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Die Reportage / Archiv | Beitrag vom 20.05.2018

Organtransplantationen Das bange Warten

Von Michael Hollenbach

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Ein Mann in grüner OP-Kleidung trägt einen Styropor-Behälter für den Transport von Spenderorganen an einem Operationssaal vorbei. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Eiliger Transport zum OP-Saal eines Organs: Kriterien wie Dringlichkeit, Blutgruppe, Gewebe und Wartezeit. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Sie warten auf ein neues Herz, eine neue Leber, Lunge oder Niere. Dabei müssen sie ständig mit der Angst leben, das Sterben könnte schneller kommen als das Organ. Alltag in einem Transplantationszentrum.

Nadja und Alex haben seit wenigen Tagen ein neues Herz. Und Alex braucht bereits sein zweites. Als das Spenderorgan endlich da ist, lehnt der behandelnde Arzt ab, weil sich der 33-jährige einen Darmkeim eingefangen hat, der das neue Organ angreifen könnte.

Operation erfolgreich, Patient morphiumsüchtig

Steve hat mit 16 Jahren seine dritte Leber. Die erste hat ihm seine Oma gespendet, das Organ hält sieben Jahre. Die zweite stößt sein Körper ab, innerhalb von 48 Stunden muss er eine dritte eingepflanzt bekommen. Danach liegt er drei Monate im künstlichen Koma. Als er aufwacht, ist er morphiumsüchtig.

Nadja, Alex und Steve: sie alle sind Patienten in der Medizinischen Hochschule Hannover. An der MHH werden jährlich rund 440 Organe verpflanzt, aber nur sehr wenige werden auch hier entnommen. Seit dem Transplantationsskandal vor sechs Jahren gibt es noch immer eine Verunsicherung bei vielen potentiellen Spendern. Ob und wann in Hannover der vielleicht lebensrettende Eingriff vorgenommen wird, ist abhängig von Kriterien wie der Dringlichkeit, der Blutgruppe, dem Gewebe, der individuellen Wartezeit.

Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Betreut werden die Patienten in Hannover nicht nur von Medizinern und Pflegekräften, sondern auch von Klinikseelsorgern. Natürlich kennen die viele traurige Geschichten. Aber eben auch die Schicksale jener Patienten, die es geschafft haben: Mukoviszidose-Patienten beispielsweise, die dachten, sie würden ersticken, und plötzlich mit einer neuen Lunge frei atmen konnten.

Die OP als letzte Chance

Der 18 Jahre alte Lukas hat die erfolgreiche Transplantation einer neuen Lunge gerade hinter sich. Die OP war für ihn die letzte Chance. Angst hatte er trotzdem. Die Ärzte hatten dem Mukoviszidose-Patienten schon vor einem Jahr gesagt, dass es sehr schlecht um seine Lunge bestellt sei. Die einzige Chance: eine Transplantation. Obwohl er dringend auf ein Spenderorgan angewiesen und auch als "hochdringlich" gelistet war, musste Lukas noch dreieinhalb Monate warten.  

Körper schneller als Psyche 

Als mitten in der Nacht der Anruf kam, realisierte er zuerst gar nicht, was das für ihn bedeutet, empfand die Situation als "surreal". Wenig später lief Lukas zum ersten Mal ohne Sauerstoffgerät über den Krankenhausflur. "Meine Psyche hat einfach Zeit gebraucht, bis sie das kapiert hatte. Mein Körper war da viel schneller."

Eine Lungentransplantation wird  in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von Ärzten vollführt.  (picture alliance / dpa / Junge  /MHH)Eine Lungentransplantation wird in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von Ärzten vollführt. (picture alliance / dpa / Junge /MHH)

Auch bei Alex klingelt schon bald nachdem der Arzt seine Herztransplantation abgesagt hatte, noch einmal das Telefon. Er hat Glück, bekommt ein Sportlerherz transplantiert. Da viele seiner Organe aber bereist angegriffen sind und eine höhere Durchblutung brauchen, steht jetzt schon wieder eine OP an: Alex bekommt einen Herzschrittmacher.

Die Reportage berichtet über das Schicksal wartender und geretteter Patienten und die ethischen Fragen, mit denen Ärzte und Patienten jeden Tag aufs Neue in der Medizinischen Hochschule Hannover konfrontiert werden.

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