ist.

"Es geht a bissl zäh. Es gehen wenig hinüber und wenig herüber. Aber da ist nichts zu machen. Wirklich wahr. Also da gibt es schon einen Unterschied. Die unseren gehen net gern herüber, wenn irgendwas ist, a Konzert, und umgekehrt genau a so. Ich seh wenig Oberndorfer bei mir bei den Musikfreunden."

Eine Grenze, zwei Welten

Eine Grenze, zwei Welten. Der Lokalhistoriker Hans Roth aus dem bayerischen Laufen kennt das.

"Die Oberndorfer schließen sich sehr ab. Ich hab da einen historischen Verein, da war jetzt 45 Jahr der Vorsitzende, es geht um das Altsalzburger Land. Da wenn ich an Vortrag drüben gemacht hab, da sind 3 Oberndorfer gekommen, und die ganzen Bayern sind rübergefahren in die Schule und haben den Vortrag sich angehört. Es ist einfach - blockieren sich ab."

Wie weit ist die Einheit über die Grenze hinweg tatsächlich gediehen? Der alte Laufener windet sich.

"Ja. es ist leichter wie früher. Früher haben sie sich über die Salzach Schimpfwörter zugerufen: 'Ihr Bayern Fackln' ham die hingeschrieen usw, Fackl. Das ist a Tiroler Ausdruck. A Fackl ist ein Ferkel. Aber heut ist schon eigentlich… Man hat Freunde drüben, und - naja, es ist schon… Mentalitätsmäßig sind's ein bisschen anders. Schon im Straßenverkehr… aber das ist – sooo kommt man gut zurecht."

Wer in einem Lokal auf bayerischer Seite Kaffee ordert, bekommt ein Haferl hingestellt. Wer über die Länderbrücke spaziert und auf österreichischer Seite bestellt, dem serviert der Kellner mit elegantem Schwung einen Verlängerten, einen kleinen Braunen oder eine Melange.

"Ihr Verlängerter."

Selbstverständlich in einer Porzellantasse auf einem Silbertablett mit einem Gläschen Wasser.

"Bitteschön!"

"Die ham schon noch Stil, jaja. Also Kaffeehauskultur ist da schon, überhaupt die Gastkultur besser als wie bei uns."

Und das gerade mal ein paar Schritte voneinander entfernt.

"Jaja, das möchte man nicht glauben, aber es ist so."

"Wir in Österreich sind sehr gemütlich"

"Ja, ich denke mal, dass das einfach die österreichische Kultur ist, ne, wir in Ö, wir san doch sehr gemütlich, Kaffee wird bei uns großgeschrieben, das kommt sicher von der Wiener Gegend her, und da ist eben der Kaffee schön angerichtet mit am Wasserglasl dabei, und das gehört sich einfach so, das ist so, österreichische Gemütlichkeit."

Nationale Eigenheiten - im Grenzland fern der Hauptstadt werden sie gerne gepflegt.

"Der größthörbare Unterschied ist einfach die Sprache. Wir sprechen alle Deutsch, aber das Österreichische ist einfach anders als das Bayerische, und da braucht man wirklich nur den Fluss zu übertreten, und schon sprechen die Leute anders."

So sagt die österreichische Choristin "Paradeiser", ihr bayerischer Kollege "Tomaten".

"Und dahoam gibt's a Karfiolsuppn. Und koan Blumenkohl."

"Das hab i noch nie gehört, was gibt's bei Dir?"

"An Karfiol."

"Na. Na, naa, das ist bei uns net. Wir sagen schon "Blumenkohl".

"Der Toni ist a Bayer, das ist einfach so!"

"Mir ham a anderes 'a'."

"Das dunkle 'a', das wir net so haben."

"Ich sing jetzt schon 25 Jahr herüben."

"Wenn Sie singen, singen Sie dann 'a' oder 'a'?"

"Ö, da hab ich jetzt noch gar net so aufpasst. Aber man merkt es schon, manche haben gesagt, man merkt es raus, weil wir ham an Viergesang aa, die anderen drei san Österreicher, mit denen ich sing, im Viergesang, und da merken sie es schon, dass ich auf der bayerischen Seiten bin, ich muss das irgendwie a bissl anders reden, das "a". - mir san international."

Hans Roth, der Heimatpfleger, sieht auch bei den Sprachen den Einfluss der Politik in den fernen Hauptstädten.

Früher hat man hüben wie drüben gleich gesprochen

"Früher hat man da herüben so gesprochen wie drüben. Und das hat sich einfach – Wien hat, die Behörden ham einfach nach Oberndorf Lehrer geschickt aus Linz, aus Graz oder so, und bei uns hier war es nicht anders. Wir haben Lehrer gekriegt von Landshut oder Landsberg am Lech, und die hat man dann zu Oberbayern erzogen."

So ist die Grenze nach wie vor vorhanden – und wenn sie politisch opportun ist, kann sie sehr rasch wieder aufpoppen. Als im Sommer 2015 so viele Flüchtlinge kamen, wurde zunächst die Schleierfahndung immer engmaschiger, erinnert sich der Polizist Werner Neun.

"Wir hatten Verstärkung aus dem ganzen Umland, und auch die Polizeiinspektionen, die hier in der Gegend den normalen Polizeidienst machen, die waren für vier bis fünf Stunden nur damit beschäftigt, Grüppchen einzusammeln. Und zu uns zu fahren. Dann ham wir seit Juni letzten Jahres, wo sich abgezeichnet hat, dass es immer mehr wird, Unterstützung von der Bereitschaftspolizei, 30 Mann, und dann kann man bissl was machen."

Seit September 2015 führt die Bundespolizei Grenzkontrollen bei der Einreise durch. Das traf unter anderem Anni Klinger, deren Tochter aus dem bayerischen Freilassing zur Schule nach Österreich pendelt.

"Bei uns war es so, dass wir um Viertel nach sechs nicht zum Bahnhof Freilassing gefahren sind, sondern zum Bhf Liefering, also nach Österreich, und uns dann in den Stau eingeordnet ham, und beim Rüberfahren auch und abends das Gleiche, also wir san oft wirklich am Anfang Stunden im Stau gestanden, und alle anderen, ob das jetzt Arbeitnehmer waren oder Speditionen, oder Handwerker, die drüben irgendeinen Bau gehabt haben, wer hat denn das bezahlt, da wo die Leute auf der Straße waren?! Und aa für das Freizeitvergnügen ist dann aa nicht mehr so viel Zeit übriggeblieben, weil die meiste Zeit war man wirklich dann auf der Straße."

Kontrollen schrecken die Österreicher ab

Es dauerte Wochen, bis wieder alle Züge fuhren. Gewerbetreibende wie die Brautmodenhändlerin Anni Klinger klagen besonders über die Kontrollen an der Bundesstraße zwischen Salzburg und Freilassing.

"Bei mir selbst im Geschäft, wir haben mehr als 80% Österreicher, ich lebe von den Österreichern, und Gott sei Dank kommen immer noch welche, aber es kommen nimmer so viele wie früher, weil scheinbar diese Grenzkontrolle doch abschreckend ist. Also ich hab mein Geschäft 1988 aufgemacht, und das war jetzt mein schwierigstes Jahr."

Inzwischen hat eine Firma direkt an der Grenze eine Kamera aufs Dach geschraubt. Sie überträgt quasi in Echtzeit Bilder von der Straßenlage ins Internet. So können mögliche Kunden die staufreien Zeiten abpassen. Auf der Autobahn dagegen sind die Wartezeiten, die die Grenzkontrollen verursachen, schwer zu umgehen.

" ...und die Wartezeit an der Grenze nach Deutschland auf der A8 am Walserberg: eine Stunde."

"Ich hab mehrere Bekannte, die in Österreich arbeiten und natürlich auch welche, die herüben arbeiten, und meine Freundin fährt leider über die A8, also über den Walserberg, und die hat wirklich Arbeitszeit zwei Stunden am Tag mehr, sag i mal, weil sie die auf der Autobahn jetzt verbringt, und das ist wirklich zermürbend, und über den Schleichweg braucht man auch nimmer fahren, weil da fahren alle anderen auch."

Die Behörden haben Maßnahmen gegen die Staus auf der Autobahn eingeleitet. 18 Jahre, nachdem dank EU die Abfertigungshäuschen und Sonderfahrspuren nicht mehr gebraucht wurden, entstehen sie neu. Gleich neben dem Walserberg wurden dafür im Frühjahr die Bäume gerodet. Bis August soll die Anlage fertig sein, berichtet das österreichische Fernsehen.

Die Bagger graben schon. Nur 500 m hinter der Grenze entsteht der neue, größere Kontrollposten. Auf zwei Fahrspuren sollen die Autofahrer kontrolliert werden, dazu kommt eine eigene Lkw-Spur. Die langen Staus der vergangenen Monate sollen damit ein Ende haben. Viel Aufwand, viel Arbeit. Die Frage drängt sich auf, ob hier ein dauerhafter Grenzposten entsteht.

Länderreport

Buslinie 100Mit dem großen Gelben durch Berlin
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