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Tonart | Beitrag vom 30.08.2019

Peter Maffays Album "Jetzt!"Auch mit 70 noch Teil einer Jugendbewegung

Jens Balzer im Gespräch mit Carsten Beyer

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Musiker Peter Maffay in seinem Musikstudio  (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
Neue Musik zum 70. Geburtstag: Peter Maffay stellt in seinem Studio sein Album "Jetzt!" vor. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

An seinem 70. blickt Peter Maffay nicht zurück, sondern veröffentlicht mit "Jetzt!" ein Album, das unter anderem Bezug auf die "Fridays for Future"-Bewegung nimmt. "Diese politische Ader ist gar nicht so neu bei Maffay", sagt Kritiker Jens Balzer.

Bloß nicht zurückblicken und nur noch im Gestern leben, das scheint, das Motto von Peter Maffay zu sein. Pünktlich zu seinem heutigen 70. Geburtstag erscheint sein neues Album "Jetzt!", davor wurde eine Single mit dem Titel "Morgen" ausgekoppelt.

"Man sieht: Es geht um Gegenwart und Zukunft, aber auch das Verrinnen der Zeit", sagt Popkritik Jens Balzer – und das keinesfalls nur in autobiografischer Hinsicht. Maffay nimmt in einigen seiner Lieder Bezug auf die aktuelle politische Lage.

Ringelreigen, um die Welt zu retten

"Wann kommt die Zeit, wenn wir endlich kapieren, dass Planeten nicht unsterblich sind", singt Maffay beispielsweise in seinem Song "Morgen" zu einem Bluesrock-Riff. "Da geht es darum, dass man endlich den Kampf gegen das Unrecht aufnehmen muss, weil sonst die Welt untergeht", erläutert Balzer. Im dazugehörigen Musikvideo sind Atombombenabwürfe, marschierende Nazis, ertrinkende Flüchtlinge zu sehen.

Schließlich setzt ein Chor aus sehr entschlossen guckenden Schulkindern ein, die am Ende des Songs einen Kreis um Peter Maffay bilden, als würden sie gleich einen Ringelreigen tanzen. Die "Fridays for Future"-Bewegung lässt grüßen. "Ich musste an dieses alte Tocotronic-Wort denken: Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein", sagt Kritiker Balzer. "Das hat sich wohl auch Peter Maffay gedacht."

Ist aus dem Schlagersänger, der eins die Sommerliebe eines 16-Jährigen besang ("Und es war Sommer"), nun plötzlich ein Polit-Rocker geworden? Nein, meint Balzer. Der "scheinbare Widerspruch zwischen Schlager und Rock" habe schon immer Maffays Musik geprägt.

Zwischen Schlagerschnulze und Polit-Rock

Sein erster Hit "Du", der 1970 erschien, sei zwar "geradezu der Inbegriff des klanglich-sämigen Schlagerschnulzenstücks" gewesen. Schnell danach habe Maffay aber versucht, sich davon zu emanzipieren und mit Musikern aus der "Krautrock-Szene" zusammenzuarbeiten.

Bereits auf seinem zweiten Album "Samstag Abend in unserer Straße" (1974) finde man "auch schon jemanden, der versucht, aus diesem Schlagerkorsett klanglich und gestisch auszubrechen". Bis hin zum deutlichsten Bruch, dem Album "Steppenwolf" (1979), auf dessen Cover Maffay plakativ mit Lederjacke posiert.

Auch "diese politische Ader, die man jetzt hören kann, die ist gar nicht so neu bei Maffay". Er habe immer politische Songs gemacht, wie beispielsweise "Eiszeit" zum Thema Kalter Krieg. Auch habe er mit politischen Liedermachern wie Hannes Wader zusammengearbeitet. Das neue Album biete also die "Mischung aus Gefühl und Härte oder Rock und Sentimentalität in ausgewogener Art und Weise, wie man es von ihm kennt".

(lkn)

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