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Studio 9 | Beitrag vom 10.06.2016

Petry und Strache auf der ZugspitzePR-Aktion mit Panorama

Von Michael Watzke

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Die Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, und der Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Heinz-Christian Strache (picture alliance / dpa)
Petry und Strache treffen sich auf der Zugspitze (picture alliance / dpa)

Frauke Petry und Heinz-Christian Strache wollen heute die Zuspitze erklimmen und gemeinsam "einen Blick hinab auf die deutsche und österreichische Politik werfen". Eine PR-Aktion mit Risiken, meint unser Landeskorrespondent Michael Watzke.

Die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, wird gern als einziger 3000er der Bundesrepublik bezeichnet.  Dabei ist sie nur 2962 Meter hoch. Wie passend für ein Treffen von Frauke Petry mit Heinz-Christian Strache. Die AfD wird ja derzeit in den Medien auch gern ein wenig größer und bedeutender gemacht, als sie tatsächlich ist.

Man wolle, sagt AfD-Chefin Petry, einen Blick hinab auf die Politik werfen. Was für ein symbolisches und subtiles Bild! Wie Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer". Das ist so ausgefuchst einfallsreich, dass in den vergangenen Jahren gefühlt 100 Politiker auf die Idee kamen, sich auf der Zugspitze ablichten zu lassen. Darunter auch Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich vor neun Jahren mit einem halben Dutzend CSU-Kollegen auf dem Gipfel traf. In der Hand hielt der Baron ein Plakat mit der Aufschrift "Bayerns Spitze". Wohin das führte, ist allseits bekannt.

Fototermin mit Symbolkraft 

Fototermine an Orten mit hoher Symbolkraft können gut- oder schiefgehen. Mitterand und Kohl auf den Schlachtfeldern von Verdun - gutgegangen. Kohl und Reagan auf dem Soldatenfriedhof von Bitburg - schiefgegangen. Merkel und Obama auf einer Holzbank im Karwendel - man wird sehen.

Aber Petry und Strache auf der Zugspitze? Ein deutsch-österreichisches Pas-de-Deux in Extremlage? Da fühlt man sich unweigerlich an Straches Vorgänger Jörg Haider erinnert. Der hatte so einige deutsch-österreichische Rendezvous auf einer Bank - allerdings keiner Holz-, sondern einer Skandalbank - der Hypo Group Alpe Adria. 

Zugspitz-Strache und Gipfelkreuz-Petry

Jetzt also Zugspitz-Strache und Gipfelkreuz-Petry. Da drängen sich dem Betrachter die Chiffren auf wie laichende Flusslachse dem streunenden Braunbären.  Der Blick in die Ferne! Die Nähe zur Sonne! Das Händchenhalten über die deutsch-österreichische Grenze hinweg, die genau am Zugspitz-Grat entlangläuft. "Petry Heil" würde man da rufen, wenn man Angler wäre und nicht Bergsteiger.

Strache und Petry wollen also heute im Licht der Bergsonne glänzen. Ihre ganz persönliche Alpenfestung! Die beiden scheinen den Wetterbericht studiert zu haben - der Zugspitz-Termin wurde erst vorgestern bekanntgegeben. Da war bereits absehbar war, dass am heutigen Freitag in den Bergen die Sonne scheint. Aber Vorsicht: Das Wetter in den Alpen ist unberechenbar.  Als Freiherr zu Guttenberg am 7.Januar 2007 auf den Gipfel stieg, hatte er sich mit dem Wetter verrechnet  - es war, entgegen der Prognosen,  so gräulich verhangen, dass das Bayern-Spitze-Plakat aus drei Metern Entfernung im Nebel verschwand. Es soll Menschen geben, die wünschen sich für den Petry-Strache-Termin das gleiche.

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