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Montag, 13.07.2020
 
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Interview | Beitrag vom 13.05.2020

Offene Grenzen angekündigtHoffnungsschimmer für Tourismusbranche und Urlauber

Jürgen Schmude im Gespräch mit André Hatting

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Ein Schild mit der Aufschrift "Abstand halten" an einem idyllischen See. (picture alliance / Martin Ley)
Urlaub mit Abstand: Damit das gelingt, müssen Hotels, Herbergen und Restaurants sich einiges einfallen lassen. (picture alliance / Martin Ley)

Bis Mitte Juni sollen alle deutschen Grenzen wieder offen sein, auch die EU gibt grünes Licht für Urlaub innerhalb Europas - unter strengen Hygienestandards. Nun sei "unternehmerische Kreativität" gefragt, sagt der Tourismusforscher Jürgen Schmude.

Bis vor Kurzem sah es noch so aus, als würde der Sommerurlaub 2020 ausfallen – zumindest bei Reisen ins Ausland. Nun aber hat Bundesinnenminister Horst Seehofer erste Lockerungen bei den im Zuge der Coronapandemie eingeführten Grenzkontrollen angekündigt.

Bereits ab Samstag (16. Mai) sollen weniger kontrolliert werden. Am 15. Juni könnten dann alle Grenzübergänge wieder öffnen. Auch aus Sicht der EU-Kommission spricht nichts dagegen, das Reisen innerhalb der Staatengemeinschaft bald wieder möglich zu machen – unter umfassenden Auflagen.

Nach einer Sitzung in Brüssel sprach sich die Kommission dafür aus, dass zunächst das Reisen zwischen jenen EU-Staaten ermöglicht werden soll, in denen die Infektionszahlen rückläufig sind. Einreisen aus Nicht-EU-Ländern will die Kommission hingegen noch länger aussetzen.

Der Großteil der Bevölkerung wartet ab

Für die durch die Coronakrise stark gebeutelte Tourismusbranche bedeutet dies ein Hoffnungsschimmer. Die EU-Pläne würden der Branche helfen, weil Tourismus dann "zumindest in Teilen wieder möglich ist", sagt der Tourismusforscher Jürgen Schmude.

Gerade die Deutschen reisten sehr viel in der Welt herum, betont er: So gingen zwei Drittel der Haupturlaubsreisen ins Ausland. Die heimische Tourismusindustrie sei gar nicht in der Lage, diese zu kompensieren.

Da bei vielen Ländern noch nicht klar ist, wann Einreisen möglich sind, habe sich ein Großteil der Bevölkerung noch nicht für eine Urlaubsreise entschieden, so Schmude.  "Rund 45 Prozent der Bevölkerung wollen erst mal abwarten. Das halte ich auch für vernünftig." Gleichzeitig hätten sich etwa 30 Prozent der Deutschen entschieden, dieses Jahr wegen Corona gar nicht reisen zu wollen.

Individuelle Umsetzung der Hygienestandards

Bei der Umsetzung von Hygienestandards und Abstandsregeln sei nun "unternehmerische Kreativität" gefragt, so Schmude. Beispielsweise könne der trockengelegte Pool als zusätzliche Fläche genutzt werden, um ausreichend Essenstische aufzustellen.

Damit sich das Geschäft auch für kleinere Betriebe wieder lohne, sei es wichtig, dass den Hotels und Herbergen keine festen Kapazitätsbeschränkungen vorgegeben würden. Stattdessen sollte jedes Unternehmen individuell die Umsetzung der Hygienevorschriften organisieren dürfen. Das sei auf jeden Fall besser, als den Lockdown weiter aufrecht zu erhalten, sagt der Tourismusforscher.

Zumindest einen Teil der Umsätze retten

In Bezug auf das Tourismusjahr 2020 gibt sich Schmude vorsichtig optimistisch: "Die Umsätze, die jetzt verloren gegangen sind, die sind nicht mehr einzuholen. Und das wird auch zu vielen Problemen bei einzelnen Unternehmen führen." Nun gehe es aber darum, das Sommergeschäft zumindest in Teilen zu retten.

(lkn)

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