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Tonart | Beitrag vom 18.09.2019

Pixies: "Beyond The Eyre"Die Pixies bleiben sich treu

Von Mathias Mauersberger

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Pixies-Frontmann Charles Thompson alias Black Francis steht auf einer grün ausgeleuchteten Bühne, die Gitarre hat er umgehängt.  (picture alliance / AP / Claudio Cruz)
Pixies-Frontmann Charles Thompson sagt über den letzten Song auf dem neuen Album: "Es geht um den Tod, auf drei verschiedenen Ebenen." (picture alliance / AP / Claudio Cruz)

In den 80ern galten die Pixies als die coolste Indie-Band der Welt. Dann die Auflösung im Streit, gut 20 Jahre später das Revival. Nun ist das zweite Album der Pixies-Neuzeit erschienen und das zeigt: die Band hat immer noch Spaß an ihrer Musik.

David Bowie nannte sie "die beste Band der 80er", Radiohead-Sänger Thom Yorke bezeichnete "Surfer Rosa" als das "sexyeste Album aller Zeiten". Und Kurt Cobain von Nirvana gab unumwunden zu, "Smells Like Teen Spirit" nur als Versuch geschrieben zu haben, "um wie die Pixies zu klingen".

Rund 20 Jahre später kamen die Pixies wieder zusammen – allerdings ohne Bassistin Kim Deal – und veröffentlichten 2016 ihr sechstes Studioalbum. Nun ist mit "Beyond the Eyre" ein neues Album erschienen. Mathias Mauersberger hat Sänger Charles Thompson a.k.a Black Francis a.k.a Frank Black und Gitarrist Joey Santiago getroffen.

"Nur weil etwas neu und angesagt ist, heißt das nicht, dass man es sich unbedingt anhören muss", sagt Sänger Charles Thompson. "Ich persönlich höre mir eigentlich nicht mehr viel Musik von 'neuen' Bands an."

Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich haben die Pixies ihren Stil auf ihrem neuen Album "Beyond The Eyre" nicht grundlegend verändert. Das Schlagzeug prescht immer noch voran, die Gitarren lärmen. Und Charles Thompson singt auch 30 Jahre nach der Veröffentlichung des vielleicht besten Pixies-Albums "Doolittle" noch herrlich schräg von Außenseitern und Abseitigem. Die Veränderungen auf "Beneath the Eyre" sind eher subtiler Natur...

Mehr nach "Gothic" klingen

"Es gab lange vor den Aufnahmen diese vage Verabredung zwischen dem Produzenten und mir", berichtet Thompson. "Das neue Album solle mehr nach 'Gothic' klingen. Wenn also während der Aufnahmen Textideen, musikalische Motive oder eine bestimmte Stimmung auftauchten, die man als 'düster' oder eben 'gothic' bezeichnen könnte, ließen wir das einfach geschehen..."

Was Charles Thompson "gothic" nennt, drückt sich zum einen in einer gewissen Experimentierfreude aus: Da werden Stile wie Ragtime oder Doom-Rock zitiert, ein altes Klavier und sogar ein Spinett sorgen für eine klassizistische und etwas überzeichnete Note. In den Texten wimmelt es von Geistern und Gespenstern: "On Graveyard Hill" etwa handelt von einer Hexe namens Donna, die ihren Liebhaber mit einem Fluch belegt – oder ist es doch ein Liebeszauber?

Zur besonderen Atmosphäre der Songs trug sicherlich auch der Aufnahmeort bei, die Catskill Mountains im US-Bundesstaat New York. Die zwölf Songs wurden in einer alten, zum Studio umfunktionierten Kirche aufgenommen. Ein besonderer Ort, wie sich Gitarrist Joey Santiago erinnert.

Aufnahme in einer alten Kirche

"Das Gebäude hat sehr hohe Decken und verfügt über natürliches Licht, was für ein Studio unüblich ist. Wenn man den Studio-Saal betreten hat, wurde es im Kopf sofort freier, denn da war einfach so viel Raum! Die Kirche strahlte einfach etwas sehr Luftiges und Erhabenes aus."

Die umliegende Natur und die mystische Atmosphäre der Kirche haben sicherlich auch die Songtexte beeinflusst: "Catfish Kate" etwa handelt von einer Frau, die im 19. Jahrhundert, nur mit der Haut einer riesigen Seekatze bekleidet, die Wälder South Dakotas durchstreift haben soll. "Daniel Boone" ist nach einem amerikanischen Pionier benannt, der die erste Route durch die Appalachen erschloss. Der Subtext ist allerdings ernster: Die Stücke handeln auch von Tod und Vergänglichkeit. 

Umbrüche im Leben

"Im letzten Song 'Death Horizon' geht es um den Tod, aber auf drei verschiedenen Ebenen", sagt Thompson. "Die erste Ebene bezieht sich auf das Sterben einer zwischenmenschlichen Beziehung. Die zweite Ebene betrifft das Aussterben des Menschen, der menschlichen Zivilisation. Und im dritten Schritt geht es um die Zerstörung des Planeten: Die Implosion der Sonne, die sämtliche Planeten für immer zerstört."

Hinter der schwarzhumorigen Fassade beschäftigen sich die Pixies auf ihrem siebten Studio-Album mit existentiellen Themen: Da geht es um den Klimawandel und eine reale Trennung: Charles Thompsons Ehe zerbrach in der Zeit vor den Aufnahmen. Joey Santiago spielte zum ersten Mal ein Album völlig nüchtern ein, nachdem er sich 2016 wegen langjähriger Alkoholprobleme in eine Entzugsklinik begeben musste.

Diese Veränderungen und Umbrüche machen sich aber positiv bemerkbar: Die Band klingt auf "Beyond the Eyre" wacher und zupackender als auf dem Vorgänger-Album "Head Carrier". Die Pixies sind 2019 sicherlich keine Rock-Innovatoren mehr, aber eine Band, die Spaß an ihrer Musik hat. Und "Beyond the Eyre" kann durchaus mit einem Album wie "Bossanova" aus der Pixies-Frühphase mithalten.

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(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 29.09.2016)

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