Seit 14:05 Uhr Musik im Gespräch

Freitag, 19.04.2019
 
Seit 14:05 Uhr Musik im Gespräch

Interview / Archiv | Beitrag vom 05.01.2018

Pflegereform"Es gibt zu wenig Personal für die Pflegebedürftigen"

Pflegeexperte Werner Schell im Gespräch mit Dieter Kassel

Podcast abonnieren
Altenheimbewohner und Altenpflegerin (Sebastian Willnow/ dpa-Zentralbild)
Trotz Pflegereform ist der Personalschlüssel noch immer nicht optimal. Zeit für menschliche Zuwendung fehlt. (Sebastian Willnow/ dpa-Zentralbild)

Fünf Milliarden Euro mehr flossen im vergangenen Jahr in die Versorgung Pflegebedürftiger als noch im Jahr zuvor. Doch damit sei es nicht getan, sagt "Pro Pflege"-Gründer Werner Schell. Pflegebedürftige Menschen bräuchten nicht nur Assistenz beim Haarekämmen, sondern auch menschliche Zuwendung.

Nach Inkrafttreten der großen Pflegereform sind im vergangenen Jahr in den ersten drei Quartalen insgesamt fünf Milliarden Euro mehr in die Pflege geflossen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Allein das wertet das zuständige Bundesministerium schon als Erfolg, weist aber auch auf die vielen großen und kleinen Dinge hin, die verbessert wurden.

Pflegeexperte Werner Schell reden,  Gründer des Selbsthilfenetzwerks "Pro-Pflege", sagt, es gebe tatsächlich ein beachtliches Plus an Leistungen und neue Einrichtungen, was durchaus positiv zu bewerten sei.

Demenzkranke profitieren

Die neue Einteilung der Pflegegrade habe beispielsweise Vorteile für Demenzkranke gebracht: "Die sind jetzt sozusagen komplett in das System eingebunden, können Leistungen beanspruchen."

Schell sagte weiter: Insgesamt wage er jedoch zu bezweifeln, dass durch mehr Geld und andere Einstufungen und Einschätzungen von Pflegebedürftigkeit alles besser und einfacher geworden sei.

"Früher hatten wir die Minuteneingabe – drei Minuten fürs Zähneputzen und Haarekämmen _- und heute haben wir die Einschätzung, ob jemand noch selbstständig ist. Da sind sehr viele subjektive Einschätzungen noch vorzunehmen. Und das macht die Sache nicht unbedingt einfach."

Keine Verbesserung des Stellenschlüssels

Schells Einschätzung nach ist der Stellenschlüssel nicht besser geworden – es gebe immer noch zu wenig Personal, das sich den Pflegebedürftigen nicht nur pflegerisch, sondern auch menschlich zuwenden könne.

Zudem gebe es nach wie vor große Unterschiede bei der Bezahlung der Pflegekräfte. So würde beispielsweise Pflegepersonal in Nordrhein-Westfalen besser bezahlt als in Mecklenburg-Vorpommern. Doch diese Problem zu lösen, gehöre nicht zur Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums – hier seien die Tarifparteien gefragt.

(mkn)

Mehr zum Thema

Pflege zu Hause - Wer pflegt, riskiert sozialen Absturz
(Deutschlandfunk, Dlf-Magazin, 04.01.2018)

Kommentar - Pflege ein wenig glamouröses Thema im Wahlkampf
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 19.09.2017)

Grünen-Vorstoß - Sex für Pflegebedürftige auf Rezept – tatsächlich?
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 09.01.2017)

Interview

Wie Vergebung gelingtVerschiedene Wege zu verzeihen
Das Bild "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" von Rembrandt van Rijn (c1665-c1669): Ein Sohn kniet vor seinem Vater nieder, dieser umarmt diesen.  (picture alliance / dpa / The Art Collector / Heritage Images)

Manchmal kommt das Verzeihen fast unmerklich. Andere empfinden es als autonomen Akt, als Befreiung. Und manchmal ist es auch schädlich. Journalist Andreas Unger hat mit Menschen gesprochen, denen Schlimmes angetan wurde, über ihre Wege der Vergebung.Mehr

HandystrahlungIst 5G gefährlicher als gedacht?
Auf einem Protestschild steht: Keine Mobilfunksender in unserem Dorf! Sie gefährden unsere Gesundheit! (imago images / Michael Eichhammer)

Haben die vermeintlichen Hysteriker am Ende recht? Im Zuge der Versteigerung der 5G-Lizenzen ist die alte Debatte wieder aufgeflammt, ob Handystrahlung gesundheitsschädlich ist. Neuen Studien zufolge kann das durchaus der Fall sein. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur