Orgelmatinee am Ostermontag

Gunther Rost © Konzerthaus Berlin / Christoph Sorenti
01.04.2013
Gunther Rost gehört zur jungen Generation von Organisten, die zeigen, wie vielseitig sie ihr Instrument einsetzen können. Passend zur Osterzeit präsentiert der 39-Jährige vor allem Tänze, von denen er einige selber für die Orgel arrangierte. Im übertragenen Sinn stehen sie für das altkirchliche Osterlachen, das die Freude über die Auferstehung Jesu ausdrückt.
Die mittelalterliche Osterliturgie ist voll von zeichenhaften Handlungen. Der Sieg des Lebens über den Tod, von dem viele der gesungenen liturgischen Texte künden, fand seinen Ausdruck in ausgedehnten Osterspielen, aber auch im Osterlachen, in dem der Tod ob seiner Machtlosigkeit verspottet wird. In Abgrenzung zu heidnischen Kulten war der Tanz allerdings schon in frühchristlicher Zeit aus der Liturgie verbannt worden, aber: "Zeiten, in denen man tanzt, sind Zeiten des Glücks", stellte sogar das "Lexikon für Theologie und Kirche" (Ausgabe 1964) fest.

Und Ostern findet ja nicht nur in der Kirche statt: In Goethes bekanntem "Osterspaziergang" werden die dankbaren Gefühle der Menschen nach dem kalten Winter beschrieben, und mit Liszts "Tanz in der Dorfschenke" wird ein mögliches Ziel des Osterspaziergangs angepeilt.

Sowohl Johann Sebastian Bach als auch Franz Liszt waren nicht gerade zimperlich, wenn es galt, doch geschickte Arrangements bereits vorhandene Musik einer neuen Nutzung zuzuführen. So wandelte Bach weltliche Huldigungsmusiken, deren Text auf ein ganz bestimmtes Ereignis zugeschnitten war, durch Neutextierung zu Kirchenkantaten, für die eine regelmäßige Wiederaufführung möglich war. Von Bach existieren aber auch zahlreiche Orgel- und Cembalofassungen moderner Orchesterkonzerte von Vivaldi und Marcello bzw. ihrer deutschen Nachahmer. Günter Rosts Bearbeitung der 1736 im II. Teil der "Klavierübung" publizierten Französischen Ouvertüre h-Moll BWV 831 befindet sich somit in bester Gesellschaft.

Franz Liszts Tätigkeit als Arrangeur stellt die von Bach noch in den Schatten: Unübersehbar sind die Klavierbearbeitungen von Orchester- und Kammermusik oder Liedern. (...) Der Mephisto-Walzer Nr. 1 ist die Transkription eines Orchesterstückes "Der Tanz in der Dorfschenke" nach Nikolaus Lenaus "Faust"-Epos. Die widersprüchliche Fülle der Emotionen verschmilzt in Liszts Musik zu dämonischer Größe. Über dem wirbelnden Tanz steht der Spielmann Mephisto, dessen Geigenspiel schließlich alle in einen rasenden Taumel versetzt.

Neben den eigenen Bearbeitungen Bachscher und Lisztscher Werke spielt Gunther Rost an der Jehmlich-Orgel des Konzerthauses Berlin auch originale Orgelstücke von Petr Eben und Jehan Alain.
Konzerthaus



Konzerthaus Berlin, Großer Saal
Aufzeichnung vom Vormittag


Johann Sebastian Bach
Französische Ouvertüre c-Moll BWV 831
für Orgel übertragen von Gunter Rost

Petr Eben
"Tanz der Schulamith"
aus: "Vier biblische Tänze"

Jehan Alain
Trois Danses

Petr Eben
"Osterchöre" aus: "Faust"
Neun Sätze für Orgel
Franz Liszt
Mephisto-Walzer Nr. 1 "Tanz in der Dorfschenke"
für Orgel übertragen von Gunter Rost


Gunther Rost an der Jehmlich-Orgel des Konzerthauses Berlin

nach Konzertende ca. 21:57 Uhr Nachrichten