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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 07.09.2019

Pakt zum Schutz der Regenwälder Nationalstaatliche Wege zu globalen Lösungen

Jens Bisky im Gespräch mit Axel Flemming

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Im brasilianischen Regenwald brennt es. (Gabriela Biro/Agencia Estado/picture alliance / Photoshot)
Die verheerenden Brände im Amazonas haben in der Region den Wunsch nach engerer Zusammenarbeit bestärkt. (Gabriela Biro/Agencia Estado/picture alliance / Photoshot)

Sieben Länder mit Regenwald haben den Leticia-Pakt geschlossen. Der Journalist Jens Bisky begrüßt, dass sie gemeinsam agieren, um den Regenwald besser zu schützen. Er sagt, dass Lösungen viel Zeit benötigen.

Die Amazonas-Länder wollen den größten Tropenwald der Welt, in dem derzeit verheerende Brände wüten, besser schützen. Dies vereinbarten die sieben Anrainer-Länder  bei einem Gipfeltreffen im kolumbianischen Leticia. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie den Aufbau eines Kooperationsnetzwerks an, über das unter anderem Wetterdaten sowie Informationen über illegale Abholzungen und illegale Minen ausgetauscht werden sollen.

"Wir müssen uns dafür interessieren", sagte unser Studiogast, der Journalist Jens Bisky im Deutschlandfunk Kultur. Was da im Regenwald geschehe, betreffe natürlich die ganze Welt. Dass sich die Anrainer-Staaten nun geeinigt hätten, sei ein erster Schritt, sagte Bisky. "Alles andere dauert lange und braucht die Mühen der Diplomatie."

Porträt von Jens Bisky, deutscher Journalist und Buchautor aus Berlin.  (imago  / Gerhard Leber)Jens Bisky, Journalist und Buchautor (imago / Gerhard Leber)

Die nationalstaatliche Verfasstheit von Staaten berge besondere Herausforderungen angesichts globaler Probleme, sagte der Journalist. "Was wollen Sie machen, wollen Sie Brasilien in die Isolation treiben, weil die den Regenwald nicht schützen? Wollen Sie einen Krieg deswegen beginnen – das ist auch nicht unbedingt umweltfreundlich." Es sei außerdem nicht gerechtfertigt und nicht humanitär. "Wir können uns gerne empören, aber daraus folgt erstmal nichts."

Bisky begrüßte, dass eine Modekette keine brasilianischen Tierhäute mehr verwenden wolle. Allerdings sollten politische Boykotte immer mit Gesprächsangeboten und mit Alternativen verbunden werden. Wenn man wolle, dass die brasilianischen Bauern weniger Landwirtschaft betrieben, müssten sie von etwas anderem leben können. Boykotte könnten auch zu Rückzügen in den Trotz führen, warnte er. 

Viel Geduld nötig

Ein vergleichbares Problem gebe es auch bei anderen politischen Themen wie dem Welthandel oder der Migration. Es werde nationalstaatlich agiert, obwohl es eigentlich um globale Probleme gehe. "Wir haben im Moment leider eine Zeit, in der in vielen einzelnen Staaten, die sagen, Ihr da draußen habt uns gar nichts zu sagen – das ist unser Land." Gerade in der Klimapolitik müsse man sehr viel Geduld haben und sich auf sehr komplizierte, langwierige Prozesse einstellen.

Der "Leticia-Pakt für den Amazonas" wurde von sieben Ländern unterzeichnet: Kolumbien und Peru als Co-Organisatoren des Gipfeltreffens sowie Brasilien, Ecuador, Bolivien, Suriname und Guyana.

(gem)

Der Journalist Jens Bisky ist seit 2001 Feuilleton-Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" und Autor mehrerer Bücher. Er wurde 1966 in Leipzig geboren, studierte Germanistik und Kulturwissenschaft in Berlin. Danach arbeitete er zunächst für die "Berliner Zeitung". Sein Vater war der verstorbene Linken-Politiker Lothar Bisky, sein Bruder ist der Maler Norbert Bisky. 

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