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Zeitreisen / Archiv | Beitrag vom 19.03.2014

PhilosophieWas das Schöne sei

Gespräch mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler und dem Kulturhistoriker Thomas Macho

Moderation: René Aguigah

Was ist schön? Die Frage ist tausende von Jahren alt, und die Antworten darauf, was das Schöne sei, wechseln mit den Epochen. Wie Schönheit heute definiert wird und welche Normierungen daraus folgern, untersuchen wir in den "Zeitreisen".

Ist das Geschäft mit der Schönheit normal geworden? Immerhin läuft jetzt bereits die neunte Staffel von "Germany's Next Topmodel" im Fernsehen, bei der junge Frauen ein bestimmtes Schönheitsideal verkaufen.

Aber ist das Nachdenken über Schönheit nicht ein Luxusproblem? Nein, findet Svenja Flaßpöhler, die als stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift "Philosophie Magazin" einen Themenschwerpunkt "Schönheit" mitverantwortet hat. Denn wenn man sich eine Welt ohne Schönheit vorstellt, "das wäre doch eine ziemlich schreckliche Welt. Möglicherweise gäbe es in dieser Welt auch nichts mehr, für das es sich zu leben lohnt. Deshalb, denke ich, ist Schönheit doch existenziell und wichtig und ich denke auch gerade heute ein überaus interessantes Phänomen."

Denn, so Flaßpöhler, obwohl wir uns in vielen Lebensbereichen von Normierungen und Zwängen verabschiedet haben, ist gerade im Bereich der Schönheit eine zunehmende Normierung zu beobachten.

"Die Schönheit wird extrem normiert, in den Magazinen aber auch in 'Germany's Next Topmodel' begegnen uns extrem normierte Körper, also eigentlich immer dieselben Körper. Und trotzdem merken wir natürlich auch, dass letztlich diese Normen, oder wenn wir versuchen, sie zu erfüllen, sie uns ganz und gar nicht mit Sicherheit Schönheit schenken, sondern wir ahnen, dass wahre Schönheit noch irgendetwas anderes meint."

Thomas Macho berichtet von einem Phänomen in Lateinamerika: Dort sollten Väter, die etwas auf sich halten, ihren Töchtern zum 15. Geburtstag die erste Schönheitsoperation spendieren. Dies sei keineswegs auf die Mittel- oder Oberschicht begrenzt, so Macho.

"Die Mitgift hat sich gewissermaßen geändert."

Ihn verwundert dabei, dass gerade Eltern aus ärmeren Schichten dabei nicht mehr in die Bildung ihrer Kinder investieren, sondern in Schönheitsoperationen.

Sie können das vollständige Gespräch in unserem Audio-on-Demand-Bereich nachhören.

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