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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.10.2014

Nigeria"Boko Haram hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung"

Priester: Entführte Mädchen konnten sich befreien

Moderation: Korbinian Frenzel

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(AFP)
"Boko Haram ist ein Feind von allen", sagt der Priester Obiora Ike. (AFP)

Die Terrorgruppe Boko Haram ist nach Ansicht des Priesters Obiora Ike durch den Tod ihres Anführers geschwächt worden. Es sei dennoch schwer, Boko Haram zu besiegen, da deren Operationsgebiet riesig und unübersichtlich sei.

Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass ein Teil der von der Boko Haram entführten Mädchen sich habe befreien können. Man wisse weder genau, wie viele Mädchen Boko Haram ursprünglich verschleppt hätten, noch wie viele sich nach wie vor in der Gewalt der Terroristen befänden, sagte der Leiter des katholischen Instituts für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden im südnigerianischen Enugu, im Deutschlandradio Kultur. "Man weiß aber, dass vielleicht schon bis 100 sich befreit haben auf verschiedenste Weise."

Der Priester betonte, Boko Haram habe keinen Rückhalt in der Bevölkerung, auch nicht bei Muslimen. Zwar sei es der Terrorgruppe anfangs gelungen, das Klima zwischen Christen und Muslimen in Nigeria zu vergiften. Doch Boko Haram zerstöre alles, greife Kirchen wie Moscheen an und bekämpfe sowohl Christen als auch Muslime. "Man weiß jetzt: Boko Haram ist ein Feind von allem." Entsprechend gebe es jetzt eine "pan-nigerianische" Zusammenarbeit.

Auch der Regierung fehle es nicht an Willen, etwas gegen Boko Haram zu tun. "Aber es ist nicht leicht." Das Land habe 173 Millionen Einwohner und sei fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Außerdem würden mehr als 400 Sprachen in Nigeria gesprochen. Und auch wenn die Armee stark sei und viel tue, sei die Logistik in der abgelegenen Gegend im Norden schwierig.

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