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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.11.2015

OperIn den Untiefen des Flusses

Wagners "Rheingold" von den Bayreuther Festspielen

Der Dirigent Kirill Petrenko (Wilfried Hösl/Berliner Philharmoniker)
Der Dirigent Kirill Petrenko (Wilfried Hösl/Berliner Philharmoniker)

Aufreger und Hingucker auch im dritten Jahr war der aktuelle Ring in Bayreuth mit Kirill Petrenko am Pult und in der Inszenierung von Frank Castorf . Wir beginnen an diesem Abend den Zyklus mit dem "Rheingold" in einer Aufnahme aus dem vergangenen Sommer.

Die Bayreuther Festspiele sind ein Ereignis, das in der Sommerferienzeit stattfindet, wenn Politiker und andere Kulturinteressierte Zeit und Muße für lange Musiktheaterabende haben. Wir bieten an dieser Stelle die Gelegenheit, das sommerliche Feeling vom Grünen Hügel bei uns im Programm in kondensierter Form nachzuerleben. Wir werden die Aufnahme des kompletten Bayreuther Rings an diesem und den folgenden Samstagen ausstrahlen. Nicht zuletzt weil dieses Mammutwerk in jede Jahreszeit passt.

Nicht nur Frank Castorf, der die Handlung aus Richard Wagners Nibelungenreich nach Kalifornien und an den Berliner Alexanderplatz verlegt, ist der Meinung: Fricka, Freia, Wotan, Loge, Fasolt und ihre Freunde sind Menschen wie Du und ich von heute - verletzend und verletzlich, hemdsärmlig und erfolgsorientiert, rechthaberisch, die Umwelt ausblendend, egoistisch und egozentrisch, forsch und angstvoll. Diese Figuren werden in mythischer und irdischer Verzahnung zu- und gegeneinander gestellt. Richard Wagner verzichtet außerdem nicht darauf, das ganze noch philosophisch aufzuladen.

Selbst wer Richard Wagners Ring oft hört, kann dem Werk jedes Mal neue Seiten abhorchen, wird neue Einblicke gewinnen, wird durch die Auseinandersetzung mit dem Stoff und der Musik bereichert. Drei Jahre in Folge hat Kirill Petrenko, Münchner Staatsopernmusikdirektor und zukünftiger Chef der Berliner Philharmoniker, den Ring in Bayreuth dirigiert. Er war immer der Liebling des Publikums - zusammen mit seinem Orchester und den Solistinnen und Solisten, während Frank Castorf und sein Regieteam den Unwillen vieler Wagner-Liebhaber ertragen mussten. 

Im nächsten Jahr wird Marek Janowski dieselbe Inszenierung als Dirigent übernehmen. Er gilt ebenso wie Petrenko als Wagner-Experte. Das hat er nicht zuletzt hier im Programm mit seinem konzertanten Zyklus mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bewiesen. Mit Frank Castorf hat er sich schon über dessen Grundideen ausgetauscht. Letztlich spielt es für das Klangerlebnis ja keine Rolle, ob man das Rheingold nun für das eigentliche Edelmetall oder - wie Frank Castorf - für das Schwarze Gold unserer Tage hält, das der Welt stetige Bewegung ermöglicht.

 

Bayreuther Festspiele

Festspielhaus

Aufzeichnung vom 27. Juli 2015

 

Richard Wagner

"Das Rheingold"

Vorabend des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen",

Musikdrama in vier Szenen

 

Wotan - Wolfgang Koch, Bariton

Donner - Daniel Schmutzhard, Bassbariton

Froh - Lothar Odinius, Tenor

Loge - John Daszak, Tenor

Fricka - Claudia Mahnke, Mezzosopran

Freia - Allison Oakes, Sopran

Erda - Nadine Weissmann, Mezzosopran

Alberich - Albert Dohmen, Bassbariton

Mime - Andreas Conrad, Tenor

Fasolt - Wilhelm Schwinghammer, Bass

Fafner - Andreas Hörl, Bass

Woglinde - Mirella Hagen, Sopran

Wellgunde - Julia Rutigliano, Mezzosopran

Floßhilde - Anna Lapkovskaja, Mezzosopran

Orchester der Bayreuther Festspiele

Leitung: Kirill Petrenko

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