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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.04.2010

"Nothing Personal"

Hannelore Heider hat einen Film über zwei einsame Menschen gesehen

Der Titel des Filmes ist durchaus wörtlich zu nehmen. In ihrem Spielfilmdebüt schildert die junge holländische Regisseurin die Begegnung zweier Menschen, die nichts voneinander wissen wollen.

Irland / Niederlande 2009, Regie: Urszula Antoniak, Hauptdarsteller: Stephen Rea, Lotte Verbeek, 85 Minuten, ab 6 Jahren

In Connemara, dem nordwestlichsten Zipfel Irlands, auf einer Halbinsel an einem Meeresarm, in einem einsamen Haus treffen ein älterer Mann und eine Streunerin aufeinander. Wir haben gesehen, wie die junge Frau (Lotte Verbeek) ihre Wohnung verließ und ihre Habseligkeiten verschenkte, wir erfahren nicht, was sie erlebt hat und nun zurücklässt. Nur, dass sie ihre Absicht, mit keinem Menschen mehr etwas zu tun haben zu wollen, ruppig durchsetzt.

Auch gegenüber diesem Mann (Stephen Rea), der ihr am Ende eines langen Wandertages Essen und ein Quartier anbietet. Sie setzt sich nicht zu ihm an den gedeckten Tisch, sondern bleibt auf der Bank vor der Tür. Trotzdem nimmt sie am folgenden Tag sein Angebot an, für eine tägliche Mahlzeit Gartenarbeit zu verrichten, wenn er sie nichts Persönliches fragt. Die Abmachung hält er mühelos ein.

Auch wenn sich der Zuschauer von der konsequenten Informationsverweigerung anfangs düpiert fühlt, oder von der verwirrenden Verbindung weit entfernter Örtlichkeiten wie der Stadt Amsterdam und einer Landschaft, die Irland ähnlich sieht, entsteht daraus doch eine intensive Spannung: Wie lange werden die beiden der Einsamkeit verschworenen Menschen eine Beziehung verweigern? Wann bricht sich das normale menschliche Bedürfnis nach Kommunikation auch bei ihnen Bahn? Kommen sich ein Mann und eine Frau, die auf einer Ebene so vollkommen harmonieren, nicht doch näher?

Wie das dann doch geschieht, ist als sensible, berührende Bewegung in kleinen Schritten aufeinander zu inszeniert und nicht als psychologische Analyse. Das und die faszinierende Rolle, die eine nahezu unberührte Natur dabei spielt, macht diesen Film zu etwas Besonderem. Für die in Sprache und Gesten äußerst reduzierte, aber intensive Darstellung ihrer ersten großen Filmrolle wurde Lotte Verbeek mehrfach auf internationalen Festivals als Beste Darstellerin ausgezeichnet, ebenfalls als "European Shooting Star 2010" auf der letzten Berlinale.

"Nothing Personal" avancierte auf den Hofer Filmtagen zum Publikumsliebling und errang in Locarno gleich sechs Preise, u.a. den für den Besten Film.


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