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Buchkritik | Beitrag vom 04.09.2019

Peer Martin: "Hope"Du kommst an oder stirbst

Von Sylvia Schwab

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Buchcover des Jugendromans "Hope" von Peer Martin (Dressler Verlag)
Mit "Hope" ist Peer Martin ein spannender, emotionaler und politischer Jugendroman über Flucht und Fluchtursachen gelungen. (Dressler Verlag)

In "Hope" erzählt der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Autor Peer Martin wie ein Elfjähriger aus Somalia nach Kanada flieht. Ein spannendes Jugendbuch, in dem brisante Themen wie Krieg, Klimawandel und Rassismus thematisiert werden.

"Hope", der Titel, lässt darauf hoffen, dass vielleicht doch alles gut ausgehen könnte. Doch eigentlich ist das unmöglich, nur zehn Prozent aller Flüchtlinge gelingt, was Hope schließlich schafft: die Flucht aus Somalia über Südafrika, Süd- und Mittelamerika und die USA bis nach Kanada.

Erzählt wird Hopes Geschichte – der Junge ist elf Jahre alt – von Mathis, einem 19-jährigen kanadischen "Möchtegernjournalisten", der Flüchtlinge begleiten und darüber eine Reportage schreiben will. Und so bricht dieses ungleiche Paar, der mutige, schlaue schwarze Junge und der große, waghalsige, weiße junge Mann, auf zu einem halbjährigen Abenteuer, das einem den Atem verschlägt.

Die Folgen von Armut und Ausbeutung

Es ist unmöglich, die Erlebnisse, Gefahren, Bedrohungen und die unzähligen Menschen und Fluchtgeschichten, die die beiden erleben, knapp zusammenzufassen. Sie fahren mit einem Boot den Amazonas hinauf, leben bei indigenen Völkern in Brasilien und Panama, arbeiten auf einer Bananenplantage, klettern tagelang durch Gebirge, überqueren diverse Grenzen, werden von Polizei, Militär und somalischen Killern verfolgt. Sie leiden unter Durst und Hunger, Hitze und – in Kanada – Kälte, erleben schreckliche Gräueltaten, verübt von Banditen und Gangs wie den "Mara 13", durchwandern aber auch atemberaubende Landschaften, erleben außergewöhnliche Freundschaften, erstaunliche Hilfsbereitschaft und immer wieder Rettung in letzter Minute.

Mathis' Ziel ist es, über die Zerstörung der Erde als Ursache der weltweiten Flüchtlingsströme zu berichten und die Folgen des Klimawandels zu dokumentieren. Die Zivilisation frisst ihre Kinder – und Kinder leiden am meisten unter den Folgen von Armut und Ausbeutung. Kinder aber sind auch die Hoffnung, die Zukunft der Menschheit. Und Hope ist ein Hoffnungsträger. Auch wenn er ein Geheimnis mit sich trägt, das mit der grausamen Geschichte seines Heimatlandes Somalia eng verbunden ist.

Rasant, spannend, emotional

Peer Martin ist das schier Unmögliche gelungen. Er hat einen rasanten, total spannenden und emotionalen Roman geschrieben, der bis zum Schluss fesselt. Und er hat darin zugleich unglaublich viel Stoff zum Thema Klimawandel, Fluchtursachen, Zerstörung des Urwalds und der Landwirtschaft, Korruption und Ausbeutung, so geschickt verpackt, dass man wie nebenbei permanent Neues lernt.

Um die Geschichte nicht zu sehr mit Fakten zu belasten, gibt es immer wieder doppelseitige Einschübe mit Informationen pur: zur globalen Erwärmung, zu Politik und Wirtschaft, Geschichte und sozialer Situation der Menschen und Länder, durch die Hope und Mathis illegal unterwegs sind.

Dass "Hope" hervorragend erzählt ist – einfühlsam, manchmal poetisch oder auch dramatisch, aber nie sentimental, mit dem Blick des Fotografen für wirkungsvolle, interessante oder schöne Details, ist ein weiteres Plus. Ein grandioser Jugendroman!

Peer Martin: "Hope"
Ab 16 Jahren
Dressler Verlag, Hamburg 2019
544 Seiten, 20 Euro

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