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Interview | Beitrag vom 07.04.2020

"Paardiologie"-Autor Martin Keß-Roche Mit Kopfhörer und Kompromissen durch die Coronakrise

Moderation: Liane von Billerbeck

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Porträt von Charlotte Roche und Martin Keß-Roche vor dunklem Hintergrund. (Marina Weigl)
"Wir werden auch in der Krise keine anderen Menschen, wir werden nur ein bisschen extremer in dem, was wir sowieso sind", sagt Charlotte Roches Mann, Martin Keß-Roche. (Marina Weigl)

Aufgeregte Paranoikerin trifft gelassenen Optimisten: Seine Frau Charlotte Roche gehe sehr anders mit der Coronakrise um als er, sagt Martin Keß-Roche. Ihre Beziehung thematisieren sie im Podcast "Paardiologie" - der jetzt auch als Buch erschienen ist.

Eifersucht, Fremdgehen, Nähe, Distanz - in ihrem preisgekrönten Beziehungspodcast "Paardiologie" verhandeln Charlotte Roche und ihr Mann Martin Keß-Roche alle Aspekte des Paarlebens. Nachlesen kann man das jetzt auch in dem Buch "Paardiologie" - versehen mit einordnenden Kommentaren der Paartherapeutin Ursula Nuber. 

"Damit das Ganze nicht nur unseren biografischen Touch bekommt, sondern auch noch mal einen Faktencheck sozusagen", erklärt Martin Keß-Roche. "Wir sind ja keine Experten, wir sind einfach nur ein Paar – ich finde auch, ein Paar wie die meisten anderen."

Nicht mehr ins Buch geschafft hat es ein Thema, mit dem derzeit viele Paare konfrontiert sind: Wie schafft man es, die Veränderungen des Alltags durch die Coronakrise zu bewältigen, ohne dass die Beziehung Schaden nimmt?

Den ganzen Tag CNN - da hilft nur der Kopfhörer 

Im Fall von Roche und Keß-Roche treffen im Umgang mit Corona offenbar zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander, wie Martin Keß-Roche beschreibt: Denn während Charlotte sich als aufgeregte Paranoikerin erweist, die sich durch die Krise endlich in ihrem Pessimismus bestätigt sieht, begegnet ihr Mann der Coronapandemie eher gelassen, nach dem Motto: Wird schon schiefgehen.

"Also meine Frau ist ein Riesen-CNN-Livefernsehen-Fan", sagt Keß-Roche. "In diesen Zeiten läuft das hier rund um die Uhr, weil, das ist für eine Paranoikerin das richtige Medium, um ständig auf Trigger zu sein." Darüber könne man sich jetzt natürlich "total aufregen und Vorträge halten", es gehe aber auch anders: "Ich kann mir auch einfach einen Kopfhörer aufsetzen", dann könne er Deutschlandfunk Kultur hören, "und schon bin ich wieder beruhigt."

Coronavirus-NewsletterVersuchen, Abstand zu nehmen, auch wenn man sich im gleichen Raum befindet - und Kompromisse machen, das empfiehlt Keß-Roche Paaren, um durch die Coronakrise zu kommen. Bei den Roches funktioniert das offenbar gut: "Wir kennen uns ja schon ein paar Jahre und wir halten uns gut aus, auch jetzt", betont Keß-Roche. "Ich finde ja, wir werden auch in der Krise oder in der Quarantäne keine anderen oder keine neuen Menschen, sondern wir werden nur ein bisschen extremer in dem, was wir sowieso sind. Und wenn wir uns unsere Beklopptheiten rechtzeitig bewusst machen, dann kann man ja auch was dagegen tun."

"Das ist jetzt wie ein Escape Room"

Im Zweifelsfall müsse man die Situation als Test betrachten und auch darüber lachen können, wenn mal etwas daneben geht. "Also dass man sagt: Das ist jetzt wie ein Escape Room. Dann müssen wir diese Challenge zusammen bewältigen."

Und wenn auch das nicht funktioniert? "Dann hilft der Gang zur Videokonferenz mit dem Paartherapeuten oder der Paartherapeutin."

(uko)

Martin Keß-Roche / Charlotte Roche: Paardiologie. Das Beziehungs-Buch
Piper-Verlag, München 2020
304 Seiten, 18 Euro
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