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Kompressor | Beitrag vom 17.08.2020

PandemiefilmeViel mehr als der Kampf gegen ein Virus

Drehli Robnik im Gespräch mit Max Oppel

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Jude Law als Alan Krumwiede in dem Pandemiethriller "Conatagion" von 2011. (imago images / Cinema Publishers Collection / Claudette Barius)
Jude Law als Verschwörungsideologe und Blogger Alan Krumwiede in Steven Soderberghs "Contagion" (2011) (imago images / Cinema Publishers Collection / Claudette Barius)

Sich in der Coronazeit ausgerechnet Filme über Pandemien anschauen, das gibt sich vermutlich nur ein Cineast wie Drehli Robnik. Der Filmtheoretiker hat ein Buch daraus gemacht und sagt, in Filmen über tödliche Seuchen gehe es immer auch um Politik.

Die Seuche und das Kino: Pandemien waren schon der Stoff für Hunderte Filme – von Pest und Cholera, über Ebola bis zur vom Virus ausgelösten Zombie-Apokalypse.

Der österreichische Filmtheoretiker, Essayist und Kritiker Drehli Robnik hat sich in den Monaten des Corona-Lockdowns 167 Pandemiefilme im Homeoffice angeschaut und anschließend in kurzer Zeit das Buch "Ansteckkino" geschrieben.

Robnik interessiert, was die Pandemien mit einer Gesellschaft machen – nicht nur im medizinischen Sinne, sondern auch im politischen. Der Begriff "Pandemie" verrate es schon, denn er bedeutet: Etwas, das die ganze Gesellschaft betrifft. Und unter diesem Aspekt habe er sich die Filme angeschaut.

Mehr als medizinisch-biologische Krisen

"Und da sind wir dann auch schon bei dem, was für viele auch während der Coronapandemie eine massive Erfahrung war – nicht nur die gesundheitlich-biologische Krise, sondern, dass wir mit Formen von Staatlichkeit, von Gesellschaftlichkeit, von dem vermeiden Müssen von Gesellschaftlichkeit konfrontiert sind, wie wir das vielfach vorher nicht kannten", sagt der Cineast.

Das sei etwas, das man quer durch die Pandemie-Filmgeschichte beobachten könne: Sei es bei frühen Filmen über die Pest oder "Nosferatu", Hollywoodstreifen wie "Contagion" – oder in Nazipropagandafilmen wie "Robert Koch, der Bekämpfer des Todes" von 1939.

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Der Robert-Koch-Film transportiere mit dem Thema der tödlichen Krankheit Aspekte der NS-Ideologie wie Rassismus, "gesunder Volkskörper" und die Figur eines starken "Führers" in Gestalt des Forschers Robert Koch, erklärt Drehli Robnik.

Viele Parallelen zur aktuellen Situation

Im Hinblick auf Parallelen zur aktuellen Situation – Einschränkung der Grundrechte während des Lockdowns, im Netz grassierende Verschwörungstheorien – findet Robnik unter anderem "Contagion" von 2011 interessant.

In dem Film, der mehrere Handlungsstränge rund um ein tödliches Virus gruppiert, geht es auch um einen Blogger, der Verschwörungstheorien via Twitter in die Welt setzt: "Das ist in dem Film ganz stark thematisiert: diese Parallele des in Kontakt Kommens mit einem Gerücht, des infiziert Werdens durch ein Gerücht."

Hat der Filmtheoretiker aus den vielen Filmen etwas für sich mitgenommen? Spannend findet Robnik im Vergleich mit Hollywood- oder europäischen Produktionen den nigerianischen Film "93 Days" aus dem Jahr 2016 über eine Ebolaepidemie in Lagos.

"Das war ein Film, der versetzt mich in Umgangsformen, die so anders sind, als wir sie aus den meisten westlichen Filmen gewohnt sind", sagt Drehli Robnik, "weil alle sehr um eine Art Sanftheit im Umgang bemüht sind." Der Streifen zeige, dass gewisse zartfühlende Umgangsformen auch in solchen Ausnahmesituationen durchaus möglich seien.

(mkn)

Drehli Robnik: "Ansteckkino"
Neofelis Verlag, Berlin 2020
174 Seiten, 18 Euro

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