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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.10.2019

Philippe Herreweghe in GentBaustelle Bruckner

Moderation: Mascha Drost

Der Dirigent Philippe Herreweghe (imago images / Belga)
Vertraut mit den großen "Bs" der Klassischen Musik: Der Dirigent Philippe Herreweghe, Meister der Bach- und Bruckner-Interpretation (imago images / Belga)

Er ist einer der großen Bach-Interpreten unserer Zeit, aber er kann auch Bruckner: Philippe Herreweghe interessiert sich schon seit langem für den Meister aus Sankt Florian. Nun hat er ihm einen ganzen Abend gewidmet.

Die Hauptwerke Anton Bruckners lassen sich im Wesentlichen in zwei Gruppen einteilen: Sinfonien auf der einen, geistliche Chorsinfonik auf der anderen Seite. Während Bruckners Vertonungen der lateinischen Messe aus seinen früheren Jahren stammen und oftmals Mozart und Schubert verpflichtet sind, schaute er mit den Sinfonien in der zweiten Hälfte seines Lebens weit nach vorne.

Das mag ein Grund dafür sein, dass diese Werkgruppen meist deutlich voneinander getrennt werden, obwohl Bruckner in seinen Sinfonien oft auf seine geistliche Musik anspielte. Tatsächlich ist es auffallend, dass sich viele bedeutende Bruckner-Dirigenten nur wenig für dessen geistliche Musik zu interessieren scheinen.

Klingende Kathedralen

Bei dem flämischen Großmeister Philippe Herreweghe ist das anders. Schon seit langem beschäftigt sich der Dirigent, der vor allem für seine lebendigen Bach-Interpretationen berühmt geworden ist, mit Bruckner – und in diesem Konzert stellte er den Messen- und den Sinfonien-Komponist Bruckner einander gegenüber.

Dass Herreweghe dies in der Kathedrale St. Bavo seiner Heimatstadt Gent tat, hätte Bruckner sicherlich gefallen, schrieb er doch seine nur von Bläsern begleitete e-Moll-Messe für den neuen Linzer Dom, auf dessen Baustelle das erhabene, sängerisch enorm anspruchsvolle Werk 1866 uraufgeführt wurde.

Schöne Pausen

Und auch in seinen Sinfonien ist Bruckners Herkunft aus der Kirchenmusik nicht zu überhören, etwa wenn die Bläser ihre regelmäßig erscheinenden feierlichen Choräle anstimmen – und wenn in den Bruckner-typischen Generalpausen genug Zeit für das Verhallen des Klangs und den Harmoniewechsel eingeplant ist.

Nachdem die Messen schon zu Lebzeiten des Komponisten Erfolg hatten, blieb eine solche Anerkennung Bruckner als Sinfoniker weitgehend versagt. Auch wenn sich daran in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert hat: ein Werk wie die Zweite Sinfonie gilt selbst heute als besondere Herausforderung. Die Welt ist mit Bruckner noch lange nicht fertig.

Gent Festival van Vlaanderen
Kathedrale St. Bavo
Aufzeichnung vom 23.09.2019

Anton Bruckner
Messe Nr. 2 e-Moll für achtstimmigen Chor und Blasorchester

Sinfonie Nr. 2 c-Moll

Collegium Vocale Gent
Orchestre des Champs-Elysées
Leitung: Philippe Herreweghe

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