Seit 15:40 Uhr Live Session

Donnerstag, 12.12.2019
 
Seit 15:40 Uhr Live Session

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.02.2019

Philosoph Christoph TürckeAlle werden genötigt, in der digitalen Welt mitzumachen

Christoph Türcke im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Podcast abonnieren
Ein Mann schlägt den Weg durch den Dschungel mit einer Machete frei.  (imago/Ikon Images/Sam Brewster)
Die digitale Welt als Dschungel: Der Philosoph Christoph Türcke warnt vor den großen Plattformen und einer "suchtbasierten Gefolgschaft". (imago/Ikon Images/Sam Brewster)

Der Philosoph Christoph Türcke beschreibt die digitale Welt in seinem neuen Buch als riesigen Dschungel. Folgt man der Analyse, befinden wir uns auf dem Weg zurück in die Stammesgesellschaft. Und wer nicht mitmacht, bleibt einfach draußen.

Mit dem Phänomen des digitalen Schwarms setzt sich der Philosoph Christoph Türcke in seinem neuen Buch auseinander - und warnt vor dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft.

Der Dschungel wird von den großen Plattformen strukturiert

Der emeritierte Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig sagte im Deutschlandfunk Kultur, die digitale Welt sei kein Reich der Demokratie, sondern inzwischen ein "Riesen-Dschungel". Dieser werde von den großen Plattformen wie Facebook, Google oder Twitter strukturiert.

"Diese Plattformen nehmen zunehmend so etwas wie die Gestalt großer Clans an", sagte Türcke. In den Clans bildeten sich Gefolgschaften, sogenannte "Follower".

Wer da nicht dabei sei, bleibe draußen, sagte Türcke. Alle würden auf diese Weise genötigt, mitzumachen. Türcke verwies unter anderem auf das Beispiel des Grünen-Politikers Robert Habeck und die heftigen Reaktionen auf dessen Ankündigung, sich aus den sozialen Medien zurück zu ziehen.

Ungeheurer Sog und Suchtverhältnisse

Er selbst habe das Privileg, sich entziehen zu können, sagte der 70-jährige frühere Professor. "Ich bin nicht bei Facebook, ich habe keinen Twitteraccount", sagte er. "Ich habe E-Mail, und damit komme ich glänzend aus." Anderen gehe es wohl ähnlich, niemand müsse ein WhatsApp-Gruppe gründen. Zugleich gebe es aber auch einen ungeheuren Sog, dem schwer zu begegnen sei. Türcke sprach in diesem Zusammenhang von "Suchtverhältnissen" und einer "suchtbasierten Gefolgschaft".

(gem)

Christoph Türcke: "Digitale Gefolgschaft. Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft"
C.H.Beck Verlag, München 2019
251 Seiten, 16,95 Euro

Interview

Wahl in GroßbritannienRapper Stormzy wirbt für Labour
Der englische Rapper Stormzy mit einem Union Jack auf der Weste, beim Auftritt auf der Bühne des Glastonbury Festivals. (picture alliance / Photoshot)

Stormzy macht Labour Hoffnung. Der derzeit erfolgreichste Rapper auf der Insel ist ein Anhänger Jeremy Corbyns und erklärter Gegner von Boris Johnson. Deutschlandfunk-Redakteur Axel Rahmlow aber hält den Unterstützungseffekt für gering.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur