Obdachlose in der Kältewelle

    "Solidarität ist jetzt gefragt"

    04:39 Minuten
    Ein Schlafsack liegt auf einer Bank im winterlichen Berlin. Im Großen Tiergarten liegt Schnee.
    Trotz großer Kälte müssen manche Menschen Tag und Nacht draußen verbringen. Jörg Richert rät dazu, Menschen in Not anzusprechen. © IMAGO / Stefan Zeitz
    Jörg Richert im Gespräch mit Axel Flemming · 07.02.2021
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    Eine Kältewelle durchzieht weite Teile Deutschlands und verschärft die Lage von Obdachlosen. Jörg Richert, der für eine Hilfsorganisation in Berlin arbeitet, rät dazu, hinzuschauen und nötigenfalls Hilfe zu holen.
    Bei Temperaturen deutlich unter null Grad Celsius, wächst die Sorge um Menschen, die sich im Freien aufhalten müssen, weil sie kein Obdach haben. Jörg Richert arbeitet in der Geschäftsleitung von Karuna e.V, einem sozialen Träger in Berlin.

    "Bitte sprechen Sie die Personen an"

    Richert sagt angesichts der Kältewelle: "Solidarität ist jetzt gefragt: Alle Menschen sollten ein Auge auf hilflose oder obdachlose Menschen haben. Bitte sprechen sie diejenigen Personen an."
    Wenn man den Eindruck habe, die Person benötige Hilfe, rät er dazu, entweder einen Krankenwagen zu rufen, wenn es arg sei, oder bei den Hotlines für Obdachlose anzurufen, die Hilfe organisieren würden. Dann könnten Helfer zu der Person fahren und vor Ort unterstützen.
    Allerdings sollte alles auf freiwilliger Basis geschehen, betont er. "Aber es gibt natürlich auch Menschen, wo wir mit Hilfe der der Psychiatrie und Ärzten gegen den Willen arbeiten müssen, damit jemand nicht erfriert."

    Hilfe in einer akuten Situation

    Richert berichtet, man habe in den vergangegen beiden Tagen mit dem Katastrophenschutz über 80 Menschen in Hostels untergebracht, die bis dahin in Zelten übernachtet hatten.
    Zu Berichten, dass einige der Obdachlosen ihren Platz an der Rummelsburger Bucht in Berlin nicht hätten verlassen wollen, sagt er, das habe er anders wahrgenommen. Man sei unmittelbar bei den Menschen gewesen: "Wir hätten die Polizei gar nicht gebraucht, weil die Menschen sehr froh waren über die Angebote, die wir mit dem Land Berlin machen konnten."
    Die Situation sei auch schon vor der Kältewelle an dem Ort untragbar gewesen. Die Karuna-Mitarbeiter hätten niemanden getroffen, der meinte, er hätte gegen seinen Willen von der Fläche gemusst. Bemängelt werde allenfalls, dass bei der Räumung einige Dinge im Besitz der Menschen dort kaputtgegangen seien: "Das finden wir auch sehr bedauerlich und im Nachgang werden wir den Personen auch helfen, dass da Schadenersatz gezahlt wird."

    Corona-Pandemie erschwert die Lage

    Generell sei es so, dass Corona die Lage der Obdachlosen erschwere. Das System sei nicht auf eine Pandemie ausgelegt gewesen. Insbesondere werde es für obdachlose Menschen schwieriger, medizinische Versorgung zu bekommen.
    (mfu)
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