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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.05.2019

Österreich nach den Strache-Enthüllungen"Eine Sternstunde der Medien"

Florian Klenk im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Heinz Christian Strache von der FPÖ reibt sich die Augen vor einem Plakat "Danke, Österreich" (picture alliance / dpa / Christian Bruna)
Vize-Kanzler Strache musste wegen des "Ibiza-Videos" zurücktreten (picture alliance / dpa / Christian Bruna)

Florian Klenk ist Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung "Falter" und der einzige österreichische Journalist, der das sogenannte "Ibiza-Video" sehen konnte, das zum Rücktritt von Vize-Kanzler Strache führte.

Der "Falter" sei von der "Süddeutschen Zeitung" und vom "Spiegel" eingeladen worden, das Video anzuschauen, in dem Heinz-Christian Strache einer angeblichen russischen Oligarchin anbietet, als Gegenleistung für verdeckte Wahlkampfgelder öffentliche Aufträge zu verschieben, erzählt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk.

Die Regierung fällt übereinander her

Die Affäre sei lange noch nicht vorbei, so Klenk. Die vermeintliche Oligarchin sei noch Wochen später kontaktiert worden, es wurden geheime Codes zur Kommunikation verwendet. "Wir erwarten eigentlich hier, dass endlich die Staatsanwaltschaft auf den Plan tritt", sagt der Chefredakteur.

Die FPÖ versuche, sich jetzt in die Opferrolle zu begeben, erläutert Klenk, und wolle gleichzeitig Kanzler Kurz angreifen. "Wir erleben einen voll ausgebrochenen Wahlkampf. Diese Regierung fällt übereinander her", sagt der 45-Jährige.

Die Affäre habe aber auch positive Seiten, meint Klenk: "Es war sicher eine Sternstunde der Medien. Die Leute sehnen sich nach dieser kontrollierenden Kraft des Journalismus, die Fakten checkt."

Ist es doch ein Fake?

Insgesamt dauert das "Ibiza-Video" mehrere Stunden, d.h es gibt noch erheblich mehr Material als die bisher kursierenden Ausschnitte.

"Es ist ein langer Abend, in dem Strache auf den Tisch klopft und sagt, was er für ein toller Politiker ist. Es geht sehr lang um die 'Kronen Zeitung', darum, dass er ein Medien-System haben will wie der Orban", berichtet Florian Klenk.

Ganz am Schluss glaubt Strache auch, dass es möglicherweise ein Fake sein könnte:

"Er entdeckt die Füße der Oligarchin und sagt: die hat irgendwie komische, dreckige schwarze Füße, und das passt irgendwie nicht zu einer Oligarchin und vielleicht ist das doch eine Falle. Also, er wittert da schon etwas. Es geht dann relativ schnell in die Disco, sie beenden dann den Abend. Ich hab das Gefühl, dass er da schon irgendwie was gemerkt hat, aber Herr Gudenus, sein Clubchef, sein Vertrauter hat ihm immer versichert, dass das keine Falle ist."

Wer das Video gedreht hat, darüber gebe es derzeit nur Spekulationen, so Klenk.

"Das ist für mich völlig irrelevant. Für mich geht es darum, was der österreichische Vizekanzler gesagt hat, was er angeboten hat. Wer die Falle aufgestellt hat, ist in der politischen Diskussion eher ein Randaspekt."

(beb)

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