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Tonart | Beitrag vom 31.07.2015

Pianist Frank-Immo ZichnerLudwig Thuille wird neu entdeckt

(Bettina Straub)
Frank-Immo Zichner war zu Gast im Studio bei Deutschlandradio Kultur. (Bettina Straub)

Der Pianist Frank-Immo Zichner widmet sich seit Jahren Komponisten, die aus seiner Sicht zu Unrecht beinahe vergessenen sind. Einer davon ist Ludwig Thuille. Zichner bringt die Thuille-Kompositionen auf einer CD wieder zum Erklingen.

Kaum jemand kennt heute noch den österreichischen Komponisten Ludwig Thuille – und damit ist er ein Fall für Frank-Immo Zichner: Der Pianist, der an der Berliner Universität der Künste lehrt, widmet sich seit Jahren in Vergessenheit geratenen Komponisten. Mit dem Geiger Mark Gothoni, dem Bratschisten Ulrich Eichenauer und Cellisten Peter Hörr hat Zichner eine CD mit Werken Thuilles eingespielt.

Einer der Gründe, warum man den 1861 Thuille heutzutage so wenig kenne, sei dessen früher Tod 1907. Außerdem stand Thuille zeitlebens im Schatten des zweieinhalb jüngeren Richard Strauss, mit dem er eng befreundet war. Ein musikalischer Epigone von Strauss sei Thuille dennoch nicht gewesen, betont Zichner:

"Seine Musik hat etwas durchaus Eigenes. Das ist zum einen begründet in der Harmonik, vor allen Dingen aber auch in den wunderbaren Übergängen, die er komponiert hat, um Gegensätzliches nicht so schroff erscheinen zu lassen. Er war wirklich ein ausgleichendes Temperament."

Auf der nun vorliegenden CD mit Thuille-Kompositionen erklingen die Cellosonate op. 22, das Trio für Klavier, Violine und Viola und die Violinsonaten op. 1 und op. 30. Aufgenommen hat sie Frank-Immo Zichner zusammen mit Mark Gothoni (Violine), Ulrich Eichenauer (Viola) und Peter Hörr (Violoncello).

Im Booklet der CD, die bei cpo in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur veröffentlicht wurde, heißt es dazu: "Die Kammermusik, deren reife Beiträge den Höhepunkt von Thuilles Schaffen darstellen, nimmt einen sehr großen Raum in Thuilles Gesamtwerk ein. Es sind klangschöne Werke, voller Schwung und reich an thematischer Erfindung, die auch heute noch zu fesseln vermögen. Während die Frühwerke, die Violinsonate op. 1 und das Trio für Klavier, Violine und Viola noch die Auseinandersetzung mit der Wiener Klassik Beethovens erkennen lassen, sind die viel später komponierte Cellosonate op. 22 und Violinsonate op. 30 stärker an neudeutsche Idiome angelehnt."

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