Seit 01:00 Uhr Nachrichten
Dienstag, 11.05.2021
 
Seit 01:00 Uhr Nachrichten

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 08.08.2014

NS-DiktaturUnbekannte, kostbare Stimmen

Neben Anne Frank schrieben Hunderte anderer junger Juden Tagebuch

Von Renate Maurer

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)
Anne Frank (etwa 1941) hatte sich mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckt und dort ihr Tagebuch geschrieben. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Zeugnissen verfolgter Juden im Nationalsozialismus. Doch neben ihr schrieben Hunderte anderer junger Juden über ihre Erlebnisse während der NS-Zeit - und ihre Zeitzeugnisse sind nicht minder erschütternd.

Am Tag des Verrats und der Verhaftung der Familie Frank in ihrem Versteck in Amsterdam, am 4. August 1944, wurden die Tagebücher der 15-jährigen Anne gerettet. Als erstes erschütterndes Zeitdokument über die Judenverfolgung aus der Perspektive eines Kindes fanden sie Millionen von Lesern.

Neben Anne Frank schrieben Hunderte jüdischer Teenagern und junger Erwachsener über ihre Erfahrungen als Gedemütigte und Gejagte des NS-Regimes. Ihre Aufzeichnungen blieben jedoch fast alle jahrzehntelang unentdeckt, ungelesen, unveröffentlicht. Unter den in den letzten Jahren publizierten Tagebüchern finden sich Kostbarkeiten, die nicht weniger tragische Schicksale spiegeln: Ohnmacht, Verzweiflung, erste Verliebtheit neben Todeserwartung, unbändigem Überlebenswillen und einer tief beeindruckenden Seelenstärke.

Faksimile des Tagebuchs der Anne Frank, herausgegeben vom Anne-Frank-Museum in Amsterdam (picture-alliance/ dpa)Faksimile des Tagebuchs der Anne Frank, herausgegeben vom Anne-Frank-Museum in Amsterdam (picture-alliance/ dpa)

Zum Beispiel die Aufzeichnungen von Edith Velmans-van Hessen. Sie wurde 1925 in Den Haag geboren wurde und war mindestens so lebhaft und extrovertiert wie Anne Frank. Ihre Erlebnisse veröffentlichte sie erst 1997 - eine Mischung aus Tagebuchauszügen, Erinnerungen und Briefen. Das Buch erschien in Amsterdam und zwei Jahre später auch in Wien. Ähnlich wie Anne erlebt Edith die deutsche Besetzung lange als Abenteuer. In einem Eintrag vom 3. Mai 1942 heißt es:

"Wir tragen alle unsere Sterne. Es bringt mich dauernd zum Lachen. Man hört die ulkigsten Dinge darüber, und die Witze machen noch schneller die Runde, als die Gerüchte. Die Leute, die Sterne tragen, werden auf der Straße gegrüßt. Die Herren ziehen den Hut und man bekommt allerlei aufmunternde Bemerkungen zu hören. Es ist toll."

Doch nur ein paar Monate später verschwindet der muntere Ton aus Ediths Tagebucheinträgen, denn die Judenverfolgung in den Niederlanden nimmt zu. Ihr Bruder engagiert sich im Widerstand, ihre Mutter liegt mit einem Beckenbruch im Krankenhaus, ihr Vater hat eine Kieferoperation vor sich. Edith versteckt sich bei einer anderen Familie als Haushaltshilfe.

Das Manuskript zur Sendung als PDF- oder TXT-Datei

 

Mehr zum Thema:

Die Rettung vor Augen – und dann verraten - Vor 70 Jahren wurde Anne Frank in Amsterdam verhaftet (Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt, 04.08.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Zeitfragen

Co-ElternschaftGroßes Glück und große Herausforderung
Eine Familie, bestehend aus zwei Müttern, einem Vater und zwei Kindern sitzen zusammen auf der Couch. Die Kinder schauen mit dem Vater auf ein Tablet. (Deutschlandradio / Tini von Poser)

Alex ist schwul und hat zwei Kinder mit Kathleen und Maryna, einem lesbischen Paar. Drei von immer mehr Menschen, die in Co-Elternschaft leben. Doch ihr Alltag gestaltet sich schwieriger als gedacht. Nicht nur wegen der rechtlichen Situation. Mehr

PolizeiberichterstattungÖffentlichkeit unerwünscht
Detailaufnahme eines Einsatzfahrzeugs der Polizei in der Dunkelheit, mit Blaulicht und dem roten Schriftzug "Unfall" im Display. (picture alliance / Fotostand /  K. Schmitt)

Der "Blaulichtreporter", der noch vor der Polizei am Tat- oder Unglücksort ist: ein Auslaufmodell. Heute liefern Gaffer die Bilder oder die Pressestellen der Polizei. Der Journalistenverband sieht dahinter eine bewusste Strategie der Behörden.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur