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Im Gespräch | Beitrag vom 24.08.2019

Petra-Alexandra Buhl über Krebs"Geheilt heißt nicht vorbei"

Petra-Alexandra Buhl und Prof. Dr. Michael Hallek im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Porträt der Autorin Petra-Alexandra Buhl. (Klett-Cotta / Oliver Killig)
"Es geht darum, Frieden mit der Krankheit zu finden", sagt die Autorin Petra-Alexandra Buhl. (Klett-Cotta / Oliver Killig)

In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben. Vorbei ist die Krankheit damit nicht: Viele leiden unter Nachwirkungen der Therapien; der Überlebenskampf hat ihr Leben verändert. Wie kann es weitergehen?

"Eine Krebsdiagnose zerschneidet das Leben in vorher und nachher", sagt Petra-Alexandra Buhl. Die Supervisorin im Gesundheitswesen und Journalistin überstand vor dreißig Jahren eine schwere Krebserkrankung und hat über ihre Erfahrungen als Überlebende – und über die anderer Erkrankter – ein Buch geschrieben: "Heilung auf Widerruf. Überleben mit und nach Krebs".

Ihre Erfahrung: "Geheilt heißt nicht vorbei." Viele Menschen, die eine Kreberkrankung überwunden haben, leiden unter den Spätfolgen der Chemo- oder Strahlentherapie, unter chronischer Erschöpfung, sie können ihren Beruf nicht mehr ausüben. Der Überlebenskampf hinterlässt psychische Folgen. "Das ist wie eine Narbe auf der Seele." Dies betreffe auch die Familie.

Die Krankheit akzeptieren

Für Petra-Alexandra Buhl ist es wichtig, die überstandene Krankheit in das weitere Leben zu integrieren. "Es geht darum, Frieden zu finden mit der Krankheit; sie ist ein Teil meines Lebens, aber eben nur ein Teil. Es geht um radikale Akzeptanz, diese destruktiven Kreisläufe aktiv zu unterbrechen. Zu sagen: Ich will weg von diesen negativen Gedanken. Ich will weg von diesen Katastrophen, von diesen Gedanken: Aus mir wird nichts mehr. Oder: Diese Krankheit wird mein ganzes Leben bestimmen."

Die Bedeutung der Psyche

"Viele Patienten haben nach erfolgreicher Behandlung die Sorge, dass die Krankheit zurückkommt", sagt Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin und des Centrums für Integrierte Onkologie an der Universitätsklinik in Köln.

Michael Hallek (Uniklinik Köln)Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin und des Centrums für Integrierte Onkologie an der Universitätsklinik in Köln (Uniklinik Köln)

Der Internist gilt weltweit als Koryphäe auf dem Gebiet der Leukämiebekämpfung. Sein Rat: "Die seelische Regeneration ist für den Behandlungserfolg wichtig. In der Krebstherapie soll man alles tun, damit das Selbstwertgefühl erhalten und die seelische Verfassung positiv bleibt. Die Psychoonkologie ist ebenso wichtig wie die richtigen Medikamente."

Diese psychische Unterstützung bietet die Initiative "LebensWert e.V.", angegliedert an die Krebsklinik der Kölner Universität. Hier finden Betroffene psychologische Unterstützung und spezielle Sportprogramme; es gibt Malkurse, einen Patientenchor. Das Ziel, so Michael Hallek: "Wir wollen die Patienten so schnell wie möglich nach der Therapie ins Leben zurückholen."

Nach der Krebstherapie: Wie geht es weiter?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer am Samstag, den 24.08.2019 von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Petra-Alexandra Buhl und Michael Hallek. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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