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Fazit / Archiv | Beitrag vom 31.03.2017

Performancekollektiv Henrike IglesiasWelche Heldin passt zu mir?

Von Stefan Keim

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Sophia Schroth vom Berliner Autorinnen- und Performerinnenkollektiv Henrike Iglesias (Henrike Iglesias / Paula Reissig)
Sophia Schroth vom Berliner Autorinnen- und Performerinnenkollektiv Henrike Iglesias (Henrike Iglesias / Paula Reissig)

Wer sind heute unsere Idole? Finden Frauen heute Vorbilder und Heldinnen, denen sie nacheifern können? Das Performancekollektiv "Henrike Iglesias" erforscht mit Bielefelder Schauspielerinnen diese Fragen um "Heldinnen".

Superhelden beherrschen die Kinoleinwände, und viele Theater fragen in ihren Spielplänen, wer heute ein Held sein könnte, ein Vorbild, ein Idol. In Bielefeld haben sich die Performerinnen des Kollektivs Henrike Iglesias für ihr Stück "#Heldinnen" mit zwei Schauspielerinnen des Stadttheater zusammen geschlossen.

Schauspielerin Henriette Nagel  und Performerin Laura Naumann stehen vor dem Publikum. Erzählen sie wirklich von sich, von ihrer eigenen Probenangst? Sind Sie wirklich davon überzeugt, wie sie sagen, dass ihre Vorschläge immer die blödesten sind? Oder ist alles nur ein ironisches Spiel mit Frauenklischees? "Mein Kostüm ist ein tief ausgeschnittenes Kleid," sagt Henriette Nagel, "was mir ständig hoch rutscht. Jemand hat darauf geachtet, dass man meine Nippel nicht sieht." Laura Naumann entgegnet: " Mein Kostüm ist ein bisschen cooler als ich, aber ich hoffe, das merkt niemand. Man sieht darin, dass meine Brüste unterschiedlich groß sind, aber ich finde, das können die Leute auch ruhig mal sehen."

Präsentation ihrer Problemzonen

Die Geschichten könnten wahr sein – aber auch erfunden. Oder einen wahren Kern enthalten und dann weiter gesponnen worden sein. Es geht um die Selbstinszenierung, um den Stress, den Erwartungen anderer zu entsprechen. Um ein Leben als "Heldinnen". Drei Performerinnen des Kollektivs Henrike Iglesias haben mit zwei Bielefelder Schauspielerinnen sechs Wochen lang Szenen entwickelt. Sie tanzen in sonderbaren Kostümen und  zitieren Dankesreden von Schauspielerinnen bei der Oscar-Verleihung.

Der 80-minütige Abend ist schnell und unterhaltsam, selbstironisch und persönlich. Der Einfluss des Kollektivs She She Pop ist sehr deutlich, einmal präsentieren die fünf Frauen in Bielefeld offensiv ihre Problemzonen. Genau so arbeitet She She Pop, aber doch meistens radikaler, schmerzhafter, berührender. "Heldinnen" ist eine nette Nummernrevue, aber es gibt kaum Konzentration und nur wenig Überraschendes. Kurz vor Schluss bewegen die Darstellerinnen zwei große, mit Lichtern versehene Kreise im vollgenebelten Theaterraum. Das ist optisch eindrucksvoll, doch inhaltlich bietet die Aufführung wenig.

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