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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 24.04.2016

Olympische Spiele in BrasilienDie Schattenseiten der Medaille

Von Günter Herkel

Luftbild Olympiapark in Rio de Janeiro (Gabriel Heusi/Brasil2016.gov.br)
Der Olympiapark in Rio de Janeiro, hier sollen die Spiele im Sommer stattfinden. (Gabriel Heusi/Brasil2016.gov.br)

Die Bilanz der Fußball-WM 2014 fiel für Brasilien ernüchternd aus: 8,5 Milliarden Euro kostete sie, positive Wachstumsimpulse blieben aus. Einige der neu errichten Stadien rotten vor sich hin. Drohen nach den Olympischen Spielen ähnliche Probleme?

"Ich glaube, man achtet jetzt mehr darauf, dass bei den Arbeiten und bei den Ausgaben zu Olympia auch die allgemeine Bevölkerung etwas davon hat und dass nicht so viele weiße Elefanten am Schluss auf dem Felde übrig bleiben."

Meint Dawid Danilo Bartelt, Leiter des Brasilienbüros der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio. Weiße Elefanten - das sind Sportstätten, die nach dem Mega-Event brach liegen. Von Nutzen für die allgemeine Bevölkerung sind dafür etwa die vier neuen Schnellzugtrassen, die die Sportzentren untereinander, aber auch mit zentrumsnäheren Stadtteilen verbinden. Allerdings geht das auf Kosten des überfälligen, wesentlich sinnvolleren U-Bahn-Ausbaus. Andere Projekte gelten schon jetzt als gescheitert: etwa das Versprechen eines flächendeckenden Abwassersystems, die Reinigung der Gewässer Rios. Die Bucht von Guanabara, in der die olympischen Segelwettbewerbe stattfinden sollen, ist nach wie vor verseucht. Darüber hinaus sind die sozialen Kosten der Spiele hoch.

"Wo die Regierung wenig dazu gelernt hat, ist bei dem Thema Rechtsverletzung, also Zwangsräumungen. Die meisten sind vor der WM passiert, einfach weil die Bauarbeiten dort in der entscheidenden Phase sind. Aber auch jetzt, vor Olympia, sind noch Menschen zwangsgeräumt worden, unter Verletzung ihrer Rechte. (…) Der Bürgermeister hatte zwischendurch versprochen: Die, die bleiben wollen, können bleiben. Wenige Wochen später waren die Abrissbagger wieder da."

Unterversorgtes Gesundheitswesen

So geschehen in der Villa Autodromo, einer Siedlung am Rande des Olympia-Geländes, wo sich inzwischen das Olympische Dorf befindet. Betroffen sind auch die Bewohner der alten Hafenanlage, wo jetzt luxuriöse Stadtwohnungen für die oberen Zehntausend entstehen. An die 200.000 Menschen, so schätzen die Volkskomitees für WM und Olympische Spiele, wurden Opfer von Zwangsräumungen. Viele Einwohner Rios müssen auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz jetzt Fahrzeiten von zwei Stunden und mehr in Kauf nehmen. Zwei Stunden hin, zwei zurück. Kein Wunder, dass angesichts solcher Belastungen das Interesse großer Teile der Bevölkerung an den Spielen vergleichsweise verhalten ist. Sie hat andere Probleme.

"Probleme, die die Menschen schon vor der WM auf die Straße gebracht haben. Es ist ein öffentliches Gesundheitswesen, was allgemein und kostenlos ist, aber völlig unterversorgt. (…) Es ist ein öffentliches Grundschulwesen vor allem, was sehr, sehr schlechte Qualität hat. Das heißt, wer darauf angewiesen ist, seine Kinder nicht zur Privatschule schicken kann, dessen Kinder sind von vornherein erheblich benachteiligt."

Bevölkerung besser einbinden

Sylvia Schenk, Leiterin der AG Sport bei Transparency International, sieht die internationale Sportpolitik an einem Scheideweg. Aus der Kritik an Gigantismus und mangelnder Nachhaltigkeit von sportlichen Großereignissen müssten endlich Konsequenzen gezogen werden.

"Wichtig wäre natürlich, dass künftig schon vom IOC selber oder auch bei Fußball-Weltmeisterschaften dann von der FIFA in der Vergabediskussion verlangt wird, dass vor Ort die Bevölkerung ganz anders eingebunden wird, dass zivilgesellschaftliche Organisationen (…) systematisch ihre Position einbringen können. Das haben wir bisher noch nicht auf breiter Front, und das wäre gut, wenn das eben in Zukunft auch berücksichtigt wird."

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