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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.11.2011

Ökologisches Defizit als Ratingfaktor

UN-Umweltprogramm dringt auf stärkere Einbeziehung ökologischer Risiken

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Nomaden an einem ausgetrockneten Stausee im Nordwesten Kenias (picture alliance / dpa / Stephen Morrison)
Nomaden an einem ausgetrockneten Stausee im Nordwesten Kenias (picture alliance / dpa / Stephen Morrison)

Inwieweit beeinflusst der Umgang eines Staates mit seinen natürlichen Ressourcen dessen Kreditwürdigkeit? Die Ratingagenturen haben sich darüber bisher wenig Gedanken gemacht. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UNEP, will nun für eine größere Sensibilität sorgen.

Wenn die Kreditwürdigkeit von Staaten beurteilt wird, spielen zunächst wirtschaftliche Faktoren wie Wachstumsrate, Bruttosozialprodukt und der Schuldenstand eine Rolle, aber auch soziale Faktoren, zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, der Zustand des Bildungssystems oder die Arbeitslosenrate.

Ein neues Projekt des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP und der Nichtregierungsorganisation Global Footprint Network will nun zeigen, wie der Umgang mit natürlichen Ressourcen die Kreditwürdigkeit beeinflusst. Vereinfacht ausgedrückt: Es soll in Zukunft nicht nur um Bankschulden gehen, sondern auch um Ökoschulden.

Der Umweltökonom Mathis Wackernagel, Vorsitzender des Global Footprint Networks, erläutert, wie das ökologische Defizit eines Landes ermittelt wird:

"Wir denken wie Bauern. Auf der einen Seite schauen wir, wieviel ökologisch produktive Fläche es gibt auf der Welt oder in einem Land, und das können wir dann vergleichen mit dem Footprint, also: Wieviel Fläche braucht es, um unsere Ressourcen, die wir konsumieren, zu regenerieren, und den Abfall aufzunehmen? So können wir vergleichen: Wieviel verbrauchen wir im Vergleich zu dem, was die Erde und die Ökosysteme eines Landes regenerieren können."

Erfolgreiche Investoren wollten die Welt besser verstehen, um Entscheidungen treffen zu können, sagt Wackernagel. Deshalb müsse das ökologische Defizit eines Landes bei der Bewertung seiner Kreditwürdigkeit künftig stärker berücksichtigt werden:

"Heute wird die Ressourcen-Situation der Länder noch viel zu wenig einbezogen in die Rechnung. Und da wir nun schon ziemlich stark im ökologischen Overshoot sind, also die Welt viel mehr braucht, und die Menschheit viel mehr braucht, als die Erde regenerieren kann, werden die Ressourcen-Fragen immer wichtiger. Daher denken wir, dass eben das ökologische Defizit, also dass ein Land mehr braucht als es hat, zu einem immer wichtigeren Faktor wird."

Um die Situation zu veranschaulichen, verweist das Global Footprint Network auf Beispiele wie Indien, China, die USA und auch Deutschland. Dies seien Länder, in denen der Ressourcenverbrauch weitaus höher liege als die Fähigkeit, diese Ressourcen zu reproduzieren:

"In Deutschland wird ca. zweieinhalbmal mehr gebraucht, als die Ökosysteme in Deutschland regenerieren können. Diese Differenz muss irgendwo her kommen. Diese Differenz wird immer teurer, wenn die Ressourcen teurer werden, und somit zu einem Nachteil für die deutsche Wirtschaft."

Länder wie Brasilien, Schweden oder Finnland seien dagegen in einer Situation, in der die Biokapazität höher ist als der tatsächliche Verbrauch. Dies müsse bei der Kreditwürdigkeit dieser Länder stärker berücksichtigt werden. Dagegen müsse die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Italien, die viel mehr an Rohstoffen verbrauchten als sie regenerieren könnten, schlechter bewertet werden.


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