Österreichischer Aktionskünstler Günter Brus ist tot

    Günter Brus sitzt am Rand einer Bühne, auf der sich Männer scheinbar einen Kampf liefern. Brus fasst sich mit den Fingern an den Kopf.
    Günter Brus bei einem Happening im Wiener Porrhaus 1967. © picture alliance / brandstaetter images / Votava
    12.02.2024
    Der österreichische Aktionskünstler Günter Brus ist tot. Das bestätigte der Leiter der Brus-Ausstellung in Graz, Roman Grabner, unter Berufung auf die Familie des Künstlers. Demnach starb Brus gestern im Alter von 85 Jahren.
    Brus war Mitbegründer des sogenannten Wiener Aktionismus, einer Art Körperkunst, die in den 1960er-Jahren das Publikum schockierte. Die Aktionen, die oft in Tabuzonen vorstießen, thematisierten das Aufbegehren des Individuums gegen Staat und Gesellschaft. In einer seiner markantesten Aktionen war der Künstler vollständig in weiß gekleidet und mit einer schwarzen Linie bemalt durch Wien gelaufen, ehe er von der Polizei festgenommen wurde. 
    Bekannt wurde Brus 1968 durch die Aktion "Kunst und Revolution" in der Universität Wien. Sie ging als "Uni-Ferkelei" in die Geschichte ein. Um die Nachkriegs-Gesellschaft aufzurütteln, schnitt sich Brus mit einer Rasierklinge, beschmierte sich mit eigenem Kot, onanierte und sang dabei die österreichische Nationalhymne. Für die Uni-Ferkelei wurde er wegen "Herabwürdigung österreichischer Symbole und Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit" zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die anschließende Flucht vor dem Gefängnis nach Berlin bezeichnete Brus als "das Positivste für mich persönlich, Berlin war für mich ein Befreiungsschlag".
    Nachdem seine Haftstrafe vom damaligen Bundespräsidenten in eine Geldstrafe umgewandelt wurde, kehrte Brus 1979 nach Österreich zurück. Später malte er und schuf dabei magische und manische Bildwelten. Unter vielen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst. Seit Herbst 2011 ist ihm in Graz mit dem "Bruseum" ein eigenes Museum gewidmet.