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Im Gespräch | Beitrag vom 18.08.2020

Planetengeologin Daniela Tirsch"Ich liebe den Mars, aber ich liebe die Erde noch viel mehr"

Moderation: Ulrike Timm

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Ein Schwarz-Weiß-Porträt der Planetenforscherin Daniela Tirsch. (Thomas Wendland)
Selbst auf den Mars reisen - das möchte Daniela Tirsch lieber nicht. (Thomas Wendland)

Gab und gibt es Leben auf dem Mars? Werden wir den Roten Planeten jemals besiedeln? Diese und viele andere Fragen erforscht die Planetengeologin Daniela Tirsch. Je länger sie sich mit dem Mars beschäftigt, umso mehr schätzt sie das irdische Leben.

Wer Daniela Tirsch treffen möchte, sollte sich dafür nicht den 10. Juli 2023, 15.30 Uhr, auswählen. Denn da hat die Planetengeologin bereits einen Termin. Kein Witz! Dann soll nämlich der "ExoMars Rover" auf dem Mars landen.

In einer gemeinsamen Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, kurz DLR, soll die Marsoberfläche erforscht werden. Sieben Monate wird die Anreise von der Erde dauern.

Aber wie kann man den Landetermin so exakt vorhersagen? "Weil man die Flugbahn so genau berechnen kann", sagt die Wissenschaftlerin vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Run auf den Mars

Der Mars scheint in diesem Jahr ein begehrtes Reiseziel zu sein. Die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch China haben Raumsonden auf den Weg geschickt.

Neben wissenschaftlichen Gründen hat das auch einen ganz praktischen, meint Tirsch. "Das hängt damit zusammen, dass der Mars der Erde nur alle zwei Jahre relativ nah ist. Relativ nah heißt nur 55 Millionen Kilometer."

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Entfernungen, die kaum zu realisieren sind. Wird man von der Planetenforscherin auf den Mars mitgenommen, zumindest gedanklich, bekommen auch Laien eine konkrete Vorstellung. Der Mars ist der erdähnlichste bekannte Planet in unserem Sonnensystem.

Hier findet man Vulkane, wie auf der Erde, so Daniela Tirsch. "Dann gibt es noch die Aktivität des Windes. Es gibt wunderschöne große Dünenfelder. Der Mars hat den größten Berg im Sonnensystem, der ist tatsächlich 21 Kilometer hoch. Es gibt gigantische Grabenbrüche, unzählige Einschlagskrater."

Temperaturen von minus 60 Grad – im Durchschnitt

Klingt zunächst nach einer Landschaft, die man gern mal erwandern möchte. Doch die Planetengeologin fügt hinzu: "Der Mars ist eine polare Wüste. Es ist wahnsinnig kalt und wahnsinnig trocken. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei minus 60 Grad. Es kann im Sommer aber auch mal plus 27 Grad haben."

Das hört sich dann doch weniger einladend an. Kann man dort oben überhaupt leben? Beziehungsweise, gab es dort jemals Leben? Für Tirsch sind das ihre wichtigsten Forschungsfragen.

Als touristischer Ort, oder als Alternative zur Erde, taugt der Mars auf jeden Fall nicht, das steht für die Wissenschaftlerin fest. "Der Mars hat leider heutzutage kein Magnetfeld mehr. Deswegen wird die Sonnenstrahlung ungehindert auf die Marsoberfläche treffen. Und vor allem die UV-Strahlung und die kosmische Strahlung, zersetzt alle organischen Verbindungen in kürzester Zeit."

Nicht von grünen Männchen träumen

Etwas optimistischer wird Daniel Tisch bei der Frage, ob es auf in der Vergangenheit Leben auf dem Mars gab. Von grünen Männchen sollten wir uns besser verabschieden. Die Wissenschaftlerin hofft aber darauf, auch mit Hilfe der Marsroboter, organische Verbindungen auf nachweisen zu können.

Denn: "Was wir als Planetengeologen machen, ist die Klimageschichte des Mars zu analysieren. Und wir wollten wissen, ob der Mars mal lebensfreundliche Bedingungen gehabt hat. Es hat sich herausgestellt, dass er die tatsächlich hatte. Und der Hauptfaktor, der uns das glauben lässt, ist, dass es mal beträchtliche Mengen an Wasser gab."

"Der Mars ist verrostet"

Selber auf den Mars reisen, das möchte Tirsch lieber nicht. "Wenn es das irgendwann mal gibt, das wird immer wahnsinnig gefährlich sein. Es ist eine wahnsinnige Strahlenbelastung, der ich mich nicht aussetzen möchte. Ich liebe meinen Job und ich liebe den Mars. Aber ich liebe die Erde noch viel mehr."

Klingt eigentlich nach einem tollen Schlusswort. Aber vielleicht noch diese Frage: Schaut man sich Bilder vom Mars an, erscheint der auffällig rot gefärbt. Kein Wunder also, warum wir auch vom "Roten Planeten" sprechen. Aber wie kommt es zu dieser Färbung?

"Ganz einfach ausgedrückt, ist der Mars verrostet", erklärt Daniela Tirsch. "Das ist Eisenoxid, das durch die Verwitterung des Staubes auf dem Marsoberfläche rot erscheint."

(ful)

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