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Kompressor | Beitrag vom 23.01.2019

Petition "R. Kelly stummschalten"Protest gegen Konzerte in Deutschland

Miriam Davoudvandi im Gespräch mit Timo Grampes

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Demonstranten in der Nähe von R Kellys Studio in Chicago, Illinois.  (Getty Images / Scott Olson)
In den USA hat sich der Protest gegen den Sänger unter dem #muterkelly zusammengefunden. Hier demonstrieren Frauen in der Nähe seines Studios in Chicago, Illinois. (Getty Images / Scott Olson)

Obwohl in den USA gegen den R'n'B-Sänger R. Kelly Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Frauen laufen, sind hierzulande Konzerte mit ihm geplant. Hip Hop-Journalistin Miriam Davoudvandi hofft, dass eine Petition zur Absage führt.

In den USA gibt es gegen den R'n'B-Sänger R. Kelly staatsanwaltliche Ermittlungen. Im Raum stehen schon lange Vorwürfe gegen ihn wegen Pädophilie und sexuellem Missbrauch von Frauen. In den USA gibt es darum keine Konzerte mehr mit dem Musiker. 

In Deutschland sind dagegen im April zwei Konzerte in Hamburg und Ludwigsburg geplant. Dagegen richtet sich die Petition "R. Kelly stummschalten – Sexualverbrechern keine Bühne geben". Dahinter stehen die Moderatorin Salwa Houmsi und das feministische DJ Kollektiv Hoe_mies aus Berlin. Sie hoffe, dass durch ihren Aufruf die Konzerte abgesagt würden, erklärt Miriam Davoudvandi, die Chefredakteurin des Hip Hop-Magazins "splash! Mag". R. Kelly werde durch Machtstrukturen geschützt, auch weil viele Menschen an seinen Auftritten verdienten, erklärt Davoudvandi:

"So wie er geschützt wurde seit 20 bis 30 Jahren, passiert das in Deutschland eben auch. Da sind ganz viele Menschen involviert – Labels, Booking Agenturen, Managements – die wollen alle davon profitieren. Außerdem liegt es auch daran, dass viele Leute den Betroffenen nicht glauben. Viele der Personen, die betroffen sind, waren zu dem Zeitpunkt so jung, dass sie nicht verstanden haben, was passiert."

Sechsstündige Doku über den Sänger

Noch gibt es keine Verurteilungen gegen ihn. Die Vorwürfe sind teilweise zwei Jahrzehnte alt. In der sechsstündigen investigativen Dokumentation "Surviving R. Kelly" sagten in den USA namhafte Personen gegen R. Kelly aus und es läuft eine Kampagne unter dem Hashtag #muterkelly gegen ihn. "Es herrschen heute andere Zeiten als Anfang der 90er, als die ersten Vorwürfe aufkamen, als R. Kelly zum Beispiel damals die viel jüngere Aaliyah heiratete", sagt Davoudvandi. Es sei vielen Feministinnen und der #Metoo-Bewegung zu verdanken, dass der Druck auf den Sänger wachse. Sie sieht hier auch ihre Verantwortung als Journalistin:

"Ich finde das superwichtig, weil gerade wir als Journalisten die Macht haben, Leuten wie R. Kelly keine zusätzliche Bühne zu bieten und aufzuklären über die Problematiken. Und das können wir jetzt tun bei Künstlern, die mit Vorwürfen erst am Anfang stehen wie 6ix9ine oder einem Drake, der sich ja gerade auch Vorwürfe anhören muss."

(cosa)

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