Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Sonntag, 16.06.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Fazit | Beitrag vom 19.05.2019

Österreich nach den Strache-Enthüllungen"Eine Sternstunde der Medien"

Florian Klenk im Gespräch mit Vladimir Balzer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Heinz Christian Strache von der FPÖ reibt sich die Augen vor einem Plakat "Danke, Österreich" (picture alliance / dpa / Christian Bruna)
Vize-Kanzler Strache musste wegen des "Ibiza-Videos" zurücktreten (picture alliance / dpa / Christian Bruna)

Florian Klenk ist Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung "Falter" und der einzige österreichische Journalist, der das sogenannte "Ibiza-Video" sehen konnte, das zum Rücktritt von Vize-Kanzler Strache führte.

Der "Falter" sei von der "Süddeutschen Zeitung" und vom "Spiegel" eingeladen worden, das Video anzuschauen, in dem Heinz-Christian Strache einer angeblichen russischen Oligarchin anbietet, als Gegenleistung für verdeckte Wahlkampfgelder öffentliche Aufträge zu verschieben, erzählt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk.

Die Regierung fällt übereinander her

Die Affäre sei lange noch nicht vorbei, so Klenk. Die vermeintliche Oligarchin sei noch Wochen später kontaktiert worden, es wurden geheime Codes zur Kommunikation verwendet. "Wir erwarten eigentlich hier, dass endlich die Staatsanwaltschaft auf den Plan tritt", sagt der Chefredakteur.

Die FPÖ versuche, sich jetzt in die Opferrolle zu begeben, erläutert Klenk, und wolle gleichzeitig Kanzler Kurz angreifen. "Wir erleben einen voll ausgebrochenen Wahlkampf. Diese Regierung fällt übereinander her", sagt der 45-Jährige.

Die Affäre habe aber auch positive Seiten, meint Klenk: "Es war sicher eine Sternstunde der Medien. Die Leute sehnen sich nach dieser kontrollierenden Kraft des Journalismus, die Fakten checkt."

Ist es doch ein Fake?

Insgesamt dauert das "Ibiza-Video" mehrere Stunden, d.h es gibt noch erheblich mehr Material als die bisher kursierenden Ausschnitte.

"Es ist ein langer Abend, in dem Strache auf den Tisch klopft und sagt, was er für ein toller Politiker ist. Es geht sehr lang um die 'Kronen Zeitung', darum, dass er ein Medien-System haben will wie der Orban", berichtet Florian Klenk.

Ganz am Schluss glaubt Strache auch, dass es möglicherweise ein Fake sein könnte:

"Er entdeckt die Füße der Oligarchin und sagt: die hat irgendwie komische, dreckige schwarze Füße, und das passt irgendwie nicht zu einer Oligarchin und vielleicht ist das doch eine Falle. Also, er wittert da schon etwas. Es geht dann relativ schnell in die Disco, sie beenden dann den Abend. Ich hab das Gefühl, dass er da schon irgendwie was gemerkt hat, aber Herr Gudenus, sein Clubchef, sein Vertrauter hat ihm immer versichert, dass das keine Falle ist."

Wer das Video gedreht hat, darüber gebe es derzeit nur Spekulationen, so Klenk.

"Das ist für mich völlig irrelevant. Für mich geht es darum, was der österreichische Vizekanzler gesagt hat, was er angeboten hat. Wer die Falle aufgestellt hat, ist in der politischen Diskussion eher ein Randaspekt."

(beb)

Mehr zum Thema

Aus den Feuilletons - Mischung aus Dummheit und Größenwahn
(Deutschlandfunk Kultur, Kulturpresseschau, 18.05.2019)

Nach dem Rücktritt von HC Strache - Saubermann unter Korruptionsverdacht
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 18.05.2019)

Straches Rücktritt - "Kurz müsste die Koalition für beendet erklären"
(Deutschlandfunk, Interview, 18.05.2019)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsIm Maschinenraum des Denkens
Der Philosoph Jürgen Habermas steht an einem Rednerpult  und spricht ins Publikum. (Janine Schmitz / photothek / imago-images)

Die "Zeit" widmet dem Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas anlässlich seines 90. Geburtstags fast das komplette Feuilleton und sieht in ihm ein "ästhetisches Phänomen". In Gestalt der Philosophin Ágnes Heller gibt es aber auch kritische Worte.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur