Seit 08:00 Uhr Nachrichten
Donnerstag, 15.04.2021
 
Seit 08:00 Uhr Nachrichten

Interview / Archiv | Beitrag vom 05.09.2018

Ökonom Michelsen über die verschärfte Mietpreisbremse"Sie kann nicht das eigentliche Problem lösen, dass Wohnungen fehlen"

Claus Michelsen im Gespräch mit Nicole Dittmer

Podcast abonnieren
Ein saniertes Gründerzeitviertel in Leipzig (dpa / picture-alliance / Jan Woitas)
Welche Auswirkungen hat das Mieterschutzgesetz? (dpa / picture-alliance / Jan Woitas)

Die Bundesregierung hat das Mieterschutzgesetz beschlossen und die Mietpreisbremse verschärft. Die bisherige Regelung habe zu wenig Einfluss auf die Mietentwicklung gehabt, sagt Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Nach dem Mieterschutzgesetz dürfen Vermieter in Regionen mit Wohnungsmangel nur noch acht statt wie bisher elf Prozent der Modernisierungskosten auf Mieter umlegen. Außerdem ist eine Kappungsgrenze von drei Euro Mieterhöhung pro Quadratmeter geplant. Bei Neuvermietungen muss der Besitzer unaufgefordert unter anderem mitteilen, wie hoch die Vormiete war.

"Die Mietpreisbremse und auch das jetzt darauf folgende Mieterschtuzgesetz haben ja das Ziel, kurzfristig für Entlastung zu sorgen", sagt Ökonom Michelsen. Das könne man durchaus begründen, denn der Wohnungsmarkt reagiere sehr träge auf Nachfragesteigerungen und müsse erst in Gang kommen, wenn es darum gehe, neue Wohnungen zu errichten. "In der Zwischenzeit kommt es dann zu sozialen Problemen, wenn nämlich die Mieten zu sehr steigen."

Mietpreisbremse könne höchstens Preisspitzen begradigen

Allerdings zeigten Studien, dass die Mietpreisbremse in den vergangenen Jahren wenig Einfluss auf die Mietentwicklung hatte. "Hier setzt dann der Beschluss an, der heute im Kabinett verabschiedet wurde."

Michelsen sieht vor allem in fehlendem Wohnraum das eigentliche Problem. "Man kann nicht von heute auf morgen einfach 500.000 Wohnungen in die Gegend stellen." Die Mietpreisbremse könne höchstens die Preisspitzen, also die Exzesse, auf dem Immobilienmarkt begradigen. "Sie kann nicht das eigentliche Problem lösen, dass die Wohnungen tatsächlich fehlen."

(mhn)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Soziologe über CoronaprotesteFeindbild Staat
Ein Polizist bewacht eine Gruppe Demonstranten der Querdenker. (picture alliance /dpa / Andreas Gora)

Teile der Berliner Coronaprotestbewegung sollen durch den Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft werden. Über die Demos hat der Soziologe Sebastian Koos geforscht. Auch viele Menschen aus dem bürgerlichen Lager hätten sich radikalisiert.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur