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Tonart | Beitrag vom 05.03.2020

Oboist Albrecht MayerBeethovens verschollenes Konzert

Von Cornelia de Reese

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Zu sehen ist Albrecht Mayer, der einen weißen Anzug trägt und Oboe spielt. (Getty Images / Stefan Hoederath)
Oboist Albrecht Mayer über sein Festival: "Wir haben genügend Beethoven, um alle Beethoven-Liebhaber zufriedenzustellen." (Getty Images / Stefan Hoederath)

Die Partituren zu Ludwig van Beethovens einzigem Oboenkonzert sind verloren gegangen. Auf der Musikwoche in Hitzacker wird die 7. Sinfonie dennoch erklingen. Sie sei ekstatisch und voller Wildheit, schwärmt Oboist und Festivalleiter Albrecht Mayer.

Oboe konnte Ludwig van Beethoven nicht spielen. Das Klavier, die Geige, die Bratsche – das waren seine Instrumente. "Aber tatsächlich liebte er die Oboe auch sehr. In jeder seiner Sinfonien von 'Eroica' ganz vorne hat er wirklich wunderschöne Soli. Gerade in der 'Eroica' – das ist vielleicht die Oboen-Sinfonie von Beethoven", sagt Solooboist Albrecht Mayer. Er spielt bei den Berliner Philharmonikern und ist als Festivalleiter der Musikwoche in Hitzacker trotzdem glücklich über das, was Beethoven für sein Instrument hinterlassen hat.

Verschwundene Notenblätter

Und doch gibt es einen Wermutstropfen. Alle Oboisten, und so auch Albrecht Mayer, trauern einem verlorenen Werk Beethovens nach: "Er hat auch, das wissen die allerwenigsten, ein Oboenkonzert geschrieben. Ein Oboenkonzert in B-Dur. Davon gibt es nur die sogenannten Incipien, also die Satzanfänge".

Im Bonner Beethoven-Haus liegt in den Archiven ein Notenblatt mit einigen Notizen des Verlegers Anton Diabelli, der etliches von dem Komponisten veröffentlichte. Auf den Notenzeilen sind jeweils die Anfangstakte eines dreisätzigen Werkes mit Tempobezeichnungen notiert. Darüber steht: "Ludwig van Beethovens Concert für Oboe und Orchester". Diabelli muss in Besitz der Partitur gewesen sein. Einige Skizzen existieren noch in London, ein Druck liegt aber nicht vor. Vielleicht ein zu anspruchsvolles Werk, das Beethoven komponierte. Zu einer Zeit, als er in Wien Schüler Joseph Haydns war.

Albrecht Mayer: "Vor einiger Zeit habe ich eine Tour gemacht mit der Academy of St. Martin in the Fields aus London und habe da die Rekonstruktion eines Belgiers des langsamen Satzes des Beethoven-Oboenkonzertes gespielt."

Vielleicht wurde er von guten Oboisten beraten

Wahrscheinlich kannte Beethoven auch einige Oboisten in Wien persönlich gut und damit die Möglichkeiten des Instrumentes. Denn viele Partien lägen ganz gut in der Hand, sagt Albrecht Mayer:

"Aber natürlich hat Beethoven auch wunderschöne Kammermusikwerke original geschrieben und zwar zwei Trios für zwei Oboen mit Englischhorn. Eins davon ist das berühmte Variationstrio über 'La ci darem la mano' aus 'Don Giovanni'. Mein heimlicher Favorit ist das Oktett in Es-Dur für Bläseroktett von Ludwig van Beethoven. Das ist ein fantastisches Werk. Ich liebe das wirklich sehr."

Beethoven auch auf der Musikwoche Hitzacker

Sein Festival, die Musikwoche Hitzacker, kann und will in diesem Jahr nicht an Beethoven vorbeigehen. So hat Albrecht Mayer unter anderem die 7. Sinfonie auf sein Programm gesetzt mit der Magdeburgischen Philharmonie. Sowohl als Oboist als auch als Dirigent kennt er das Werk in- und auswendig. Die Pultposition ist seine zweitliebste, musikalisch gesehen. Und das seit rund 20 Jahren. Die Sinfonie sei ekstatisch, voller Wildheit und Furore: "Und das in einer Zeit, wo die klassische Musik eigentlich eher harmlos war", erklärt Mayer.

Das Festival steht unter dem Motto "Rhapsodie". "Das zieht sich eben von Rhapsodie zu Rhapsodie und durch das ganze Festival in Hitzacker. Und wir haben genügend Beethoven, um alle Beethoven-Liebhaber zufriedenzustellen, aber auch nicht zu viel, um alle anderen auch glücklich zu machen."

Musikwoche Hitzacker
"Rhapsodien"
6. - 15. März 2020

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