Seit 22:03 Uhr Musikfeuilleton
Freitag, 17.09.2021
 
Seit 22:03 Uhr Musikfeuilleton

Tonart | Beitrag vom 13.09.2021

Pat Metheny: "Side-Eye NYC"Kritischer Seitenblick auf Amerika

Von Sarah Seidel

Mit langen Haaren und einem angestrengten Blick spielt Pat Metheney auf der Bühne Gitarre. (picture alliance / Pacific Press / Luigi Rizzo)
Mit "Side Eye" erscheint das dritte Album innerhalb von anderthalb Jahren von Pat Metheny. (picture alliance / Pacific Press / Luigi Rizzo)

Mit "Side-Eye NYC" erscheint das dritte Album von Pat Metheny innerhalb von nur anderthalb Jahren. Es wurde 2019 live vor Publikum in einem New Yorker Hotel aufgenommen. Metheny-Fans kommen dabei voll auf ihre Kosten.

Ende 2019 nahm Pat Metheny sein neues Album "Side-Eye NYC" in New York auf. Das Album entstand live vor Publikum, und man spürt darauf die Unbefangenheit der ersten Pat Metheny Group. Das Publikum saß nah bei den Musikern, und die Atmosphäre wirkt gelöst. So entsteht das Lebensgefühl einer lang zurückliegenden Ära in den 1970er-Jahren.

Kein Hit-Album

Für Pat Metheny ist "Side-Eye NYC" zwar ein Live-Album, das aber in seinen Augen nicht unbedingt wie ein Live-Album funktioniert, erzählt er. "Auf dem Album folgt nicht Hit auf Hit, und man hört das Publikum auch nicht dauernd laut schreien", so Metheny. Die Musik ist für ihn das, was sie ist - und eben nur zufällig live vor Publikum gespielt worden.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Auf "Side-Eye NYC" sind nicht nur Klassiker wie "Bright Size Life" zu finden. Neue und alte Songs halten sich hier ungefähr die Waage. Pat Metheny findet, dass die älteren von ihnen wie "Better Days Ahead" in dieser Performance kaum wiedererkennbar sind. Namensgeber für dieses Album ist der Titel eines älteren Songs, den er noch nie eingespielt hat.

Der Name "Side-Eye" wurde ihm zunächst als Band-Name vorgeschlagen, und er hat ihn gleich als Titel für sein Album übernommen. "Side-Eye" bedeutet, eine Sache oder eine Person mit einem kritischen Seitenblick zu betrachten. Metheny sagt: "Als Amerikaner musst du heute einen kritischen Blick auf Amerika haben, ein Land, in dem so ein Seitenblick auf die Gesellschaft in den vergangenen fünf Jahren nötig war - und leider noch immer nötig ist."

Band mit großer Spielfreude

Die "Side-Eye"-Band ist so gestrickt wie die meisten Bands des Gitarristen. "Alle sind irgendwie die Pat Metheny Group und funktionieren immer nach demselben Prinzip", sagt Metheny. Er schreibe die Songs und versuche dann, die richtigen Musiker dafür zu finden.

Die Musik des neuen Albums wurde Ende 2019 aufgenommen. Metheney erzählt, dass das Album in einem unterirdischen Fest­saal eines alten Hotels in Manhattan entstanden sei. "Die Decken waren dort sehr hoch, und das Publikum saß dicht an der Bühne."

"Side-Eye NYC" ist eine Trio-Performance von Pat Metheny, live festgehalten noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Band hört man die große Spielfreude an: Rock ’n’ Roll, Blues, Swing, Altes und Neues - Fans von Pat Metheny kommen voll auf ihre Kosten. Doch in dieser Besetzung ist "Side-Eye" nur eine Momentaufnahme. Wenn der Gitarrist wieder auf Tour geht, dann könnte der Schlagzeuger schon wieder ein ganz anderer sein.

Mehr zum Thema

Pianistin Julia Hülsmann - Intimität und Energie
(Deutschlandfunk, Jazz Live, 26.01.2021)

Der Jazzpianist Florian Weber - Lebensinhalt Improvisation
(Deutschlandfunk, Klassik-Pop-et cetera, 30.05.2020)

Pat Methenys: "From This Place" - Jazziger Wohlklang mit politischer Aussage
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 24.02.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur