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Kompressor | Beitrag vom 02.03.2020

Performancekünstler Ulay ist totRadikale Fragen an die Identität

Elke Buhr im Gespräch mit Gesa Ufer

Ulay (Uwe Laysiepen), Künstler und Performancekünstler 2016 in Berlin. (imago/ Sabine Gudath)
Der Künstler Ulay 2016 in Berlin. Für die Kunst ließ er seine bürgerliche Identität als Frank Uwe Laysiepen hinter sich. (imago/ Sabine Gudath)

Zusammen mit Marina Abramovic habe er eine leidenschaftliche und konflikthafte Liebesbeziehung in Kunst übersetzt, sagt Elke Buhr von Kunstmagazin "Monopol" über den verstorbenen Ulay. Nach der Trennung des Paares sei sie allerdings erfolgreicher gewesen.

In der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna standen sich Marina Abramović und Ulay im Jahr 1977 90 Minuten lang unbeweglich und nackt in einem schmalen Durchgang gegenüber, sodass die Besucher nur zwischen ihnen hindurch in das Museum gelangen konnten. (laif)In der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna standen sich Marina Abramović und Ulay im Jahr 1977 90 Minuten lang unbeweglich und nackt in einem schmalen Durchgang gegenüber, sodass die Besucher nur zwischen ihnen hindurch in das Museum gelangen konnten. (laif)
Der Performancekünstler Ulay ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren. Bekannt wurde er zunächst durch Fotografien und Collagen, die sich mit Identitätsfragen beschäftigten. Intensiv nutzte er in den 1970ern das damals neue Medium Polaroid.

Um künstlerisch zu arbeiten, ging Ulay, der bürgerlich Frank Uwe Laysiepen hieß, 1969 von Solingen nach Amsterdam, verließ dafür Frau und Sohn. In den Niederlanden fotografierte er die "Außenseiter der Gesellschaft" – Obdachlose, Transvestiten – Sujets, die heute gang und gäbe sind, aber damals noch extrem ungewöhnlich waren, wie Elke Buhr vom Kunstmagazin "Monopol" berichtet.

Künstlerische Radikalität als Paar

Ab 1976 arbeitete Ulay zwölf Jahre lang zusammen mit Marina Abramovic. Die beiden waren ein Paar, das seine Beziehung in der Kunst auslebte. Ein frühes Video zeigt, wie sie sich immerfort gegenseitig ohrfeigen.

In einer anderen Arbeit spannen beide einen echten Bogen mit ihrem Körpergewicht, indem sie sich daran festhalten und - gegenüberstehend - jeweils nach hinten zurücklehnen. Abramovic hält den Rahmen, während der Pfeil in Ulays Hand liegt und auf ihr Herz zeigt. "Und man weiß, wenn einer stolpert, dann ist am Ende einer tot, und zwar sie - und das war real", so Buhr über die künstlerische Radikalität des Paares.

"Die Art, wie sie das Persönliche – also eine offensichtlich extrem leidenschaftliche und auch konflikthaltige Beziehung in Kunst übersetzt haben, machte das Künstler Paar Ulay – Abramovic einzigartig", sagt Buhr.

Nach der Trennung im Jahr 1988 sei Abramovic allerdings erfolgreicher als Ulay gewesen, der sich wieder mit Identitätsfragen auseinandersetzte. "Und insofern haben wir den seltenen Fall, dass ein Mann als Anhängsel einer berühmten Frau in Erinnerung bleiben wird", vermutet die Kunstkritikerin.

(huc)

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