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Interpretationen | Beitrag vom 08.11.2020

Paul Abrahams Operette "Ball im Savoy""Was hat eine Frau von der Treue?"

Gast: Kevin Clarke, Musikpublizist; Moderation: Uwe Friedrich

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Dagmar Manzel und das Ensemble der Komischen Oper Berlin, 2013 in Barrie Koskys Inszenierung von "Ball im Savoy" (imago / POP-EYE)
Dagmar Manzel und das Ensemble der Komischen Oper Berlin, 2013 in Barrie Koskys Inszenierung von "Ball im Savoy" (imago / POP-EYE)

Warum bin ich verliebt in dich? Bist du mir treu? Diese und weitere durchaus existentielle Fragen werden in der Operette "Ball im Savoy" von Paul Abraham verhandelt. Das eindeutig-zweideutige Erfolgsstück von einst wird heute gespielt, schräger denn je.

Die Nationalsozialisten standen kurz vor der entscheidenden Reichstagswahl, das gesellschaftliche Klima in Deutschland hatte sich seit Paul Abrahams großen Erfolgen entscheidend gewandelt, als seine letzte deutschsprachige Operette "Ball im Savoy" kurz vor Weihnachten 1932 in Berlin zur Premiere kam.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Echte und vorgetäuschte Gefühle, Untreue und mehr oder weniger offene Beziehungen waren schon immer Themen der Operette. In der Weimarer Republik wurden derlei Liebesverwirrungen aber mit modernen Tanzrhythmen und eindeutigen Texten weiter aufgeheizt.

Interaktive Operette

Paul Abraham – 1892 in Ungarn geboren, 1960 in Hamburg gestorben – entwickelte eine sehr eigenwillige Kompositionstechnik mit einer Zentralpartitur, aus der sich jeder Dirigent zusammensuchen muss, was er zur Aufführung bringen und wie es klingen soll.

So unterscheiden sich die verschiedenen Aufnahmen teilweise beträchtlich, auch die veränderte Sichtweise auf die sexuelle Freizügigkeit veränderte die musikalischen Interpretationen über die Jahrzehnte.

Der Komponist sitzt an einem Klavier. (imago / United Archives / Roba Siegfried Pilz)Bist du mir treu? Der Komponist Paul Abraham in den 1950er Jahren (imago / United Archives / Roba Siegfried Pilz)

In den letzten Jahren kommt "Ball im Savoy" wieder öfter auf die deutschen Bühnen, Signalcharakter hatte dabei die Produktion des Regisseurs Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin, in der mit den Exotismus-Klischees ebenso gespielt wurde wie mit dem Glücksversprechen wechselnder Sexualpartner.

Auch international war "Ball im Savoy" ein großer Erfolg, was sich an zahlreichen Übersetzungen ablesen lässt. Was darüber hinaus ein Känguru und ein Türke vom Bosporus im Ballsalon des Hotels zu suchen haben, klären Uwe Friedrich und der Operettenspezialist Kevin Clarke.

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