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Kompass / Archiv | Beitrag vom 15.07.2005

Orientierung rund ums Studium

Das Internet-Portal studis-online.de

Von Sandra Hofmann

Studenten in Freiburg  (AP)
Studenten in Freiburg (AP)

Bald beginnt wieder ein neues Studienjahr. Orientierungshilfe für die Erstsemester bis hin zur Karriereplanung für alte Hasen - das alles bietet das Internet-Portal <papaya:link href="http://www.studis-online.de" text="studis-online.de" title="Internetportal studis-online.de" target="_blank" />. Zusätzlichen Service bietet ein Bafög-Rechner. Ein Porträt des Machers.

Von Erstsemestertipps bis zur Karriereplanung - an Informationen gibt es hier fast alles, was Studierende zum Überleben brauchen. Der Macher: Überzeugungstäter Oliver Iost. Pilzkopf-Frisur, Jeans und T-Shirt - der 33-Jährige könnte ohne weiteres selbst noch als Student durchgehen. Nach Studentenleben sieht auch die Altbau-WG in Hamburg-Altona aus. Fahrräder im Flur, neben dem Poster von Che Guevara ein Trainspotting-Filmplakat. Sein Studium schloss Iost allerdings bereits vor fünf Jahren ab: In 17 Semestern zum Diplom in Informatik.

" Nach zwei Jahren hatte ich mein Vordiplom, ganz brav und so. Dann bin ich letztlich in die Studierendenvertretungsschiene gekommen, und das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, dass zeitweise mein Studium eben deswegen auch viel länger wurde ... "

Von vier Jahren im Unabhängigen Studierenden Ausschuss UstA an der Uni Karlsruhe bleiben: eine Menge Fachwissen und die Leidenschaft für Hochschulpolitik. Damit bewaffnet ruft Iost 1999 studis-online ins Leben.

" Die Masse der Studierenden interessiert Hochschulpolitik halt kaum. So dass ich immer gesagt hab: Okay, ich muss einfach ein gutes Service-Angebot schaffen. Und darüber hoffe ich die Leute ein bisschen für Hochschulpolitik zu interessieren. Das Erste war dann: Erstsemestertipps! Was ist denn eine O-Phase überhaupt, eine Orientierungsphase, Einführungswoche? Was kann man denn so studieren?"

Was als Hobby neben dem Studium begann, beschäftigt Oliver Iost heute hauptberuflich, finanziert durch Werbekunden.

" Werbung finde ich sogar eigentlich gar nicht so toll. Nur ich bin
auf die Werbung angewiesen. Schade, dass es nicht ohne geht. Aber wo soll das Geld herkommen?"

Im Durchschnitt 200.000 Menschen besuchen die Seite pro Monat im Netz.
75.000 Beiträge haben sich in den Foren angesammelt. Iosts ganzer Stolz jedoch: Der ab 2000 selbst entwickelte Bafög-Rechner. In drei Schritten erfahren Studierende hier, wie viel Bafög ihnen zusteht. Dahinter stecken 3000 Zeilen Code in der Programmiersprache PHP.

" Der war am Anfang noch relativ ungenau, das hat sich im Laufe der Zeit jetzt so weit gebessert, dass ich inzwischen sagen kann, dass er eigentlich für 99 Prozent der Fälle Okay ist."

Bevor Iost beschloss, sich selbst zu hundert Prozent seiner Seite zu widmen, wollten eine Quarterlife-Crisis zum Ende des Studiums überwunden und erste Job-Erfahrungen gesammelt werden.

" Auch viele meiner Bekannten hatten halt Orientierungs- nicht Probleme - ja, doch, irgendwie Probleme. Was mach ich jetzt eigentlich?! Bei mir war es halt auch so: Ich studier und studier,
17 Semester, ich hab zwar kein schlechtes Gewissen aber na ja... Irgendwann hab ich mich eben zusammengerissen letztlich so: Okay, jetzt mach ich fertig und suche mir einen Job in Berlin oder Hamburg. "

So zieht es Oliver Iost 2000 in die Hansestadt - für einen Job bei der New Economy Firma Kabel New Media.

" Die ist dann gleich pleite gegangen nach fünfeinhalb Monaten, die ich da war. Das war eben eine der Firmen, die so "gehypt" wurden. Genau hingeguckt hat da auch keiner, was die jetzt machen und wie das dann funktionieren soll, dass das auch Gewinn bringt. Aber da hatte ich ja dann wieder Glück, dass ich direkt zum Spiegel kam. "

Für die Spiegel-Gruppe arbeitet er an den Webseiten von manager-magazin und spiegel-online. Studis-online läuft nebenher weiter.

Immer wieder mal kommt Iost ins Träumen: (0:09)

" Vielleicht könnte es ja tatsächlich ..."

... irgendwann zum Leben reichen, mit der eigenen Seite. Doch so ganz traut er sich zunächst nicht. Ansporn liefert ein befreundeter Wirtschaftsingenieur mit Liebe zur Musik. (0:09)

" Der hat dann auch seinen Job geschmissen und studiert jetzt noch Akkordeon. Das war für mich auch noch mal so ein Punkt: Okay, das ist ja so gesehen fast noch riskanter. Also sollte ich mir mal nicht in die Hose machen und einfach mal das ausprobieren. Trotzdem hat es ein halbes Jahr gedauert, bis ich wirklich mich durchgerungen hab. "

Iost kündigt seinen Job beim Spiegel. Jetzt ist die Wohnung sein Büro und Oli sein eigener Chef. Hochschul-Datenbank, Uni-Lexikon und mehrere hundert redaktionelle Artikel von A wie Antrag auf Bafög bis W wie Wohnungssuche wollen ständig aktualisiert werden. Also heißt es morgens früh raus und Rechner an.

" Meine Freundin, die steht jetzt immer so um 7 auf. Also steh ich da halt auch mit auf, also bin ich meistens so kurz vor 8 am Rechner und guck dann halt die Statistiken nach. Von wo kamen Aufrufe meiner Seiten? "

Auch gilt es zu überwachen, wer sich in den Foren tummelt.

" Es gibt so ein paar Leute, die immer wieder antworten. Ein paar sind manchmal auch ein bisschen schwierig. Da guck ich doch sicherheitshalber, ob die mal wieder einen komischen Anfall kriegen. Oder wenn es Neue sind ist es ja auch interessant. "

"Der letzte Studentenprofi" titelte die "taz" und schrieb in einem Portrait über Oliver Iost:

" Die beste Hompepage für StudentInnen wird nicht von Verlagen und nationalen Studentenvertretungen betrieben, sondern von einem Einzelkämpfer. Oliver Iost berät Studierende übers Bafög, klärt sie politisch über Studiengebühren auf - und tritt ihnen in den Arsch. "

" Meine Mutter hat sich darüber tierisch aufgeregt. Warum musstest Du so was sagen?! (kichert) Gemeint war: Manchmal gibt es halt wirklich Leute, die stellen Fragen, wo ich denk: Ähh... Das steht doch eigentlich alles auf der Seite! Kann man so gar nicht mal einen Link anklicken? Andererseits: Medienkompetenz kommt ja auch nicht aus dem Nichts. Sondern irgendwer muss das halt einem auch mal erklärt haben: Guck mal, da ist ein Link oder soundso."

Na also. Eigentlich ist der Oli doch ein ganz Lieber. Der will gar nicht treten sondern helfen.

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Externe Links:

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