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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.12.2020

Oberbürgermeister Claus Ruhe MadsenErfolgreiches Krisenmanagement in Rostock

Moderation: Julius Stucke

Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister von Rostock, sitzt im Rathaus vor dem Stadtwappen.  (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Bernd Wüstneck)
Der Oberbürgermeister von Rostock, Claus Ruhe Madsen, ist stolz auf die niedrigen Infektionszahlen in seiner Stadt. (picture-alliance/dpa-Zentralbild/Bernd Wüstneck)

Unter dem Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen hat sich die Hansestadt in der Coronakrise zum "cold spot" in Deutschland entwickelt. Darauf ist der Däne stolz. Er fordert, die Geschäfte wieder zu öffnen und den Bürgern mehr zu vertrauen.

Seit September 2019 ist der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen Oberbürgermeister von Rostock. Der Unternehmer war damals mit dem Slogan angetreten "Rostock bewegen". Er wollte "gestalten statt verwalten" und fand sich sehr bald in der Coronakrise wieder.

Kraftakt im Rathaus  

Niemand habe sich auf die Pandemie ausreichend vorbereiten können, sagt Madsen. Es sei sehr viel Krisenmanagement gefragt gewesen. "Es hat mich sehr viel Arbeit gekostet, auch sehr viel Nerven." Er sei selten vor 22 Uhr aus dem Rathaus gekommen.

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Ein Gefühl, dass er bis dahin noch nicht gekannt habe, sei gewesen, die Verantwortung für 210.000 Menschen und deren Gesundheit zu tragen, so Madsen. Bei seiner Wahl habe er sich nicht vorstellen können, dass er einmal Schulen und Kitas schließen müsste und Konzerte absagen.  
 
Beim Rückblick auf das vergangene Jahr seien in Rostock viele Entscheidungen richtig getroffen worden. Die Stadt habe bisher eine sehr gute Corona-Inzidenz. Das mache Rostock zum "cold spot" von Deutschland. Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt bei 29 nachgewiesenen Infektionen pro 100.000 Menschen. 

Blick von Gehlsdorf über die Warnow auf die Hansestadt Rostock. (picture-alliance/Zoonar.com/Rico Ködder)Die Hansestadt Rostock gilt derzeit als "cold spot" in Deutschland. (picture-alliance/Zoonar.com/Rico Ködder)

Madsen wünscht sich einen gewissen Perspektivwechsel. "Das, was wir bisher tun ist: W ir hangeln uns von einem Feiertag zum nächsten." Dabei müsse allen klar sein, dass Corona erst einmal eine Weile bleibe. "Deswegen muss unsere Perspektive sehr, sehr langfristig sein", sagt der Oberbürgermeister.

Er habe nicht das Gefühl, dass sich jemals jemand beim Schuhkauf im Geschäft angesteckt habe. Deshalb sei es auch nicht richtig, die Schuhläden zu schließen. Entscheidender seien die Ansteckungen im privaten Umfeld.

Geschäfte wieder öffnen

Kontakte müssten deshalb zwar eingeschränkt werden, aber es gebe gute Hygienekonzepte für den Handel, Sportereignisse und die Gastronomie. Madsen plädiert für mehr Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger. "Ich habe hier sehr vernünftige Bürger", sagt der Kommunalpolitiker. Ihnen sollte man die Hand reichen und ermöglichen, die Geschäfte wieder zu öffnen.

Das Benehmen jedes Einzelnen sei für den Umgang mit der Pandemie entscheidend, nicht etwa staatliche Kontrolle. "Ich muss die Menschen dazu motivieren, zu verstehen, dass es wichtig ist, wie jeder von uns sich verhält." Die überwiegende Mehrheit halte sich auch an die Regeln.

Nachverfolgung lief weiter 

Auch in Rostock habe es Kontrollen gegeben. Die Gesundheitsämter hätten die Infektionen immer weiter nachverfolgt und nie aufgehört, hinterher zu telefonieren.  Bei der erneuten bundesweiten Diskussion über mögliche Schulschließungen ist der Oberbürgermeister unbedingt dafür, die Schulen offen zu lassen und Bildung zu ermöglichen.  

(gem)

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