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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.10.2017

Pjotr Pawlenski zündet Bankfiliale anWas bezweckt der Aktionskünstler?

Gesine Dornblüth im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Der Aktionskünstler Pjotr Pawlenskij posiert vor der Geheimdienstzentrale Lubjanka wo er zuvor Feuer gelegt hat.
Der Aktionskünstler Pjotr Pawlenskij posiert 2016 vor der Geheimdienstzentrale Lubjanka, wo er zuvor Feuer gelegt hat. In Paris steckte der Künstler am 16. Oktober eine Bankfiliale in Brand.

Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski hat in Paris eine Bankfiliale in Brand gesetzt. Angeblich will er mit dieser Aktion eine Revolution anstoßen. Ihn deshalb zum Kapitalismus-Kritiker zu stempeln, werde ihm jedoch nicht gerecht, meint die Journalistin Gesine Dornblüth.

Der nach Frankreich geflohene russische Künstler Pjotr Pawlenski bleibt sich auch im französischen Exil treu und hat in seinem Gastland mit einer umstrittenen Aktion für Aufsehen gesorgt: Er zündete eine Filiale der Banque de France in Paris an und wurde am 16. Oktober wegen Sachbeschädigung verhaftet.

Bilder in sozialen Netzwerken zeigen den schwarz gekleideten Pawlenski vor der Bank, hinter zwei vergitterten Fenstern schlagen Flammen empor. Die französische Nationalbank will den Künstler und seine ebenfalls verhaftete Lebensgefährtin Oksana Schaligina nun vor Gericht bringen.

Eine neue Revolution anstoßen

Angeblich, berichtete eine Augenzeugin, will Pawlenski seine Aktion als Akt gegen die Tyrannei verstanden wissen – er wolle damit eine neue Revolution anstoßen. Doch den Aktionskünstler nun vom Kreml-Kritiker zum Kapitalismus-Kritiker zu stempeln, sei verfehlt, sagt die Russland-Expertin Gesine Dornblüth.

Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski protestiert mit zugenähtem Mund im Juli 2012 vor der St. Petersburger Kazan Kathedrale gegen die Verhaftung von Pussy Riot. (Imago/Eastnews)Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski protestierte 2012 mit zugenähtem Mund gegen die Verhaftung von Pussy Riot. (Imago/Eastnews)

Pawlenski sei vor allem eines: ein Einzelgänger, der durch seine kompromisslose Art auch in Russland schon einige regierungskritische Intellektuelle gegen sich aufgebracht habe. Auch in den französischen sozialen Medien gebe es Stimmen, die forderten, Pawlenski doch lieber nach Russland zurückzuschicken. Dort habe man Pawlenski in den vergangenen Jahren entweder totgeschwiegen oder für verrückt erklärt, sagte Gesine Dornblüth weiter.

In Russland droht das Arbeitslager

Im Juni 2016 wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er an den Türen der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau Feuer gelegt hatte. Es folgten Vorwürfe, eine Schauspielerin sexuell belästigt zu haben. Pawlenski floh mit seiner Familie nach Frankreich und erhielt dort im Frühjahr Asyl. In Russland drohen ihm zehn Jahre Arbeitslager.

(mkn)

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