Seit 02:05 Uhr Tonart

Sonntag, 17.11.2019
 
Seit 02:05 Uhr Tonart

Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.12.2014

OperRömischer Katzenjammer

Live aus der MET in New York

A view of the grand staircase in the Metropolitan Opera at Lincoln Center in New York, New York, USA, on 12 May 2009. Lincoln Center, which was the first major cultural complex in the United States and has become the world?s largest performance center, is celebrating its 50th anniversary this year.  (picture-alliance/ dpa / epa Justin Lane)
Die Metropolitan Opera im Lincoln Center in New York City (picture-alliance/ dpa / epa Justin Lane)

Ihre Uraufführung geriet zum Fiasko - doch kurz danach war diese Oper schon ein Welterfolg. Rossinis "Der Barbier von Sevilla" eröffnet an diesem Abend den weltweiten MET-Zyklus im Radio.

Gelächter und schrille Pfiffe beim Erscheinen des Maestros. Auf der Bühne floss Blut. Auf dem Höhepunkt des Fiaskos erschien eine Katze und lief zwischen den Sängern herum. Doch nach der Blamage in Rom trat diese Oper von Gioachino Rossini schnell ihren Siegeszug in der internationalen Opernwelt an. 

"Ich schlief friedlich", notierte der Komponist nach der missglückten Premiere seines "Barbier von Sevilla", "als ich plötzlich durch einen ohrenbetäubenden Lärm auf der Straße geweckt wurde .... Noch ganz verschlafen, und an die Vorgänge des letzten Abends denkend, glaubte ich, dass sie das Haus anzünden wollten, und ich nahm im Stall hinter dem Hof Zuflucht".

Der Schock des Premierenabends saß bei Gioachino Rossini auch am folgenden Tag offensichtlich noch tief. Für seine neue Oper hatte er sich eines Komödienstoffes bedient, den vor ihm schon der hochverehrte Kollege Giovanni Paisiello vertont hatte. Selbst Napoleon schwärmte von dieser Musik. Rossini wollte sich also nicht mit der Paisiello-Gemeinde anlegen. Devot leistete er beim Komponisten vorsorglich Abbitte, um nicht der kühnen Rivalität verdächtigt zu werden.

Doch genutzt hat ihm das nichts: Als er zur Uraufführung am 20. Februar 1816 im nussbraunen Gehrock mit Goldknöpfen spanischer Art erschien, erntete er nur Gelächter und Gejohle. Als der ebenso ungewöhnlich gekleidete Sänger Vitarelli in der Rolle des Don Basilio auf die Bühne kam, stolperte er, zerkratze sich dabei sein Gesicht und brach sich fast die Nase. Das Publikum sah mit Freuden Blut fließen. Einige verlangten eine Wiederholung, während andere sich verärgert über derartige Geschmacklosigkeiten abwendeten. Im Tumult des Geschehens spazierte plötzlich eine Katze über die Bühne. Die Zuhörer brachte das vollends aus dem Häuschen: sie miauten und schrien.

Der Komponist verließ scheinbar unbeeindruckt den Saal und suchte sein Hotel auf. Schon am nächsten Abend standen die Menschen vor seinem Fenster und riefen: "Bravo, bravissimo, Figaro."
Zunächst konnte Rossini den Lärm nicht deuten. War es Zustimmung oder Ablehnung. "Wenn Sie nicht kommen", bat ihn der Hotelwirt, "werden Sie das Haus anzünden. Sie zerbrechen schon die Fenster" "Das ist ihre Sache", erwiderte Rossini, "ich bleibe, wo ich bin".

"Der Barbier von Sevilla" wurde über Nacht ein Erfolgsstück. Nach der Uraufführung in Rom wollte man die absurde komische Oper bald auch in London, New York, Wien, Paris, Berlin und in Buenos Aires sehen.

Die Metropolitan Opera New York eröffnet die von der Europäischen Rundfunkunion EBU organisierte Saison der weltweiten Radioübertragungen mit diesem Meisterwerk von Gioachino Rossini.

 

Live aus der Metropolitan Opera New York

Gioachino Rossini
"Il barbiere de Siviglia" - komische Oper in zwei Aufzügen
Libretto: Cesare Sterbini, nach der Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais

Rosina – Isabel Leonard
Doktor Bartolo – Maurizio Muraro
Graf Almaviva – Lawrence Brownlee
Figaro – Christopher Maltman
Don Basilio – Paata Burchuladze
Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Michele Mariotti

ca. 20.40 Uhr Konzertpause nach dem 1. Akt, darin:

"Katzenjammer in Rom - Rossinis größtes Fiasko", ein Beitrag von Uwe Friedrich

 

 

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur