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Im Gespräch | Beitrag vom 11.01.2020

Per Crashkurs zum LehrerQuereinsteiger – mehr als Lückenbüßer?

Anne Deimel und Nicolás Urióstegui im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Männer und Frauen in einem Seminarraum in Berlin. Studiert haben sie alle nicht auf Lehramt, sondern etwas anderes. Über einen Quereinstieg gelangten sie in den Schuldienst und qualifizieren sich nun parallel weiter.  (picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm)
Immer mehr Menschen, die kein Lehramtsstudium absolviert haben, werden eingesetzt, um den wachsenden Lehrermangel zumindest einigermaßen zu beheben. (picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm)

Der Lehrermangel an deutschen Schulen spitzt sich zu: 26.300 Pädagogen fehlen bis zum Jahr 2025 bundesweit allein an Grundschulen. Jeder zehnte neue Lehrer ist bereits ein Quereinsteiger. Was bedeutet das für den Unterricht? Diskutieren Sie mit!

Eine gelernte Musikwissenschaftlerin, die Deutsch unterrichtet, ein Informatiker als Physiklehrer? Das ist längst Alltag an deutschen Schulen. Immer mehr Menschen, die kein Lehramtsstudium absolviert haben, werden eingesetzt, um den wachsenden Lehrermangel zumindest einigermaßen zu beheben. Sind diese Quer- und Seiteneinsteiger mehr als Lückenbüßer? Werden sie ausreichend auf die Schulrealität vorbereitet?

Ohne Seiteneinsteiger läuft nichts mehr

"Seiteneinsteiger sind uns willkommen. Wir können ja unsere Systeme gar nicht mehr aufrecht erhalten ohne sie", sagt Anne Deimel, stellvertretende Vorsitzende im Verband Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen. "Aber die Voraussetzung ist ein universitäres Studium. Und wir sagen ganz klar: Die Seiteneinsteiger brauchen, bevor sie vor eine Klasse gestellt werden, eine sechsmonatige Qualifizierung."

Die Rektorin einer Grundschule kennt aber auch die Realität: Schulleiter müssen immer öfter Quereinsteiger ohne diese Zusatzausbildung einsetzen, damit der Unterricht nicht ausfällt. Dann springt der Sport-Quereinsteiger eben doch in anderen Fächern ein – und bekommt von den bereits überlasteten Kolleginnen und Kollegen ein "Training on the Job". Anne Deimel: "Das ist eine totale Überlastung der Lehrkräfte." 

Vorher in den "wilden Schulalltag" hineinschauen

"Man wird absolut ins kalte Wasser geworfen", sagt Nicolás Urióstegui. Der studierte Sportwissenschaftler unterrichtet seit zwei Jahren an einer Berliner Grundschule Sport, Mathematik und Deutsch. Für Mathe und Deutsch musste er sich jeweils ein Jahr nachqualifizieren – berufsbegleitend. Wenn die Qualifizierungen abgeschlossen sind, kann er ein Referendariat beginnen, so wie die regulären Lehramtsstudierenden.

Was rät er Interessierten? "Ich würde ihnen raten, in eine Schule zu gehen, um dort zu hospitieren, um in diesen wilden Schulalltag hineinzuschauen. Das kann sich niemand vorstellen, der sonst in einer großen Firma arbeitet oder in einem kleinen Start-up. Diese Riesenenergie, die in der Schule fließt, die einem aber auch entzogen wird. Das muss man einfach mal spüren." Er habe mit dem Lehrerberuf sein "Ding" gefunden, aber das müsse nicht für jeden gelten, der von außen in eine Schule kommt.

Was bringen Quereinsteiger an Schulen?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Anne Deimel und Nicolás Urióstegui. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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