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Interview | Beitrag vom 15.10.2019

NordsyrienWie der IS auf den türkischen Einmarsch reagiert

Christoph Günther im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Syrien, Tell Abiad: Soldaten der türkisch unterstützten syrischen Nationalarmee gestikulieren nach Zusammenstößen mit Kurdischen Kämpfern. In ihrem erbitterten Kampf gegen türkischen Truppen erhalten die Kurdenmilizen in Nordsyrien Unterstützung der Regierung von Präsident Baschar al-Assad.  ( Anas Alkharboutli/dpa)
Hunderte Angehörige von IS-Kämpfern sollen nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien aus der kurdischen Haft entkommen sein. ( Anas Alkharboutli/dpa)

Bisher hätten sich die Medienstellen des IS nicht offiziell zur Flucht hunderter Angehöriger von IS-Kämpfern geäußert, so Christoph Günther. Der Experte für Dschihadismus im Netz sieht darin ein mögliches Zeichen, dass größere Operationen bevorstehen.

Bereits hunderte Angehörige von IS-Kämpfern sollen nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien aus der kurdischen Haft entkommen beziehungsweise freigelassen worden sein. Angesichts der angepannten Lage in der umkämpften Region besteht die Gefahr, dass weiteren Unterstützern und auch IS-Kämpfern die Flucht gelingt.

Wittert der bereits totgesagte IS jetzt wieder Morgenluft? Offizielle Verlautbarungen dazu gibt es bisher offenbar nicht. "Was wir sehen, ist, dass es von den zentralen Medienstellen des 'Islamischen Staates' bisher keine Reaktion auf die Militärkampagne der Türkei gibt", sagt der Islamwissenschaftler Christoph Günther, der an der Universität Mainz über Dschihadismus im Internet forscht und die Kanäle des IS im Netz beobachtet. "Es gab ein, zwei kurze News-Updates der inoffiziellen Medienagentur Amaq, aber bisher nichts weiter."

Dieses Schweigen könnte durchaus ein Zeichen dafür sein, "dass größere Operationen geplant sind, die dann auch medienwirksam verarbeitet werden sollen", warnt der Islamwissenschaftler.

Gute Ratschläge für IS-Frauen auf der Flucht

In den Kanälen von Unterstützern ist Günther zufolge die Flucht von IS-Unterstützern aus den Gefangenenlagern in Nordsyrien sehr wohl ein Thema. Diese werde als Chance wahrgenommen. "Dass man also sagt: Da bekommen wir jetzt wieder Auftrieb, und das ist eine Möglichkeit, jetzt wieder den Moment abzupassen und den 'Islamischen Staat' wieder erstarken zu sehen."

Interessanterweise würden über die einschlägigen Kanäle Hinweise an inhaftierte Frauen kommuniziert, sagt Günther: "Wie sie am besten fliehen können, an wen sie sich wenden müssen auf ihrer Flucht, wo sie sich hinwenden sollen, wem sie trauen dürfen, wem nicht."

(uko)

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